03.
2022
Die Ansprüche sind gestiegen
Waldkirch-St. Gallen liegt in der Viertelfinal-Serie gegen Köniz trotz gutem Start mit 1:3 im Hintertreffen, bietet dem Schweizer Meister aber vor allem in taktischer Hinsicht Paroli. Goalie Lukas Genhart hat den Traum von der erstmaligen Halbfinal-Qualifikation noch nicht aufgegeben und glaubt an eine Wende gegen seinen ex-Verein.
Dank einem starken Schlussspurt hat sich der UHC Waldkirch-St. Gallen Ende Februar zum dritten Mal in Folge für die Playoffs qualifiziert. Blieben die Ostschweizer bei der Premiere gegen die Grasshoppers noch chancenlos, gelang ihnen ein Jahr später der erste Playoff-Sieg in der Vereinsgeschichte, verlor dann aber die nächsten vier Spiele. Das gleiche Prozedere droht ihnen nun zwölf Monate später gegen Floorball Köniz. Nach dem Startsieg in der Weissensteinhalle setzte es drei Niederlagen in Folge ab. Trotz dem 1:3-Rückstand halten die WaSaner aber mit dem Schweizer Meister gut mit und machten in ihrer Entwicklung einen weiteren Schritt nach vorne. Das bestätigt auch Torhüter Lukas Genhart, der alle drei Playoff-Qualifikationen miterlebte: «Wir sind viel weiter als vor zwei Jahren und befinden uns in vielen Bereichen mit unserem Gegner auf Augenhöhe.»
Köniz mit langer Reaktionszeit
In der Serie gegen Floorball Köniz betrifft dies vor allem die Punkte Taktik und Spielstruktur. Armin Brunner schickte seine Mannen mit einem klaren Plan in den Playoff-Kampf. Das 1:2:2-System konnte der ehemalige Nationalspieler seit seinem Amtsantritt mittlerweile implementieren. Die Manndeckung in der eigenen Zone lässt die Könizer Individualisten nicht zur Entfaltung kommen. Und auch im Spiel mit Ball agieren die Ostschweizer ideenreich und versuchen mit verschiedenen Varianten über die schwächere FBK-Seite auszulösen. «In diesem Bereich wollten wir uns auf diese Saison hin weiterentwickeln, was uns auch gelungen ist. Bei hohem Druck, verfallen wir nicht mehr in Panik», verrät Genhart.
Zum gepflegteren Spielaufbau hat auch Brunners Schachzug, die ballsicheren Stürmer Tino von Pritzbuer und Roman Mittelholzer in die Verteidigung zu beordern, seinen Teil dazu beigetragen. Sowieso gibt Genhart seinem Coachingstaff viel Kredit. «Wir wurden sehr gut auf diese Serie vorbereitet. Unser Gameplan ist gut und für Köniz herausfordernd.» Tatsächlich wies der Schweizer Meister eine relativ lange Reaktionszeit auf die gestellten taktischen Fragen seines Kontrahenten auf. St. Gallens Top-Linie um den Finnen Asa Veteläinen durfte beispielsweise in den ersten Spielen nach belieben schalten und walten und hat Köniz' erste Formation den Rang abgelaufen.
In Spiel 4 den Fokus verloren
Obwohl das Team von Jyri Korsman also in diesem Viertelfinal nicht unwiderstehlich auftritt, kam es mit einem blauen Auge davon und steht mit einem Bein im Halbfinal. WaSa sieht sich dagegen trotz ansprechenden Leistungen bereits mit dem vorzeitigen Saisonende konfrontiert. «Wir spielten in den ersten drei Spielen eigentlich gut und haben trotzdem nur einmal gewonnen. Wenn der Gegner klar besser ist, fällt es leichter, die Niederlage zu akzeptieren. Aber so ist es schon frustrierend», sagt Genhart, der weiter meint, dass Köniz bis jetzt noch nicht auf seinem Top-Niveau angekommen sei. Der Mittelländer sollte es ja wissen, wurde er doch in der FBK-Nachwuchsabteilung ausgebildet und holte vor vier Jahren mit dem NLA-Team als Nummer 2 den Titel. Entgangen sind ihm auch nicht die für seinen ex-Verein ungewöhnlichen Mängel in dessen Defensive. Einzelaktionen und die individuelle Klasse der Offensivspieler haben jedoch an den ersten beiden Wochenenden den Ausschlag für Köniz gegeben, lässt der ehemalige U19-Natihüter weiter verlauten.
Was für WaSa allerdings nicht gehe, sei eine Performance wie sie am letzten Sonntag im Tal der Demut abgelegt wurde. Da brachen fünf Gegentore innert 20 Minuten den St. Gallern das Genick. «Wir verloren den Fokus. Gegen Köniz einen solchen Rückstand aufzuholen, ist fast unmöglich - dessen sind wir uns bewusst», stellt Genhart klar. Er präzisiert die Erklärung für den Fünf-Tore-Rückstand damit, dass zu wenig gut verteidigt sowie zu wenig konsequent geblockt wurde. Und nimmt dabei auch seine eigene Leistung nicht aus der Kritik: «Ich hatte nicht meinen besten Tag und hätte sicher zwei oder drei Tore verhindern müssen.» Der 25-Jährige ist dennoch überzeugt, dass die Serie an diesem Wochenende noch nicht zu Ende gehen wird. «Unsere Ansprüche sind entsprechend unserer Entwicklung gestiegen. Momentan ist bei uns niemand zufrieden. Wir wollen Köniz weiter fordern und weitere Spiele erzwingen.» Der erste Schritt soll dabei am Samstag erfolgen, Genhart und seine Teamkollegen wollen sich im TV-Spiel in der Sporthalle Weissenstein (Anpfiff: 17:00 Uhr) endlich besser belohnen.