06.
10.
2015
Champions Cup | Autor: Voneschen Reto

«Halbfinal hat uns weiter gebracht»

Zum vierten Mal in Serie ist Piranha Chur im Europacup-Finalturnier im Halbfinal gescheitert. Der neue Trainer Stephan Mock sieht aber trotz der Niederlage in Tschechien Positives für die Zukunft der Piranhas.

«Halbfinal hat uns weiter gebracht» Neuer Piranha-Coach: Stephan Mock unterhält sich mit den Spielerinnen (Bild Reto Voneschen)

«Första Femma» wird in Schweden die erste Linie einer Sportmannschaft genannt. In der Regel spielen auch die besten Fünf der Equipe, quasi als Aushängeschild, im ersten Block. Moras erste Fünf wirbelt seit Jahren in der höchsten schwedische Liga. Letztes Jahr reichte es erstmals für den Meistertitel. Am Samstag bekam auch Piranha Chur die Klasse von Moras Paradeformation zu spüren. Bei sieben der zehn Tore stand sie auf dem Feld. Schon bei den ersten beiden Einsätzen reüssierte die spätere vierfache Torschützin Malin Andréason.


Auch Piranha Chur hat eine klassische «Första Femma». Seraina Ulber und Katrin Zwinggi würden sich wohl auch mit verbundenen Augen finden. Zwinggi war mit drei Toren und fünf Assists sogar Topskorerin des Turniers. Aber gegen Mora standen auch sie anfangs neben den Schuhen. Nach dem 4:0 nach neun Minuten war der Halbfinal so gut wie entschieden.

Ein Déjà-vu
Zum vierten Mal in Serie ging ein Halbfinal am Champions Cup verloren, zum dritten Mal setzte es gegen den schwedischen Meister eine Klatsche ab. 2012 gegen Umea (4:11), 2013 gegen Rönnby Västeras (2:9). Einzig bei der Premiere vor fünf Jahren in Valmiera (Lettland) verlor Piranha nur 4:5 gegen Umea, damals aber im Final.

Die Meinung einiger Spielerinnen, dass Mora vor allem wegen der Fehler der Piranhas gewann, konnte Churs Trainer Stephan Mock nur zur Hälfte bestätigen. «Wir gaben den Schwedinnen zu viel Raum vor dem Tor, das nützten sie eiskalt aus», analysierte Mock. Mora habe vor allem abgeklärter gespielt und die einfachen Sachen richtig gemacht. Den Churerinnen war dagegen die Nervosität anzumerken.

Kein Vorteil sei gewesen, dass Piranha schon ein Spiel im Viertelfinal absolvierte, während Mora für den Halbfinal gesetzt war. «Dies war ein komplett anderes Spiel», so Mock. Ebenfalls glaubte er nicht, dass es besser gewesen wäre, im Viertelfinal früher Kräfte zu sparen und die dritte Linie vermehrt einzusetzen. «Es wäre das falsche Signal an die Mannschaft gewesen, wir wollten kein Risiko eingehen», befand er. Das ganze Sommertraining sei darauf ausgelegt gewesen, dass sie mit zwei Linien den Champions Cup spielen können.

Wieder ein Neustart
Ab nächster Woche beginnt für Piranha die Saison wieder neu. «Dann werden wir vermehrt mit drei Linien spielen und die jungen Spielerinnen aufbauen», verspricht Mock. Für ihn selber ist sowieso sehr vieles neu. Erst spät im Sommer sei er angefragt worden, das verwaiste Traineramt zu übernehmen. Erst als Frau und Sohn grünes Licht gaben, sagte der 47-Jährige zu. Zuvor nahm er ein Jahr ein Timeout, nachdem er Zug mit «Mock'n‘Roll» zum Cupsieg geführt hatte.

Seither pendelt er dreimal wöchentlich für die Trainings von Buchs ZH via Arbeitsort Zürich nach Chur. Dort wurde er herzlich aufgenommen. «Piranha ist wie eine Familie», stellte er rasch fest. Gemeinsam wurde auch die bittere Niederlage verarbeitet. «Der Halbfinal hat uns weitergebracht», ist Mock überzeugt, «im April des nächsten Jahres wollen wir davon profitieren». Am 23. April steht der nächste Superfinal an - hoffentlich mit Piranha-Beteiligung. Dann kann Churs «Första Femma» zeigen, was sie vom Vorbild Moras gelernt hat.

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