02.
10.
2012

Das Kreuz mit der Geduld

Pons Patrick

Von: Pons
Patrick

Peng - in der heimischen Fussball-Liga rollte kaum der erste Ball und schon standen drei Trainer auf der Strasse - Yakin, Fournier, Alves die Leidtragenden. Gerne nehme ich Wetten in Empfang, wessen Kopf als nächster rollen wird. Fringer, Komornicki, Rueda oder gar Vogel? Wie schnell das Trainerkarussell im Fussball dreht, beweist mitunter die Tatsache, dass der FC Thun-Trainer Bernard Challandes der dienstälteste Trainer in der höchsten Liga ist. Raten Sie mal seit wann der temperamentvolle Jurassier an der Thuner Seitenlinie steht? Richtige Antwort: Seit Anfang Saison 2011/12 - also knapp etwas mehr als einem Jahr.

Die Erfahrung zeigt. Ein Trainerwechsel garantiert nicht zwingend den erhofften Erfolg. In vielen Fällen verpufft der Effekt des Trainerwechsels noch bevor der alte Übungsleiter seinen Spind räumen konnte. Selbst wenn man den helvetischen Sonderfall Constantin bewusst ausklammert. Ganz grundsätzlich grassiert auf präsidialer Ebene Überaktionismus, nicht selten sportspezifisches Nichtwissen sowie ein Überangebot an Ungeduld - allesamt beste Voraussetzungen, um das Trainerkarussell mächtig in Schwung zu halten.

Von solchen Verhältnissen sind wir im Unihockey weit entfernt. Ein Blick in die SML der Männer zeigt, dass neun von zwölf Teams mit dem Trainer der letzten Saison in die neue Spielzeit gestiegen sind. Nörgler mögen festhalten, dass dies aufgrund des mangelnden Trainerangebots so sei und wohl mancher Präsident bei anderen Voraussetzungen durchaus öfter Mal dem präsidialen Entlassungstrieb freien Lauf lassen würde. Man kann es aber auch positiv sehen. Die Vereinsführungen haben erkannt, dass eine gewisse Konstanz auf dem Trainerposten ein wichtiger, gar entscheidender Erfolgsfaktor sein kann. Beispiele dafür gibt es genug - Thomas Berger bei Malans und Wiler, René Berliat bei Köniz. Ja selbst im schnellerlebenden Fussball gibt es sie. Alex Ferguson, Arsène Wenger, Guy Roux, Otto Rehhagel - nur um die Prominentesten unter den Langzeittrainern zu nennen.

Geduld wird nicht nur von präsidialer Seite gefordert. Geduld hat im Unihockey zugleich den Status einer Allerweltsanalyse. Haben Sie schon mal die Spielberichte der Vereine nach einer Meisterschaftsrunde gelesen und studiert? Sie werden ohne lange zu suchen ziemlich schnell eine gemeinsame Konstante finden. Die Geduld. Und zwar bei Sieger- wie Verliererteams. Das tönt dann etwa so: „Mit Geduld zum Derbysieg!", „mit viel Geduld zum verdienten Sieg", „Geduld zahlt sich aus", „die Konzentration und Geduld liess nach", „zu wenig Geduld zeigte".

Nicht minder hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Gespräch zwischen Trainerkollegen nach einer Partie die Geduld als entscheidender Erfolgs-, respektive Misserfolgsfaktor genannt wird. Und so sicher wie das Amen in der Kirche werden auch die Spielerinnen und Spieler das scheinbar magische Wort im Verlauf einer Karriere tausendfach gehört haben - „hab Geduld mit dem Ball", „wir spielen geduldig in der Auslösung". Ich will mich nicht weisswaschen - auch ich missbrauche die Geduld ab und wann als Analysenkurzfutter oder Sammelbegriff für wünschenswerte Spielzüge. Doch muss das wirklich so sein?

Ungeduld soll Fortschritt verhindern. Geduld also Fortschritt fördern. Das würde meine oben formulierte These stützen, wonach Konstanz auf dem Trainerposten durchaus anzustreben ist. Die Frage hinsichtlich der Kommunikation mit den Spielern hingegen war suggestiv. Die Geduld ist kein Wundermittel der Spielansage. Um ein Beispiel zu machen: Statt Geduld in der Auslösung predigen, könnte ich den Spielern konkret offene Passmöglichkeiten aufzeigen.

Ungeduldig wie ich bin, freue ich mich auf nicht von Ungeduld getriebene Präsidenten sowie geduldfreie Spielberichte, -analysen und -Traineransagen.

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