13.
12.
2016
Nati Männer A | Autor: Güngerich Etienne

Kuchen: "Habe noch 40 WK-Tage"

Florian Kuchen bestritt in Riga seine dritte WM. Dabei gewann der Verteidiger von Köniz mit der Schweiz zum ersten Mal die Bronzemedaille. Vor dem Rückflug in die Heimat haben wir uns mit dem 62-fachen Nationalspieler (6 Tore, 17 Assists) über das Tschechien-Spiel und den weiteren Verlauf seiner internationalen Karriere unterhalten.

Kuchen: Florian Kuchen wie man ihn kennt: furchtlos in einem Zweikampf. (Bild: IFF)

unihockey.ch: Florian Kuchen, vor zwei Jahren verlor die Schweiz den kleinen Final gegen Tschechien mit 3:4. In Riga hat man sich den dritten Platz wieder zurückgeholt. Wie hast du das Spiel erlebt?
Florian Kuchen: Wie schon gegen Finnland und Schweden, waren die ersten Minuten nicht sehr gut. Die Dynamik in der Mannschaft war zwar da, die Konzentration aber nicht. Dies führte zu vielen individuellen Fehlern. Nach 10 Minuten haben wir uns stabilisiert und zu unserem Spiel zurückgefunden.

Welche war aus deiner Sicht die Schlüsselszene, die schlussendlich zum 8:5-Sieg führte?
Als wir nach dem Shorthander von Jendrisak durch einen Doppelschlag von Maurer und Meier mit 5:3 in Führung gingen. Danach hatten wir zwei Mal eine schnelle Antwort parat, als Tschechien jeweils den Anschlusstreffer erzielte.

In mentaler Hinsicht ist es immer hart, wenn man einen Tag nach einem verlorenen Halbfinalspiel gleich wieder ran muss. Ab wann war für dich persönlich das Schweden-Spiel abgeschlossen?
Wir hatten ja zwischen den beiden Spielen etwas mehr Zeit als die Tschechen. Kurz nach Spielende war die Enttäuschung riesig. Erstaunlicherweise konnte ich nach dem Abendessen aber ziemlich rasch abschalten. Ich schaute mir ein paar Serien an und kam schnell auf andere Gedanken.

Du hast ja nicht zum ersten Mal eine solche Situation erlebt. Haben dir die Erfahrungen von 2010 und 2014 geholfen?
Ich konnte sicher etwas routinierter damit umgehen, als vielleicht die WM-Neulinge. Vor zwei Jahren war es nicht so schwierig, den Fokus schnell auf das Bronzespiel zu richten. Zu klar war die Angelegenheit im Halbfinal. Brutal war es 2010 in Finnland, als wir nur mit 2:3 gegen Schweden verloren. Da haben wir auch als Mannschaft den Turnaround im kleinen Final nicht mehr hingekriegt.

Hand aufs Herz: was überwiegt bei dir mehr, der Schmerz von der Halbfinal-Niederlage oder die Freude über den Medaillengewinn?
Der Finaleinzug war unser grosses Ziel. Wir wollten unbedingt Finnland oder Schweden einmal bezwingen. Dafür haben wir zwei Jahre hart gearbeitet. Wie schon erwähnt, war die Enttäuschung über die Niederlage gegen Schweden riesig. Vor allem weil wir sehr viele Sachen gut gemacht haben. Am Sonntag ging es einfach darum, das Spiel irgendwie zu gewinnen, um das Turnier mit einem Sieg abzuschliessen. Wichtig war auch, dass wir den Tschechen zeigten, dass wir immer noch die Nummer 3 sind.

Wer hat für dich persönlich vom Schweizer Team an dieser WM überzeugt?
Neben den beiden Meiers hat für mich Luca Graf ein sehr gutes Turnier gezeigt. Er hat sehr mutig und körperbetont gespielt und vor allem fast keine Fehler begangen.

Du bist jetzt 28 Jahre alt und hast an drei Titelkämpfen teilgenommen. War es deine letzte WM?
(schmunzelt) Das hast du mich doch schon vor ein paar Tagen erst gefragt... Ich kann dir immer noch keine konkrete Antwort darauf geben. Das muss ich aber auch nicht jetzt entscheiden. Zuerst will ich diese WM sauber abschliessen und verarbeiten. Dann wäge ich ab, ob sich der Aufwand mit den vielen Zusammenzügen mit meinem Beruf vereinbaren lässt. Dafür werde ich mir genügend Zeit lassen.

Was könnte ein Grund sein, dass du noch eine WM anhängst?
Dass ich noch 40 WK-Tage zu leisten habe...(lacht)

 

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