03.
2020
Das Timing hätte gepasst
Schwacher Beginn, eindrückliche Steigerung, den Meister in den Playoffs im Schwitzkasten - und dann der plötzliche Abbruch der Saison. Die Red Ants erlebten in den letzten Monaten ein Wechselbad der Gefühle.
Den Tiefpunkt der Saison 2019/20 brachten die Red Ants mit der Niederlage beim Tabellenschlusslicht Frauenfeld gleich im allerersten Spiel hinter sich. Der Herbst zeigte grosse Schwankungen - auf anständige Phasen folgten sogleich wieder Rückschritte und spielerisch fahrige Auftritte. Tore und Punkte fehlten, Rang 7 war für den Rekordmeister die sportliche Realität. Erst nach der WM im Dezember ging es aufwärts, dies auch mit mehr personellen Möglichkeiten - Verteidigerin Jasmin Krähenbühl kehrte aus Schweden zurück, die verletzten Stürmerinnen Vivien Kühne und (teilweise) Sindy Rüegger standen wieder zur Verfügung. Im neuen Jahr und den Wochen vor Beginn der Playoffs waren die Red Ants statistisch gesehen sogar das drittbeste Team der Liga und somit weit besser als der letztlich erreichte Rang 6. Trotz dieses Steigerungslaufs wählte der Meister Kloten-Dietlikon Jets die Winterthurerinnen als Viertelfinalgegner. Nach drei hartumkämpften Partien, von denen die Red Ants eine gewannen, kam es zum plötzlichen Meisterschaftsabbruch. Aus sportlicher Sicht schlug das Corona-Virus zum „dümmsten Moment" zu, denn die Red Ants waren drauf und dran, den Titelkandidaten zu entnerven. „Im Team herrschte eine grosse Leere, als uns der Entscheid kurz vor dem vierten Spiel der Serie erreichte", sagt Sportchefin Irène Tschümperlin, „aber natürlich geht in solchen Momenten die Gesundheit vor und der Beschluss war richtig."
Fehlstart braucht Analyse
Am Aufschwung des Teams hatte Carola Kuhn massgeblichen Anteil. Als die 20-Jährige ab dem Spätherbst nach einer langen Verletzungsgeschichte wieder regelmässig mittun konnte, schoss sie die so dringend benötigten Tore. Deren 18 waren es Ende Saison für die teaminterne Topskorerin. Auch Géraldine Rossier begann öfter zu schiessen (und zu treffen), Nicole Heer wuchs nach dem Abgang Livia Angehrns zu Piranha an ihrer Rolle als Stammtorhüterin und Margrit Scheidegger stellte nicht erst in den Playoffs ihr unbändiges Kämpferherz unter Beweis. Zu den Gewinnerinnen der Saison darf zudem die U19-Internationale Vanessa Schmuki gezählt werden, die mit stilsicheren Auftritten ihren Stammplatz auf sicher hatte und je länger je mehr auch Zug nach vorne entwickelte. „Wir müssen daher noch genau analysieren, was zu Beginn der Saison nicht klappte, obwohl sich das im Team im Vergleich zum Vorjahr nicht gross veränderte. Unser Ziel muss lauten, nächste Saison von Anfang an auf einem höheren Level zu starten", bilanziert Tschümperlin. In der Tat hatten die Red Ants vom März mit dem Team vom letzten Oktober nicht mehr viel zu tun. Die Sportchefin muss sich nach der abgebrochenen Saison aber erst einmal neu sortieren. „Im Moment bedaure ich vor allem, dass die langen Karrieren einiger Spielerinnen auf diesem Weg zu Ende gingen", so Tschümperlin.
Routiniers gesucht
Das Team sicher verlassen werden die Routiniers Alexandra Frick, Captain Jael Koller, Géraldine Rossier und die Finnin Marjut Mäkelä. Auch die im Herbst von Laupen verpflichtete Kia Lehmusvuori, Tabitha Koller, Selina Tanner und Patrizia Leone hören auf oder spielen woanders, allenfalls in einer tieferen Liga, weiter. Diese Abgänge sollten mit den Zuzügen von je zwei bis drei jüngeren Spielerinnen sowie Routiniers, die eine Leaderrolle einnehmen können, kompensiert werden. Fest stehen bisher die Transfers der ehemaligen U19-Internationalen Lina Wieland von Piranha Academy sowie der routinierten Tschechin Hana Konickova von den Jets. „Die Rolle der Routiniers müssen wohl Ausländerinnen einnehmen, da der Schweizer Markt diesbezüglich nicht viele Möglichkeiten bietet", lässt Tschümperlin mit Blick auf zum Teil schon weit fortgeschrittene Gespräche durchblicken. Die Situation hinter der Bande ist dafür bereits geklärt. Cheftrainer Lukas Eggli und Assistenztrainerin Kati Eteläpää machen weiter, mit Stephan Mock kommt ein zusätzlicher Assistent mit viel Erfahrung dazu.