22.
06.
Meisterschaft | Autor: Voneschen Reto

Die Trainer-Typologie

Die klassischen Trainer-Typen der Unihockeyszene. Vom Kumpel über den Arno und Schleifer bis zum Blender. Auch schon einige davon angetroffen oder erlebt?

Die Trainer-Typologie Trainer zu sein hat so seine Tücken. (Bild: pixelio.de / Rainer Sturm)

Typ 1: Der Kumpel
Er spielte 21 Jahre für seinen Klub. Schwankend zwischen 3. und 2. Liga. Irgendwann werden die nachrückenden Jungen zu schnell. Trotzdem will er noch etwas für „seinen" Verein machen, die Freundin will ihn auch nicht zu oft zu Hause. Die geschenkte Taktiktafel wird nicht gebraucht, er weiss ja noch alles aus „alten Zeiten". Aufgestellt werden seine besten Kumpels, die Neuen müssen sich einen Stammplatz erst „erarbeiten."

  • Funktioniert solange die Kumpels in Überzahl sind.

Typ2: Der Arno
Er musste früh seine Spielerkarriere beenden. Trotzdem brennt das Feuer weiter in ihm. Mit unkonventionellen Methoden bringt er erst Junioren-, dann unterklassige und am Schluss NLA-Teams in Schuss. Auch im fortgeschrittenen Alter fühlt er sich jung, zieht das „Chäppli" verkehrt an und haut gern knackige Sprüche raus. Das Rebellenblut, weisch. Schiris und kritische Journis sind Erzfeinde, stören die Wagenburgmentalität nur. Am liebsten setzt er auf junge Spieler, die nichts hinterfragen. Es muss rocken und rollen. Wild, dynamisch, kopflos.

  • Funktioniert solange der Verein ihn machen lässt und Nachwuchs en masse produziert wird.

Typ 3: Der Schleifer
Er ist hart. Er hat die Greni-RS absolviert. Seine Spieler strotzen vor Fitness, haben Oberarme wie andere Beine. Im Training ist es laut, jeder Fehler bedeutet Liegestützen. Einhändig, einbeinig, am besten hüpfend. Wichtig ist: Disziplin! Disziplin! Disziplin! Nach Niederlagen muss das Team auch schon mal heimlaufen. Oder, wenn es Glück hat, wartet der Car an der Autobahneinfahrt. Die Mannschaft kann vor allem eines: Laufen bis zum Umfallen.

  • Funktioniert solange, bis kein Spieler mehr im Kader steht.

Typ 4: Der Überambitionierte
Findet sich oft im Nachwuchs. Auch er musste früh die Karriere beenden, nun will er eine zweite Karriere lancieren. Seine Junioren (auch wenn sie auf dem Kleinfeld spielen) werden 90 Minuten vor dem Spiel mit einer halbstündigen Taktiksitzung traktiert, danach wird eine weitere halbe Stunde draussen eingelaufen. Bei jedem Wetter. Das Spiel wird auf Video aufgenommen. Im nächsten Training gibts zuerst eine stündige Videoanalyse. Die Junioren müssen vier Systeme beherrschen, die Taktikbrette warten nach dem Einsatz fein säuberlich auf der Bank.

  • Funktioniert solange, bis er einen neuen Verein eine Stufe höher gefunden hat.

Typ 5: Der Vater
Eigentlich fuhr er nur seinen Sohn (oder seine Tochter) ins Training. „Ich suche einen Assi, hast du keine Lust", hat ihn dann der Trainer gefragt. Im nächsten Jahr führt er die Mannschaft allein. Er hätte ja sowieso den Sohnemann (oder die Tochterfrau) ins Training fahren müssen. Nach der J+S-Grundwoche hat einen Fundus von Übungen, die systematisch abgearbeitet werden. Er versteht die Kinder, nur sein Sohn (oder seine Tochter) sind hässig, wenn sie bänkeln müssen.

  • Funktioniert solange, bis der Sohn (oder die Tochter) rebellieren.

Typ 6: Der Blender (aka Wandervogel)
Seine Liste an Vereinen ist lang. Ellenlang. Das verkauft er als „langjährige Erfahrung". Er bietet sich selber den Vereinen an und findet - Trainermangel olé - immer wieder eine „neue Herausforderung". Er mag das Scheinwerferlicht, der lokale Journalist und der Präsident sind bald seine besten Freunde. Er ist der König der Floskeln und Durchhalteparolen. Nur die Spieler merken rasch: Der hat keine Ahnung was er labert.

  • Funktioniert solange, bis es der Präsi auch merkt.

Typ 7: Der Stoiker (aka der Finne)
Seine Ansprachen sind kurz, wenn er spricht ist es mucksmäuschenstill. Leider spricht er nur wenig. Eigentlich gar nicht. Aber er hat einen geheimnisvollen Plan. Die Aufgaben werden an Assistenten (wenn vorhanden) oder an den Captain übertragen. Die Taktik bestimmen die Linien selber, die Aufstellung ist immer die gleiche. Sagt während des Spiels nix. Das strahlt zwar Ruhe aus, hinterlässt bei den Spielern aber vor allem eines: Ratlosigkeit.

  • Funktioniert solange die Mannschaft gewinnt.

Typ 8: Der Pädagoge (aka „Gspürschmi")
Auch er ist vornehmlich im Nachwuchs zu finden. Ihm ist wichtig, dass alle spielen und ihren Spass haben. Die Besten spielen oft mit den Schlechtesten in einer Linie. Wegem Lerneffekt, weisch. Die Trainings sind pädagogisch wertvoll aufgebaut. Statt Zusammenschiss gibts konstruktive Gespräche in der Gruppe. Wer ein Foul begeht, entschuldigt sich beim Gegenspieler und schreibt einen Aufsatz. Auch wenn das 0:18 gegen den Zweitletzten brutal aussieht, „haben wir viel gelernt heute und machen es nächstes Mal ganz sicher besser."

  • Funktioniert solange die Mannschaft nicht grad alle Spiele verliert.


Dieser Artikel erschien auch in der Mai-Ausgabe des Printmagazins. In der aktuellen Juni-Ausgabe kümmern wir uns um die verschiedenen Präsidenten-Typen. Fortsetzung folgt.

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