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Erfreulicher Aufwärtstrend
Zwei von vier Schweizer Teams ziehen in den Halbfinal des Champions Cups ein, im Viertelfinal der Division Süd scheitern alle beteiligten Landesmeister im Rückspiel vor heimischem Anhang. Wir versuchen, die Resultate einzuordnen.
Die Bilanz der Schweizer Teams ist bei der vierten Austragung im neuen Format mit vier Teams pro Land und Hin- und Rückspielen in einer Nord- und Süd-Division jetzt schon die zweitbeste seit 2023, als drei von vier UPL-Vertretern in den Halbfinal einzogen. Eine Schweizer Finalteilnahme gab es im neuen Modus noch nie. Besonders der Vergleich der Resultate 2026 zum Vorjahr zeigt eine deutliche Verbesserung: Aus einem Unentschieden und sieben (zum Teil deutlichen) Niederlagen 2025 wurden zwei Siege, zwei Unentschieden, vier Niederlagen und zwei gewonnene Verlängerungen in den letzten Wochen.
Klar: Wenn Pablo Mariotti und Denisa Ratajova in der Overtime nicht getroffen hätten und der Ball auf der Gegenseite ins Netz hinter Oskari Fälden und Noora Holle geflogen wäre, stünde die Schweiz erneut ohne Halbfinalist da. Dass die erste Strafe des Spiels zwischen den Bulldogs Brno und Zug kurz nach Beginn der Verlängerung ausgesprochen wurde, half ebenfalls, das Zuger Powerplay agierte sehr druckvoll. Sehr eng verliefen auch drei von vier Viertelfinal-Duellen im Norden, nur Kalmarsund kam gegen Koovee (das nur teilnahm, weil die Teams der Frauen F-Liiga das neue Format mit 14 Spielerinnen auf dem Matchblatt fast alle boykottierten) zu zwei Kantersiegen.
Fehlende Zeit, fehlende Goalies
Der Modus mit Hin- und Rückspiel, bei dem die Tordifferenz dieser zwei Spiele unbedeutend sind, ist für Aussenstehende nicht immer verständlich. Der Heimvorteil ergibt sich daraus, dass eine mögliche Verlängerung vor heimischem Anhang gespielt werden kann, weshalb die Landesmeister zuerst auswärts antreten. Der HC Rychenberg und die Wizards trauern logischerweise den "fehlenden" 15 Spielminuten nach, die sich im neuen Format mit 3x15 Minuten und nur 14 Athleten auf dem Matchblatt besonders bemerkbar machen, wenn in der Schlussphase des Rückspiels ein Tor den Unterschied zwischen dem Ausscheiden und einer rettenden Overtime macht.
Dass teilweise nur ein Goalie auf dem Matchblatt stand, hatte allerdings unterschiedliche Gründe - Thurgau setzte beispielsweise konsequent auf die Möglichkeit, mit drei Sturmlinien zu spielen und bot keinen Backup für Oskari Fälden auf. Rychenberg hingegen konnte zwischen dem Hin- und Rückspiel keinen Ersatz für den verletzten Maxime Perroulaz melden. Genau wie im Vorjahr, als die rekonvaleszente Leonie Wieland im ersten Spiel als Betreuerin auf dem Matchblatt stand und im Rückspiel eigentlich spielen sollte, hätte ein gründlicheres Studium der vorliegenden Reglemente eigentlich geholfen, der Unmut der Beteiligten ist dennoch nachvollziehbar.
Aussenseiter im Vorteil
Die negativen Meinungen zur Reduktion der Kader und Spielzeit dominieren (auch bei den Siegerteams) eindeutig, was verständlich ist. Für ein isoliertes Turnier wie die World Games mögen kleinere Teams und kürzere Spiele Sinn machen, für den Champions Cup sind sie ein verheerender und unnötiger Einschnitt - genau wie die 45 Minuten Spieldauer. Da die Vereine ihre Spiele weiterhin ansetzen können, wie sie wollen, sind auch drei fast gleichzeitig stattfindende Spiele wie am vergangenen Donnerstagabend möglich. Einen Event mit zwei Spielen am selben Tag in derselben Halle wird im Halbfinal vermutlich wieder nur Tatran auf die Beine stellen können und wollen.
Weniger Spieler und kürzere Spiele machen eine Überraschung wahrscheinlicher. In einer Best-of-7-Serie würde sich Mlada Boleslav gegen Thurgau vermutlich durchsetzen, doch das spielt rückblickend keine Rolle. Den Mostindern gelang mit dem tollen Auftritt in Amriswil eine perfekte Ausgangslage, mindestens die Teilnahme an der Verlängerung im Rückspiel war gesichert. Anders als Thurgaus Halbfinalgegner Nokian dies gegen Falun machte, war auch keine völlige Spielverweigerung nötig, um einen stark besetzten Gegner zu bezwingen. Man darf gespannt sein, wie die Finnen sich im Halbfinal präsentieren - diesmal muss Thurgau zuerst auswärts antreten. Für Teams wir Zug, das in engen Phasen sowieso schnell auf zwei Linien reduziert, muss das neue Spielformat hingegen kein Nachteil sein - der nächste Gegner, Thorengruppen, ist darin aber ebenfalls geübt. Besonders während der Saison 2025/26 reiste das Team aus Umea teils mit weniger als 15 Feldspielerinnen an die Spiele, da viele Verletzungen zu beklagen waren. In jedem zweiten Einsatz Veera Kauppi aufs Feld schicken zu können, dürfte für jeden Trainer der Welt verlockend sein.
Hoffnungsvoller Auftritt
Insgesamt zeigen die Schweizer Champions-Cup-Partien aber eine erfreuliche Aufwärtstendenz. Bei den Frauen bleiben die Gegner aus der SSL das Mass aller Dinge, doch gerade als Weltmeisternation muss sich die Schweiz vor niemandem verstecken. Mit Brno und den Wizards unterlagen am Ende zwei junge und somit international noch etwas weniger erfahrene Teams, die Duelle hätten genau wie jene bei den Männern aber auf beide Seiten kippen können. Der HCR verkaufte sich bei seiner zweiten Champions-Cup-Teilnahme besser als noch im Vorjahr und Thurgau nahm den Schwung und die Euphorie, die den Verein in den letzten Monaten begleitete, gleich mit auf die internationale Bühne. Gerade hinsichtlich einer möglichen WM-Premiere von Spielern wie Pablo Mariotti (auffälligster Thurgauer im Rückspiel), Janis und Niklas Graf oder Elia Seiler (Hattrick im Hinspiel) sind es wichtige Erfahrungen, die guten Resultate stärken das Selbstvertrauen. Die Unbekümmertheit der jungen Schweizer wirkt erfrischend und kann dabei helfen, den Status als unbestrittene Top-4-Nation wieder zu erlangen.