04.
2022
"Mehr Freude als Druck"
Dem SV Wiler-Ersigen gelang es am Sonntag nicht, den Startsieg gegen Floorball Köniz vom Vortag zu bestätigen und musste in der Halbfinal-Serie den Ausgleich hinnehmen. Yannis Wyss, der sich in dieser Saison zu einem Top-4-Verteidgier entwickelte, glaubt, dass Details den Unterschied ausmachen werden.
Der Start in die Halbfinal-Serie war für den SV Wiler-Ersigen optimal: mit 5:3 gewannen die Oberemmentaler das erste Derby gegen Köniz auswärts in der Sporthalle Weissenstein. Am Sonntag verpasste es das Team von Thomas Berger, den Vorsprung auf 2:0 zu erhöhen. Die Vorstädter zeigten sich bissiger als am Vortag, siegten mit 6:2 und glichen die Serie wieder aus. Der Knackpunkt in dieser Partie ereignete sich kurz vor der zweiten Pause, als zuerst Radek Sikora (wie schon am Samstag) wegen unsportlichem Benehmen und wenig später auch noch Joonas Pylsy auf die Strafbank verbannt wurden. Köniz nutzte die Überzahlgelegenheit, um vom 2:2 auf 4:2 zu erhöhen.
Das Team des Rekordmeisters ist im Vergleich zu anderen Jahren wesentlich jünger und unerfahrener - vor allem in der Verteidigung. Mit Krister Savonen, Jan Bürki, Nicola Bischofberger und Tatu Väänänen hatte der SVWE auf dieser Position vor zwei Jahren noch vier internationale Top-Verteidiger. Nun ist mit Altmeister Väänänen, der letzte verbliebene aus diesem Quartett, kurz vor dem Halbfinal verletzt ausgefallen. Dies führt dazu, dass zurzeit enorm viel Verantwortung auf den Schultern von jungen Akteuren wie Yannis Wyss lastet. Der bald 21-Jährige erhält viel Vertrauen und wird in der ersten Linie sowie im Powerplay eingesetzt.
Woran hat es am Sonntag gelegen, dass der Vorsprung in der Serie nicht ausgebaut werden konnte?
So wie wir starteten, sollte man nicht in eine Partie gehen. Am Samstag war alles viel kontrollierter, wir fanden besser ins Spiel. Am Sonntag brauchten wir rund zehn Minuten, auch weil Köniz gleich von Anfang an All-In ging und extrem forcierte. So hatten sie mehr Ballbesitz in unserer Zone und wir konnten uns nicht bei ihnen festsetzen.
Was meinst du mit extrem forciert?
Den direkten Weg zum Tor. Schon in der Startphase hat Köniz probiert den Ball von der Bande oder von hinter dem Tor sofort in die gefährliche Zone im Slot zu spielen. Manchmal auch auf gut Glück, das hat uns in der Defensive gefordert. Köniz trat in Partie 2 bissiger auf als zu Hause, das habe ich in den Zweikämpfen gemerkt.
Ein Knackpunkt war sicher die dumme Strafe von Sikora, die die doppelte Unterzahl und den 2:4-Rückstand einleitete. Dort habt ihr einen leichten Einbruch erlitten.
Hätten wir das 3-gegen-5 überstanden, würden wir nicht von einem Einbruch reden. Entscheidend war, dass Köniz gleich zweimal reüssieren konnte. Ein Tor in doppelter Unterzahl ist nur schwer zu verhindern, danach sollten wir aber den Doppelschlag verhindern können. Insofern war eher dies der Knackpunkt als die Strafe.
Die Wiler-Verteidigung ist nach dem Ausfall von Tatu Väänänen relativ dünn besetzt. Wie gehst du mit dem Ausfall eures wichtigsten Verteidigers um, der ja oft an deiner Seite spielte?
Amelio Tambini macht das hervorragend, aber ihn mit Tatu vergleichen zu wollen, wäre wohl ein bisschen unfair. (lacht) Für mich ist es ein Luxus, mit so einem Verteidiger wie Väänänen den grössten Teil der Saison gespielt haben zu dürfen. Nun müssen wir andere Wege finden, um ihn irgendwie ersetzen zu können.
Die Verantwortung auf deinen Schultern wird dementsprechend noch grösser. Du spielst in der ersten Linie, im Powerplay und sogar im 6-gegen-5 - obwohl es erst deine erste richtige Saison in der NLA ist. Spürst du auch Druck?
Nein, ich spüre das Vertrauen der Trainer und der Mitspieler. Ich weiss, dass ich spielen und auch gewisse Risiken eingehen darf. Manchmal funktioniert's, manchmal nicht - so ist das im Sport allgemein. Von dem her verspüre ich eher Freude als Druck.
Durch den Ausgleich gibt es jetzt zwischen Köniz und Wiler eine best-of-five-Serie. Nach einer Woche Pause werden die nächsten (maximal) fünf Spiele im Rhythmus Samstag-Sonntag-Mittwoch-Samstag-Montag ausgetragen. Richtig Playoff-Time oder?
Ja, das ist genial. Jetzt können wir uns noch einmal ein paar Tage erholen und dann geht es so richtig los. Als Spieler liebst du ja Spiele, deshalb freue ich mich enorm auf die nächste Woche.
Und was wird in dieser Serie, in der sich beide Teams auf Augenhöhe befinden, schlussendlich den Ausschlag geben?
Details. Zwei Zentimeter können entscheiden, wer ist bereit mehr zu machen? Wir müssen nun über die Bücher und im nächsten Spiel von Anfang an die Intensität hinbringen, die es braucht. Zweikämpfe gewinnen, Bälle erobern, Chancen erspielen - es muss am Samstag definitiv mehr kommen von uns.