Ausgabe 233, März 2026 - Saison 2025/2026
Thurgauer Titel-Trumpf
Wenn ein Auto von einer Landstrasse abkommt und auf dem an sich freien Feld ein einzelner Baum steht, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass es zum Aufprall kommt. „Fixation auf das Hindernis" nennt sich dieses Phänomen in der Verkehrspsychologie - das Gehirn koppelt Blickrichtung und Lenken stark, unbewusst steuert man eher auf das Hindernis zu als daran vorbei. So ähnlich muss es Stürmern gehen, wenn sie vor Oskari Fälden auftauchen. 1.98 Meter gross, ein Baum von einem Mann, der in der Jugend Zehnkampf-Disziplinen trainiert hat. „Meine Highlight-Videos sind selten spektakulär, viele Schüsse prallen von meinem Brustpanzer ab. Es sieht aus, als würde ich nicht viel machen", sagt der Finne schmunzelnd. Natürlich kann er bei Bedarf auch seine Beweglichkeit unter Beweis stellen, aber durch seine Grösse deckt er selbst kniend viel Fläche ab und kann es sich erlauben, lange stabil auf der Torlinie zu bleiben. Seinen Stil beschreibt er als typisch finnisch, während viele Schweizer Goalies mehr in Bewegung sind.
Artikel lesen
Leseproben zu dieser Ausgabe
![]()
Die Ruch-Brothers
Jonas und Luca Ruch schossen den UHC Thun mit 99 Skorerpunkten zum Quali-Sieg in der NLB. Ein Traumstart in einem neuen Umfeld - doch die Geschichte der Ruch-Brüder beginnt weit früher, nämlich auf dem Platz vor dem Elternhaus in Sumiswald im Emmental.
Artikel lesen
![]()
Niederbergers Höhenflug
Erster Block in der SSL statt dritter Block in der UPL, dazu Tore satt - Ronja Niederbergers Wechsel von den Jets zu Storvreta ist ein Volltreffer in jeder Beziehung.
Artikel lesenErster Block in der SSL statt dritter Block in der UPL, dazu Tore satt - Ronja Niederbergers Wechsel von den Jets zu Storvreta ist ein Volltreffer in jeder Beziehung.
Frühling 2025: Rang 6 in der UPL-Skorerliste, 30 gesammelte Skorerpunkte in der Qualifikation und trotzdem nur Stürmerin im dritten Block bei den Jets - im Starensemble des Meisters spielten angehende Weltmeisterinnen und ausländische Internationale die ersten Geigen, wenn es in der Meisterschaft oder im Cup um die Wurst ging. Bei Ronja Niederberger reifte daher schon früh in der letzten Saison der Entschluss, nach fünf Jahren die Jets zu verlassen. Raus aus der Komfortzone, wie es jeweils heisst, ein neues Abenteuer wagen. Innerhalb der Schweiz wechseln - wohin? Warum nicht ins Ausland? Sie landete bei SSL-Aufsteiger Storvreta in Uppsala.
Frühling 2026: Rang 10 in der Skorerliste, 28 Tore und 11 Assists in 24 Spielen, mit Storvreta auf Rang 7 und früh für die Playoffs qualifiziert. Ronja Niederberger ist die beste Schweizer Skorerin in der besten Liga der Welt, spielt im ersten Block und nimmt Kurs auf das Schweizer Nationalteam.
Jobs sind Mangelware
Wir erreichen Ronja Niederberger telefonisch in Uppsala und führen das Gespräch in zwei Teilen, vor und nach einem kurzen Besuch beim Physiotherapeuten. Schulterprobleme von zu viel Torjubel, nachdem der 21-Jährigen schon fünf Hattricks gelungen sind? «Ein rein präventiver Besuch», winkt sie lachend ab. Seit dem Aufstieg haben Storvretas Frauen den gleichen Zugang zu einer Sportklinik wie die Gold hamsternden Männer des Vereins. Und Zeit für Besuche beim Physio hat Niederberger ebenfalls. Zweimal pro Woche trainiert sie im Auftrag des Vereins eine Gruppe geistig beeinträchtiger Menschen, etwas zusätzliches Geld verdient sie mit Babysitten. Dazu lernt sie Englisch für das Advanced, was sie benötigen wird, um an der Pädogogischen Hochschule ein Studium als Lehrerin anzupacken. Für Sport - sieben Trainings pro Woche, sie kann per Badge jederzeit in die IFU-Arena - bleibt aktuell viel Zeit.
«Die Jobs, die ich machen könnte, sind in einer Studentenstadt wie Uppsala auch bei den Einheimischen sehr begehrt - die gestiegenen Preise zwingen viele dazu, sich einen Nebenerwerb zu suchen», sagt Niederberger. Der Verein habe ein schlechtes Gewissen, ihr bis jetzt noch keine Stelle vermittelt zu haben. Ihre Wohnung bezahlt die Schweizerin selber. Aktuell lebt sie, abgesehen von den kleinen Einkünften, von Ersparnissen und wird von ihren Eltern unterstützt.
![]()
Ronja Niederberger überzeugt in Uppsala alle.
Etwas für den Kopf
Ein Interims-Sportchef hatte im letzten Sommer den Auftrag, das Kader Storvretas nach dem Aufstieg für die SSL fit zu machen. Mit der (zu Beginn der Saison noch verletzten) dreifachen Weltmeisterin Klara Molin (kam von Täby) fand er einen offensichtlich wichtigen Anker, bei Ronja Niederberger hatte er aber ein goldenes Händchen. Eine Top-10-Skorerin praktisch zum Nulltarif findet man nicht alle Tage. Die Schweizerin musste nicht einmal für ein Probetraining antraben und unterschrieb gleich einen Zweijahresvertrag.
Damit ist auch die Frage schon beantwortet, ob bereits grössere Vereine der SSL angeklopft haben oder eine Rückkehr in die Schweiz bevorsteht. „Ich bleibe sicher noch wie vereinbart ein zweites Jahr. Ich habe viel Spass und finanziell komme ich über die Runden", sagt Niederberger. Im Sommer möchte sie aber in der Schweiz einen Bürojob finden, der dann allenfalls auch von Schweden aus im Homeoffice weitergeführt werden könnte. „Etwas mehr für den Kopf wäre schon nicht schlecht", gesteht sie. Da es sportlich ausgezeichnet läuft, kommt sie mit der vielen Freizeit im Moment jedoch gut klar. „Wenn es kriseln würde oder ich meine Leistung nicht zeigen könnte, käme ich wohl ins Grübeln. Aber so ist alles gut", sagt sie lachend.
Den ganzen Text lesen Sie in der gedruckten Ausgabe.
Inhalt
Kurznews
Notfall-Comeback, Rekord in Amriswil, Ritter zu Ronja, Reich tritt ab. Dazu wird gut gebrüllt.
Thurgauer Titel-Trumpf
Mit 25 Jahren hat Oskari Fälden bereits einen kompletten Satz WM-Medaillen, ist finnischer Meister und Schweizer Cupsieger. Ein Star ohne Allüren, der auch neben dem Platz vorwärts kommen will.
Cupfinals 2026
Thurgau und Zug feiern in Kriens, Oekingen jubelt doppelt. Das waren die ersten Cupfinals in der Pilatus Arena.
![]()
Der Umzug in die Pilatus Arena in Kriens hat sich gelohnt.
Betrachtung in Zahlen
Die Qualifikation ist absolviert. Wir liefern Zahlen und Fakten dazu, die vieles erklären. Manches auch nicht.
Stolpernde Favoriten
In den Playoffs hagelt es Überraschungen. In der NLB der Männer sind die Viertelfinals für zwei der vier Topteams bereits Endstation und selbst das Spitzenduo war schon fast in den Sommerferien.
Niederbergers Höhenflug
Erster Block in der SSL statt dritter Block in der UPL, dazu Tore satt - Ronja Niederbergers Wechsel von den Jets zu Storvreta ist ein Volltreffer in jeder Beziehung.
![]()
Torjubel satt bei Ronja Niederberger in der SSL.
Pingpong
unihockey.ch nimmt es mit Jasmin Bieri (Skorps) und Jan Ziehli (SVWE) kurz persönlich.
Brüderliches Spitzenduo
Jonas und Luca Ruch schossen den UHC Thun mit 99 Skorerpunkten zum Quali-Sieg in der NLB.
Das lange Warten
Mit Schweden holte Ellen Rasmussen vier Weltmeistertitel. Mit ihrem Verein Malmö FBC wartet sie noch immer auf den ersten Sieg in den Playoffs.
![]()
Ellen Rasmussen gewann noch kein Playoff-Spiel.
Kolumne
Das bevorzugte Kind.