30.
10.
2015
NLA Frauen | Autor: Voneschen Reto

Bündner Finnin träumt von Tampere

Die Finnin Katri Luomaniemi schwimmt mit Piranha Chur derzeit in der NLA der Frauen obenauf. Trotzdem ist die WM-Teilnahme im Heimatland auf Sand gebaut.

Bündner Finnin träumt von Tampere Geschwächt: Am Champions Cup lief es für Katri Luomaniemi (rechts) nicht nach Wunsch (Bild IFF)

Finnen seien schweigsam, besagt ein altes Vorurteil. Ebenso scheitere das Lernen von Fremdsprachen daran, dass die finno-ugrische Sprachfamilie gerade mal in Finnland und Ungarn zuhause ist. Und wer jemals die komplizierte finnische Sprache mit den 16 Fällen und den vielen «ö», «y» und «k» gehört hat, kann nachvollziehen, dass das Lernen anderer Sprache schwer ist. Englisch mal ausgenommen.

Zu spüren ist das das oft auch in der Unihockey-Szene. Der ehemalige Schweizer Naticoach Petteri Nykky sprach mit Aussenstehenden konsequent nur Englisch, Wiler-Ersigens Starverteidiger Tatu Väänänen will Interviews auch nach vier Jahren in der Schweiz lieber nicht auf Deutsch halten. Ebenso Piranhas «Goldschatz» Tiia Ukkonen. Ihre Vorgängerinnen, die schönen, aber schweigsamen Kujala-Schwestern sagten am liebsten gar nichts.

Spezielle Lehrer
Das komplette Gegenteil ist Katri Luomaniemi. «Liaber Dialeggt», antwortet sie sofort in breitestem Bündnerdeutsch auf die Frage, wie das Interview zu führen sei. Man muss schon genau hinhören, um den finnischen Akzent herauszuhören. Wieso das? «Ich arbeite seit mehr als einem Jahr in der Kinderkrippe Purzelbaum in Valbella», erklärt sie lachend, «mein Deutschlehrer war vier Jahre alt». Die damals 30-Jährige, welche in Finnland den Master in Erziehungswissenschaften abschloss und Deutsch als Schriftsprache seit der Schule kannte, lernte quasi auf «Augenhöhe» mit den Kindern den Bündnerdialekt. «Jo, und denn hani halt aifach probiart», sagt sie schmunzelnd. So viel zum Thema gelungene Integration.

Letzte Tests ohne Luomaniemi
Seit einem Jahr spielt Katri Luomaniemi für Piranha Chur. Die Schweiz kannte die Centerspielerin von ihren früheren zwei Gastspielen im Zürcher Oberland bei den Floorball Riders. «Aber Chur ist viel schöner», sagt sie bestimmt, «fast so schön wie in Finnland». Ihre Wurzeln hat sie im südwestfinnischen Kokemäki, vor ihrer Zeit in Chur spielte sie fünf Jahre für Classic Tampere, mit welchem sie viermal die finnische Meisterschaft gewann. Mit der finnischen Nationalmannschaft holte Luomaniemi zudem an den letzten beiden Weltmeisterschaften die Silbermedaille.

Ob weiteres Edelmetall dazu kommt, steht derzeit in den Sternen. Seit zwei Jahren nimmt Luomaniemi an jedem Trainingscamp teil und ist auch auf der 30er-Liste der WM-Teilnehmer nominiert. Ob's für die finalen 20 reicht, entscheidet sich in zwei Wochen, wenn in der WM-Halle in Tampere die letzten Test-Länderspiele ausgetragen werden. Ohne Luomaniemi. «Die Trainer wollen noch einmal testen», wurde ihr mitgeteilt. Klappen die Tests, muss die 62-fache Internationale die WM Anfang Dezember in «ihrem» Tampere wohl auf der Tribüne verfolgen. Die Entscheidung fällt erst Mitte November.

Piranha mit Steigerungspotenzial
Nicht entgegen kam Luomaniemi der Champions Cup in Mlada Boleslav. Unter den Augen der Natitrainer erreichte sie nicht ihr gewohntes Rendement. «Ich war in der Woche zuvor krank und spielte schwach», sagt sie selbstkritisch. Besser lief es ihr im letzten Jahr, wo sie zu den Eckpfeilern von Piranhas Meistermannschaft gehörte. Vor allem Interimstrainerin Gina Wegmann hatte Luomaniemi beeindruckt. «Die Vorbereitung auf den Superfinal war perfekt», erläutert die Finnin, «wir reisten nach Kloten mit dem Gefühl, auf alles vorbereitet zu sein».

Seit Stephan Mock am Ruder sei, hätten die Spielerinnen mehr Verantwortung übertragen bekommen, so Luomaniemi. Rang 1 trotz einem Spiel weniger als die Konkurrenz, spricht für die Qualitäten der Churerinnen. «Und dabei haben wir bis auf das Dietlikon-Spiel gar nicht mal so gut gespielt», wundert sich Luomaniemi.

Ein wenig vermissen würde sie ihre Landsfrauen Tiia Ukkonen und Mia Karjalainen, mit welchen sie eine finnische Wohngemeinschaft bildete. «Mia ist eine typische Hauptstädterin, während ich aus dem Westen komme und Tiia als Ost-Finnin eine halbe Russin ist», erzählt sie lachend. Nur zu gerne würde Luomaniemi mit den beiden im Dezember noch einmal im gleichen WM-Team spielen. Dann könnte sie auch endlich wieder den ganzen Tag Finnisch reden. Das kann sie noch besser als Bündnerdeutsch.

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Tabellen

1.UHC Thun+9756.000
2.Kloten-Dietlikon Jets+4349.000
3.Floorball Fribourg+2946.000
4.Pfannenstiel Egg+138.000
5.Ticino Unihockey+1235.000
6.UHC Grünenmatt+133.000
7.Unihockey Langenthal Aarwangen-1133.000
8.Ad Astra Obwalden-229.000
9.I. M. Davos-Klosters-4323.000
10.Regazzi Verbano UH Gordola-5619.000
11.UHC Lok Reinach-2418.000
12.Unihockey Limmattal-4717.000
1.Floorball Uri+5946.000
2.Aergera Giffers+836.000
3.Nesslau Sharks+1533.000
4.Chilis Rümlang-Regensdorf+1333.000
5.UH Appenzell+1230.000
6.UH Lejon Zäziwil+323.000
7.Unihockey Basel Regio-2222.000
8.UHC Bremgarten-3820.000
9.Visper Lions-2217.000
10.Red Lions Frauenfeld-2810.000

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