10.
2023
Lukas Genhart: „Ab der zweiten Nacht schlafe ich besser“
Dass WaSa nach vielen Veränderungen im Sommer noch in der Findungsphase steckt, ist keine Überraschung. Umso wichtiger ist, dass mit Lukas Genhart der Anker im Tor geblieben ist. Der 27-Jährige darf sich dank starker Leistungen Hoffnungen auf die nächste WM machen.
Lukas Genhart gehört zu den Goalies, die Floorball Köniz verlassen mussten, um woanders die Nummer 1 zu werden, weil bei den Bernern (erst durch Samuel Thut, dann Patrick Eder) der Weg verbaut war. Genhart entwickelte sich bei Waldkirch-St. Gallen in den letzten vier Jahren zu einem der besten Schlussmänner der Liga und rückte nach den Rücktritten von Pascal Meier und Patrick Eder auch verdient ins Nati-Kader auf. Wir haben uns mit dem 27-Jährigen nach der 2:8-Niederlage beim HCR unterhalten.
Du warst der beste St. Galler, hast im ersten Drittel dein Team sogar noch in Führung gehalten - letztlich schlug es trotzdem acht Mal hinter dir ein. Wie gut schläfst du nach so einem Spiel?
Lukas Genhart: In der ersten Nacht meistens nicht gu. Da sind zu viele Gedanken im Kopf - wie sind die Tore gefallen, was hätte ich besser machen können? Ab der zweiten Nacht schlafe ich dann besser.
Können wir die bisherige Saison so zusammenfassen: WaSa gewinnt die Spiele, die es muss - gegen die Topteams reicht es noch nicht?
Es ist ein Auf und Ab. Gegen den HCR begannen wir gut, verloren dann aber nach zehn Minuten den Faden und fanden ihn nicht mehr. Wenn du gegen solche Teams immer einen Schritt zu spät kommst, „schäppert" es halt. Gegen Wiler und Zug spielten wir gut mit, heute nicht. Und ja, was wir gewinnen mussten, haben wir gewonnen.
Ein normaler Umstand angesichts der vielen Veränderungen im Sommer?
Bei zehn neuen Spielern, einem neuen Coach und dem Abgang von Führungsspielern wie Roman Mittelholzer oder Michi Schiess brauchen wir tatsächlich noch etwas Zeit.
Wie kommst du mit den jungen Finnen zurecht, kannst du sie steuern? Oder kommen sie als Stürmer ohnehin gar nicht erst in die Nähe deines Tores?
Blocken ist noch nicht ihre Paradedisziplin, daran müssen wir noch arbeiten (lacht).
Im Sommer wäre durch den Rücktritt Eders bei Köniz ein Platz frei geworden - war ein Wechsel für dich kein Thema?
Ich fühle mich wohl in St. Gallen - ich lebe und arbeite hier, begann ein Teilzeitstudium, meine Freundin ist hier. Eine Rückkehr in die Heimat wäre auch schön gewesen, kam aber nicht zustande.
Weshalb nicht?
Offenbar war ich bei der Suche nach einem Nachfolger für Eder nicht die erste Wahl. Diese Entscheidung liegt nicht in meiner Macht. Und aktuell läuft es uns ja besser als Köniz.
Nicht die erste Wahl? Du bist immerhin aktueller Nati-Goalie. Wie siehst du deine Position, welche Signale hast du von Johan Schönbeck erhalten?
Durch den Umbruch in der Nati entstand eine spezielle Situation. Es freut mich, dass ich dabei bin und sehe das als Belohnung für die Arbeit der letzten Jahre. Natürlich hoffe ich, dass ich mich etablieren und bei den nächsten zwei Weltmeisterschaften dabei sein kann.
Nach dem kommenden spielfreien Wochenende geht es in der Liga Schlag auf Schlag weiter - drei Partien in fünf Tagen stehen auf dem Programm. Ziehst du das als Torhüter durch oder wärst du froh, deinen Platz auch mal deinem Ersatz überlassen zu können?
Letzte Saison bestritt ich bei Doppelrunden jeweils beide Spiele - diese Saison stellte sich die Frage bei der ersten Doppelrunde nicht, da mein Ersatz verletzt war. Wir werden es sehen - mein Ziel ist natürlich immer zu spielen.
Zwischen den beiden Heimauftritten gegen Alligator Malans und GC kommt es am 2. November unter der Woche auswärts zum Derby gegen Floorball Thurgau. Auch für dich als Solothurner ein spezielles Duell?
Natürlich ist das für mich nicht gleich emotional wie für Spieler, die seit Juniorenzeiten für WaSa auflaufen. Aber keine Sorge, ich habe die Rivalität mitbekommen und gemerkt, was das Derby in der Region bedeutet.