Ausgabe 234, April 234 - Saison 2025/2026
Drama, Baby
Unihockey ist nichts für Menschen mit fragilem Herz oder schwacher Blase. Die Spannung ist in der Schlussphase dieser Saison kaum auszuhalten und wer während einer Partie kurz zur Toilette muss, verpasst schnell einmal dramatische Wendungen.
Beispiel 1: Basel Regio führt in der Playoutserie gegen Chur nach drei ultraengen Partien mit 2:1. Die Bündner wechseln den Trainer, gewinnen das vierte Spiel 9:0 und führen in der „Belle" nach 40 Minuten mit 4:0. Christoph Reich bleibt fünf Drittel in Folge unbezwungen. Dann erzielt Basel in zweieinhalb Minuten drei Tore, im Schlussabschnitt insgesamt deren sieben, gleicht nach Rückschlägen zum 7:7 aus, kassiert Sekunden vor Schluss das 7:8 und steigt ab. Das verrückteste Drittel des Jahres.
Beispiel 2: In der Serie zwischen dem SV Wiler-Ersigen und dem HC Rychenberg führen die Berner im zweiten Spiel sechs Minuten vor Schluss mit 5:2, der HCR gewinnt. Im dritten Spiel führt der HCR 3:0 und zehn Minuten vor Schluss 5:3, Wiler gewinnt. In Spiel 4 führt Wiler mit 3:1, der HCR gewinnt. Führungen scheinen gefährlich zu sein.
Beispiel 3: Die Wizards gewinnen in der Halbfinalserie gegen Skorpion Emmental die ersten beiden Partien und gehen im dritten Umgang kurz vor Ende des zweiten Drittels 3:1 in Führung. Das 3:0 in der Serie scheint nur noch Formsache zu sein, der Quali-Sieger steht mit einem Bein im Superfinal. Aber die Skorps treffen zu Beginn des Schlussabschnitts in zweieinhalb Minuten dreifach, gewinnen die Partie, erzielen matchübergreifend zehn Tore in Folge und gleichen die Serie zum 2:2 aus.
Leseproben zu dieser Ausgabe
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Naja Ritter
Kreativ, ehrgeizig und ein bisschen chaotisch - so beschreibt sich Naja Ritter selbst in drei Worten. Eigenschaften, die auf und neben dem Feld ihren eigenen Rhythmus gefunden haben. Die Nati-Spielerin zwischen WM-Gold, Töpferscheibe und grossen Träumen.
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Manuel Rieder
Die Jets-Männer krönen eine souveräne Saison mit dem Direktaufstieg und sind nach sieben Jahren zurück in der höchsten Liga. Einer der wesentlichen Faktoren war Topskorer Manuel Rieder, der vor zwei Jahren aus Chur kam. Eine Punktlandung dank dem Powerstürmer.
Artikel lesenDie Jets-Männer krönen eine souveräne Saison mit dem Direktaufstieg und sind nach sieben Jahren zurück in der höchsten Liga. Einer der wesentlichen Faktoren war Topskorer Manuel Rieder, der vor zwei Jahren aus Chur kam. Eine Punktlandung dank dem Powerstürmer.
Nein, ein Wunder war es nicht, was sich in der Klotener Stighag am Osterwochenende 2026 ereignete. An die Ereignisse vom Karsamstag werden sich die Fans der im Frauenbereich erfolgsverwöhnten Jets trotzdem noch lange erinnern. Nur wenige Stunden, nachdem die U21-Juniorinnen eine beispiellos erfolgreiche Saison (27 Spiele, 27 Siege) mit dem Titel gekrönt hatten, gelang den Männern der letzte Schritt auf dem Weg zu ihrem grossen Ziel. Qualisieger Thun wurde im NLB-Final mit 3:1-Siegen bezwungen, die Flughafenstadt ist somit erstmals seit 2019 auch bei den Männern wieder in der höchsten Liga vertreten.
Für den 27-jährigen Bündner Manuel Rieder war es eindeutig ein Karrierehighlight. Er hatte zuletzt 2017 einen Aufstieg gefeiert, als er mit der U21 von Chur Unihockey aus der Stärkeklasse B in die U21-A zurückkehrte. Kurz darauf erhielt er seinen ersten NLA-Vertrag und gehörte bereits im jüngsten U21-Jahrgang fix zum Churer Fanionteam. So erlebte er die Playoff-Serie gegen Alligator Malans, die ihren Höhepunkt mit dem Spiel in der Churer Eishalle vor 2800 Zuschauern fand.
Waren die beiden Bündner Teams damals noch Tabellennachbarn auf den Rängen 4 und 5 der Tabelle, waren sie es dieses Jahr wieder - allerdings als 10. und 11. Das Playout-Derby ging an Malans, der fusionierte Verein Chur United spielt bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe gegen Thun um den letzten verbleibenden Platz in der höchsten Liga - ob es für Rieder nächste Saison zu Duellen mit seinem ehemaligen Verein kommt, ist also noch offen.
Erlösung nach Schlusspfiff
«Der Abschluss mit dem Sieg in Thun und dem Aufstieg in der Stighag war definitiv eine der besten Wochen, die mir das Unihockey jemals beschert hat», blickt Manuel Rieder auf die entscheidende Phase der Saison zurück. «Ins dritte Spiel in Thun starteten wir gut, kassierten dann aber gleich vier Tore. Zum Glück gelang noch vor der ersten Pause der Anschlusstreffer.» Nach 27 Minuten lagen die Jets nur noch 3:4 hinten, Rieder hatte ein Tor und einen Assist zur Aufholjagd beigesteuert. «Da haben wir wieder voll daran geglaubt», blickt Rieder auf das wichtige Break im dritten Spiel zurück.
Zu Hause folgte mit einem knappen 3:2-Sieg die Entscheidung in der Serie. Thun verkürzte in der 50. Minute noch einmal (Rieder: «Ich versuchte zu blocken, doch der Schuss ging zwischen meinen Beinen durch.»), danach fielen aber keine Tore mehr. «Das Gefühl nach dem Schlusspfiff war unbeschreiblich. Viele Spieler dieses Teams strebten in den Jahren zuvor immer wieder diesen Aufstieg an, die Erleichterung war entsprechend riesig und die Freude in der Garderobe grenzenlos.»
Die Jets blicken auf eine sehr erfolgreiche Saison ohne Zwischentief zurück. Von 34 Spielen konnten sie 27 gewinnen, nie gab es mehr als eine Niederlage am Stück. Das Kader war wie in den vorherigen Jahren breit und ausgeglichen besetzt, sodass sogar die Verletzung des wohl besten Einzelspielers, Gustavs Griezitis, Ende Januar weggesteckt werden konnte. Der junge Lette verletzte sich beim WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz am Fuss und musste danach operiert werden - schnell war klar, dass 2025/26 keine Rückkehr aufs Feld mehr möglich sein würde. Manuel Rieder beschreibt die Stärken des Teams: «Der Zusammenhalt war unglaublich. Dass ein ganzes Team so konsequent am gleichen Strick zieht, habe ich in diesem Ausmass noch nie erlebt. Wir waren im Gegensatz zu anderen NLB-Teams weniger von Einzelspielern abhängig.» Der Kern des Teams ist schon seit längerer Zeit dabei, das Kader wurde punktuell mit UPL-erfahrenen Spielern ergänzt (neben Rieder beispielsweise Jan Lemke oder Moritz Krebs) - insgesamt stimmte die Mischung mit den hungrigen Ausländern (Pyry Kauppinen, Markuss Dumpis und Gustavs Griezitis) und den Spielern aus dem Jets-Nachwuchs wie Niklas Nussbaumer und Yannic Hüppi.
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Inhalt
Kurznews
Lateinische Scherze, Crunchtime zur Brunchtime, Zuger Schleudersitz. Dazu wird gut gebrüllt.
Drama, Baby
Wilde Serien, irre Wenden und Trainer-entlassungen - auf der Zielgeraden der Saison 2025/26 sprühen die Funken.
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Erfolgreiche Wizards: Vom ersten Qualisieg bis in den Superfinal.
Allein auf der Insel
Yannis Wyss wollte seinen Traum von der SSL verwirklichen. Doch nach nur drei Monaten brach er die Expedition ab und kehrte in die Schweiz zum SV Wiler-Ersigen zurück. Das Leben als Profi war zwar schön, aber sehr einsam.
Gold, Töpferscheibe und Träume
Kreativ, ehrgeizig und ein bisschen chaotisch - so beschreibt sich Naja Ritter selbst in drei Worten. Eigenschaften, die auf und neben dem Feld ihren eigenen Rhythmus gefunden haben.
Pingpong
unihockey.ch nimmt es mit Marcia Wick (Jets) und Roman Beck (Tigers) kurz persönlich.
Emotionales Phantom
Mit viel Herzblut formt Michal Jedlicka seit Jahren Bohemians-Talente zu Diamanten. Mit seinem Temperament steht er sich und seinem Traum aber manchmal selber im Weg.
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Emotionaler Michal Jedlicka - eine schwierige Aufgabe für alle Schiedsrichter.
Punktlandung mit Powerstürmer
Die Jets-Männer krönen eine souveräne Saison mit dem Direktaufstieg und sind nach sieben Jahren zurück in der höchsten Liga. Einer der wesentlichen Faktoren war Topskorer Manuel Rieder, der vor zwei Jahren aus Chur kam.
Machts wie die Grossen
Nach zehn Jahren Pause ist die Zeit reif für die nächste WM-Medaille der U19-Nati der Frauen. Eine kreative Truppe soll es an der adriatischen Küste in Italien richten. Wir blicken mit Sarah Renggli voraus.
Kampf gewonnen
Wenn etwas Schlimmes passiert, zeigt sich die Unihockeyszene solidarisch. Als Star-Schiri Thomas Andersson an Krebs erkrankte, erhielt er viel Liebe und Zuspruch. Sechs Monate später kann er sagen, den Krebs besiegt zu haben.
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Genesener Star-Schiri Thomas Andersson.
Kolumne
Die erste Schicht.