27.
12.
2017

Cool, vernünftig und dämlich

Rhyner Sascha

Von: Rhyner
Sascha

Auf die Saison wird es drei neue Regeln geben. So zumindest kann man das auf (sehr) einschlägigen Websites (vermutlich ist hier der Plural schon falsch) lesen. Eigentlich ist es schon eigentümlich, dass man über diese drei neuen Regeln nicht auf den offiziellen Kanälen liest, sondern über ein Fachportal. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. Nun jedoch in medias res:

Eine davon ist cool - zumindest für Zuschauer und Feldspieler. Beim Penalty darf der Ball nun neu rückwärts bewegt werden. Dafür darf das der Spieler nicht mehr. Für die Spieler bedeutet dies: Zorro-Varianten sind nun legal, was bisher nicht der Fall war. Das Reglement war da noch eindeutiger als es der gern und oft geäusserte Ruf «Zurückgezogen!» vermuten lässt: Der Ball musste sich nämlich in ständiger Vorwärtsbewegung befinden. Auch den Schiedsrichtern dürfte dies die Arbeit erleichtern, da zum einen Interpretationsspielraum (obwohl eigentlich nicht vorhanden) wegfällt. Vor allem aber sind sie nicht mehr die Buhmänner, weil sie sie einem gekonnt verwerteten Penalty die Anerkennung verweigern mussten/sollten. Einzig die Goalies dürften darob nicht gerade Freudengümpe machen. Ihre Arbeit wird deutlich schwerer.

Die zweite Regeländerung ist vernünftig: Bei einem Kopfball gibt es nun nicht mehr automatisch eine Zweiminutenstrafe. Auch hier dürfte es zur Erleichterung der Arbeit der Schiedsrichter und zur Beruhigung der Gemüter auf der Bank beitragen. Bisher wurde bei jeder Ball-Kopfberührung eine Strafe gefordert. Nun ist auch ein einfacher Freischlag möglich. Tollpatschigkeit ist nun nicht mehr automatisch mit einem Ausschluss zu bestrafen. Ein einfacher Freischlag tut es auch.

Aus meiner Sicht ist aber die dritte Regeländerung eine ziemlich dämliche: Passivität soll neu mit einem Freischlag bestraft werden. Will heissen: Versteckt sich Team A hinter dem eigenen Tor und wird nicht angegriffen, dann entscheiden die Schiedsrichter auf Zeitspiel und Team B erhält einen Freischlag zugesprochen. Das mag ja auf den ersten Blick noch vernünftig tönen, doch öffnet es etwas gar viele Interpretationsmöglichkeiten. Ich bedauere die Schiedsrichter jetzt schon. Im Handball musste die Zeitspiel-Regel genau deswegen konkretisiert werden. Nun öffnet sich hier Unihockey völlig unnötigerweise eine kleine Pandorabüchse. Ich finde, es sollten eher Regeln gestrichen und das Forechecking gefördert werden. Nun kann ich eigentlich ein halbgares Pressing betreiben und dann den Freischlag fordern, weil das Team mit Ball zwar leichten Druck hat und deshalb nicht vorwärts spielt. Das ist doch dämlich?

Schiri 176.127.179.122

16:10:11
16. 01. 2018
Also ich meine gelesen zu haben, dass entweder Ball oder Spieler immer in der Vorwärtsbewegung sein müssen. Das heisst der Ball darf zwar zurück, aber nur solange der Spieler nach vorne geht - der Spieler darf zurück, aber nur wenn der Ball nach vorne geht. Das ist wesentlich schwieriger zu beurteilen als lediglich der Ball, der sich in einer Vorwärtsbewegung befinden muss...

Ball28 84.253.60.146

10:54:41
12. 01. 2018
Soso, für Schiedsrichter "falle der Interpretationsspielraum weg"? Sicher nicht. Bisher: Stur auf den Ball schauen, und pfeifen, wenn er nicht mehr vorwärts geht. Neu: Entscheiden, ob der Spieler sich vorwärts bewegt, oder nicht. Das ist WENIGER eindeutig/einfach festzulegen. Ich sehe nicht, was daran für den SR einfacher sein soll...

Gerry 178.197.224.51

18:52:18
07. 01. 2018
Hier scheint es eine offizielle Version der Änderung zu geben (Englisch): http://www.floorball.org/Liitetiedostot/CB/CB%202017%20July/Appex%2011c%20-%20Rules%20of%20the%20Game%20to%20be%20updated%20to%20Edition%202018%20ver2.pdf (Gefunden mit Google)

Ball27 178.198.251.178

14:20:31
29. 12. 2017
Finde die Regel bzgl. Passivität auch dämlich. Warum gibt man den Schiedsrichtern (auch bei anderen beabsichtigten Regeländerungen) mehr Spielraum & Freiheiten? Damit macht man nur unnötig deren Aufgabe schwieriger weil diese über nicht eindeutig geregelte Situationen entscheiden müssen und sie damit automatisch (auch wenn sie noch so gut/richtig pfeiffen) unnötigen Diskussionen ausgesetzt werden. Eine Frage: Wurden all diese Änderungen irgendwo ausgiebig getestet?

Hugok 193.192.232.39

07:27:28
28. 12. 2017
Da muss ich Sascha recht geben. Die dritte Regel ist dämlich. Wird zu doofen Diskussionen führen. Total Sinnlos. Man würde besser das doofe Spielerbank zügeln beenden und nur die Spielrichtung ändern. Das würde im Mitteldrittel ein ganz anderes Spiel geben. Taktischere Wechsel der Spieler und am Schluss mehr Tore. Im Eishockey wird übrigens die Spielerbank auch nicht gezügelt.
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