08.
2013
Tomba, die Unihockey-Stimme
Thomas Balsiger ist Gemeindeschreiber von Ersigen. Aber nicht nur. Als Tom Balsiger, kurz Tomba, ist er Speaker des NLA-Teams des SV Wiler-Ersigen. Auch bei internationalen Spielen stand er schon im Einsatz.
«Eins, zwei, drei, Test» So tönt es, wenn Ersigens Gemeindeschreiber Thomas Balsiger in eine andere Rolle schlüpft. Wenn er ein Mikrofon in die Finger kriegt, wird er zu Tom Balsiger, in Insiderkreisen kurz Tomba genannt. Er ist seit 20 Jahren Speaker der NLA-Unihockeyaner des Sportvereins Wiler-Ersigen und von anderen Teams des Vereins. An rund 1200 Meisterschafts- und Cupspielen stand er am Mikrofon.
Vorwiegend in Zuchwil und Kirchberg, den Heimhallen der Wiler-Ersiger. Seit 15 Jahren ist er zudem Verbandsspeaker von Swiss Unihockey, fährt zu Einsätzen in der ganzen Schweiz und begleitet mit seiner Stimme die Partien. Aber auch das Spiel auf dem Eis ist dem 47-Jährigen nicht fremd, er moderiert die U-18-Länderspiele im Eishockey.
Vom Hockeyfan zum Speaker
Seine Speakerrolle flog Tom Balsiger förmlich zu. Als er 1990 seinen Job als Gemeindeschreiber von Ersigen begann, entschied er sich, einem Verein im Dorf beizutreten. Dass es der Unihockeyverein werden würde, war naheliegend, hatte Balsiger doch in jungen Jahren Hockey gespielt und in Kirchberg, wo er die Schulzeit verbrachte und die Lehre absolvierte, zum Fanlager der SCL Tigers (damals noch SC Langnau) gehört. «Als Gemeindeschreiber hatte ich natürlich sofort ein Ämtli am Hals», sagt er und schmunzelt. Erst war er Sekretär, später wurde er Geschäftsführer und schliesslich Präsident des Vereins.
Schon 1993 fand der Vereinsvorstand, dass die Nati-A-Matchs dringend einen Speaker nötig hätten, der die Torschützen bekannt gibt und die Zuschauer unterhält. Man fragte Balsiger an, der damals leidenschaftlich gerne Theater spielte und um die Wichtigkeit einer deutlichen Aussprache wusste. Er versuchte es, es funktionierte, er war begeistert. Obwohl die Bedingungen am damaligen Spielort der Unteremmentaler, in der Mehrzweckhalle in Utzenstorf, alles andere als günstig waren. Balsiger hatte in der ihm zugeteilten Ecke nur eine beschränkte Sicht aufs Feld, konnte die Spiele gar nicht zur Gänze mitverfolgen.
Von der Kassette zum Computer
Um für Stimmung in den Pausen zu sorgen, wollte Tom Balsiger Musik einspielen. Auf Kassetten stellte er in den 90er-Jahren die Schlagerhits zusammen. «Die Revolution war dann die Umstellung auf Mini-Disc, die absolute Erleichterung kam mit Computer und Beamer 2008.» Musik und Reden unter einen Hut zu bringen, sei die eigentliche Herausforderung für einen Speaker.
Highlights hatte Tom Balsiger in 20 Jahren Speakerkarriere einige: der Playoff-Final 2004 etwa, wo der heute achtfache Meister SV Wiler-Ersigen erstmals den Schweizer-Meister-Titel holte, die Eröffnung der Sporthalle Grossmatt in Kirchberg 2006 oder die Playoff-Finalspiele SV Wiler-Ersigen gegen Tigers Langnau 2009 in der Eishalle Brünnli in Hasle. Unvergessen bleibt Balsiger das letztjährige WM-Finalspiel zwischen Schweden und Finnland im Zürcher Hallenstadion mit 10'000 Zuschauern. «Hier zu speakern, ging unter die Haut.»
Wahre Zungenbrecher
Wenn seine Wiler-Ersiger ein Tor schiessen, ist Balsigers Freude gross. Dann beginnt für ihn eine Gratwanderung, denn als Speaker muss er neutral sein, als Vereinspräsident ist er es nicht. Die Emotionen und die Stimme im Zaum zu halten, gelänge ihm nicht immer, aber er gebe sich alle Mühe. «Ich juble jeweils innerlich.»
Mit der englischen Sprache an den internationalen Events hat Tom Balsiger keine Mühe, immerhin lebte er eineinhalb Jahre in Australien und Neuseeland. Auch vor Französisch schreckt der Ersiger nicht zurück: Dieses Jahr moderierte er die ersten Länderspiele im französischen Sprachraum in Yverdon. Am schwierigsten sei die Aussprache der Namen von polnischen und ungarischen Cracks. Heute noch kämpft er mit diesen «wahren Zungenbrechern».
Als nichts mehr ging
Stromausfälle sind die ärgsten Pannen, die er erlebte. Die gab es in Zuchwil, und die gab es in Bern. An der Unihockey-WM beim Gruppenspiel Schweden gegen Norwegen im Wankdorf lief eineinhalb Stunden ausser dem Smartphone gar nichts mehr. Kurze Zeit funktionierte zwar noch der Notstromaggregator, doch selbst dieser versagte bald. «Wir mussten zusehen, dass keine Panik ausbrach, und die Fans beruhigen.» Grosi von Bagatello, als Pausenunterhalter engagiert, hielt die Leute mit flotten Sprüchen übers Megafon bei Laune. «Wir wollten schon nach Schönbühl ausweichen, als der Strom mit einem Mal wieder da war.»
Derzeit sind die Sportler in der Sommerpause, die Saison geht im September wieder los. Das Mikrofon einschalten wird Tomba aber schon früher, am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest, wenn er die erste Mannschaft des SV Wiler-Ersigen mit den neuen Dresses vorstellt. Die Unihockyaner und die SCL Tigers sind übrigens die einzigen Sportvereine, die am Festumzug mitwirken dürfen.
Zeitungsbericht "Berner Zeitung"