28.
06.
NLA Männer | Autor: "Die Südostschweiz"

Grosse Lust auf die Familie in der Lust

Blutjung war Oscar Lundin, als er 2013 erst 24-jährig das Fanionteam von Warberg übernehmen durfte. Ab sofort ersetzt er in der «Familientruppe» von Alligator Malans den Kultfinnen Esa Jussila als Chefcoach.

Grosse Lust auf die Familie in der Lust Oscar Lundin freut sich auf seine neue Aufgabe bei Malans. (Bild: Alligator Malans)

Ein Nerd sei er, unihockeyverrückt und besessen, immer wieder Neues zu sehen und zu lernen. In der Informatik-Szene sind Nerds hochgeschätzt, ihrer Spezialkenntnisse wegen. Und nicht selten gelten Nerds in der IT-Welt als spezielle, im positiven Sinn sonderbare Typen. Ein Sonderling ist Oscar Lundin, der neue Boss an der Bande von Alligator Malans, mit Garantie nicht. Speziell ist seine bisherige Karriere aber durchaus. 2013 durfte er als Cheftrainer ein schwedisches Superliga-Team übernehmen, im jugendlichen Alter von erst 24 Jahren. Und dies sogar in Warberg, an einem Ort der Grösse von Chur, wo der Unihockeysport bereits Religion geworden ist.

Plötzliche steuerte der Mann aus dem Grossraum Göteborg ein Boot mit Weltmeistern wie dem sechs Jahre älteren Finnen Tero Tiitu. «Zuvor war ich ein Jahr Assistent, arbeitete hart, lernte Tiitu und die übrigen Stars in den Individualtrainings kennen und versuchte, ihnen zu helfen.» Auf diese Weise hat sich das «Trainerbaby» den nötigen Respekt von Tiitu und Co. erworben. Zudem wusste er mit Stefan Smedberg ein sehr erfahrener Assistent an seiner Flanke.

Sein Warberg-Engagement endete dann abrupt. Im Oktober 2016 musste Lundin das Team auf Platz 8 liegend auf Geheiss der Vereinsleitung Ulf Hallstensson, dem ehemaligen Assistenztrainer der schwedischen Nati, überlassen. Die Randnotiz dazu: Mit Hallstensson fiel die junge WarbergEquipe auf den 14. und letzten Rang zurück - und spielt nächste Saison nicht mehr in der Superliga.

Schnelle Entscheidung für Malans
Neue Chance, neues Glück für Lundin: Vor ein paar Tagen traf er mit seiner Frau Martina und seinem 1-jährigen Söhnchen Winston im Bündner Rheintal ein. Sehr gute Referenzen der ehemaligen Alligator-Akteure Smedberg und Mathias Larsson «und lange Gespräche über unsere Unihockeyphilosophien» haben Alligator-Sportchef Thomas Hitz überzeugt, «dass Lundin trotz seines tiefen Alters die richtige Wahl für uns ist».

Smedberg und Larsson waren auch für den neuen Alligator-Trainer wichtige Referenzen im Entscheidungsprozess nach der ersten Anfrage von Hitz. «Unbedingt dorthin gehen, ein seriöser Verein mit einer ureigenen DNA und einem vertrauenswürdigen und zielstrebigen Sportchef.» Solche Empfehlungen überzeugten den Skandinavier rasch. Er schlug die innerschwedische Offerten aus Linköping oder Kalmar aus, unterschrieb bei Malans, flog im April ans Playoff-Derby MalansChur und stellte kürzlich sich und seine Spielphilosophie dem NLA-Team vor. «Ich weiss, es ist eine Phrase, aber hart arbeiten ist trotzdem das Fundament meiner Unihockey-Mentalität». Und weiter? «Sich immer verbessern wollen, offen sein für Neues und neue Trainingsideen, ein extremer Fokus auf die Konzentration, taktische Variabilität und ein offensives Verhalten im Wettkampf. Also ziemlich das, was Alligator die letzten Jahre gezeigt hat.»

«Will nur Nuancen ändern»
Hitz seinerseits hielt nach einem Trainer Ausschau, der nicht als defensiver Verhinderer gilt. «Er soll seine Spieler von einer aktiven und spielfreudigen Offensive mit schnellen Ballstafetten und One-Touch-Spiel begeistern.» Da dürften sich also zwei Gleichgesinnte gefunden haben. Lundin hat seiner Crew folgerichtig keinen Neuaufbau des Systems, sondern die Festigung und Weiterentwicklung von Esa Jussilas Arbeit schmackhaft gemacht. Jussila seinerseits hat Graubünden bereits vor einigen Wochen Richtung Finnland verlassen. Nicht aber ohne zuvor mit Lundin eine Standortbestimmung gemacht zu haben. «Ich will nur Nuancen ändern, denn die Ideen von Jussila sind auch meine.»

Als Nerd hat sich der gelernte Verkäufer mit Sport-Marketing-Ausbildung natürlich über seine neue Truppe vorabinformiert. «Zumindest ein bisschen», sagt er lächelnd. Livestreams im Internet, die Gespräche mit Hitz, Jussila und dem Schweizer Natitrainer David Jansson und der Kurzbesuch im April sind sein Fundament, auf dem er jetzt seine Jungs übernimmt.

Riesig sei die Freude, jetzt in der Maienfelder Halle Lust arbeiten zu dürfen. Und mit viel Achtung vor seinen Boys erzählt Lundin nochmals vom ersten Meeting mit der Mannschaft. Er habe seine Truppe gefragt, mit welchem Satz sie Team und Verein am schnellsten beschreiben könnten. «Wir sind wie eine Familie», liessen die Spieler ihn wissen. «Das ist die beste Voraussetzung, um Gegner zu besiegen, die auf dem Papier über ein scheinbar besseres Kader verfügen.»

Quelle: "Die Südostschweiz", Hans Peter Putzi

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