06.
2013
Dem Erfolgsgeheimnis auf der Spur
Corin Rüttimann nimmt zum zweiten Mal Anlauf, um sich im schwedischen Unihockey zu beweisen. Die 21-jährige Churer Nationalstürmerin, die vor einem Jahr durch eine Verletzung zurückgebremst wurde, brennt auf das Abenteuer.
Die Zeit scheint stehen geblieben auf der Uhr von Corin Rüttimann. Ende April 2012 verkündete die junge Schweizer Unihockey-Internationale aus Chur, sie werde Piranha Chur Richtung schwedischen Klub Endre auf der Gotland-Insel verlassen. Jetzt, gut ein Jahr später und zwei Trophäen mit Piranha reicher, steht sie wieder am selben Punkt mit dem gleichen Vorhaben. Destination: Schweden - selbe Insel, selber Klub.
Da, wo sie schon vor zwölf Monaten stand, blickt Rüttimann auf ein ausserplanmässiges Zwischenjahr zurück, das sie trotz einer schwereren Verletzung nicht als ‘verlorenes' bezeichnet. Rückblick: Ehe Rüttimann ihre Zelte in Schweden aufschlagen konnte, erlitt sie - noch in Chur - eine Diskushernie. Dass der mit Schmerzen verbundene Bandscheibenvorfall zwischen Lenden- und Halswirbelsäule meist erst ab dem 30. Lebensjahr auftritt, Männer fast doppelt so oft betroffen sind als Frauen: Künstlerpech. «Ich hatte schon viele Verletzungen - Wadenbeinbruch, Meniskusriss, Muskelfaserriss -, aber dies war mit Abstand die schmerzhafteste», so Rüttimann.
Die schmerzhafteste Verletzung
In der Folge blieb die Skorerin in Chur, musste mehrere Monate pausieren und wagte sich im Dezember aufs Unihockeyparkett zurück - wohlwissend, dass sie der Verletzung auch Gutes abgewinnen kann. Inzwischen ist der langwierige Heilungsprozess so weit fortgeschritten, dass sie sagen kann: «Wenn ich Sport mache, fühle ich mich super und spüre nichts.» Nur bei längerem Sitzen mache sich die Diskushernie bemerkbar, so Rüttimann. Noch bevor sie Piranha Chur im April zur Titelverteidigung schoss, liess sie aufs Neue verlauten: «Nächste Saison gehe ich mit meinem Freund nach Schweden und spiele bei Endre.»
Der Kindheitstraum
Im zweiten Anlauf dürfte es nun also klappen. «Für mich war eigentlich immer klar, dass ich einen neuen Anlauf nehmen werde. Den Traum, einmal in Schweden zu spielen, habe ich seit meiner Kindheit.» Ausserdem, so Rüttimann mit einem Augenzwinkern, wolle sie dem Erfolgsgeheimnis der erfolgsverwöhnten schwedischen Unihockey-Grossmacht auf den Grund gehen.
Die Vorfreude auf schwedisches Spitzenunihockey und auf die charmante 22'000-Einwohner-Stadt Visby rund zehn Kilometer westlich von der winzigen Gemeinde Endre ist wegen der unverhofft langen Wartezeit umso grösser: «Ich freue mich riesig auf die Herausforderung. Natürlich werde ich meine Familie, die Freunde und auch Piranha sehr vermissen. Aber allein damit, dass ich in Schweden spielen darf, erfüllt sich ein Traum.»
Rüttimann, die zu den besten Stürmerinnen der Welt gehört, unterschrieb einen Vertrag für eine Saison. «Ich will mich möglichst schnell durchsetzen und in der Mannschaft etablieren», sagt sie auf ihr Ziel angesprochen. Endre, der Verein, bei dem Rüttimann mit Tanja Stella (bisher) und Sarah Altwegg (neu) auf zwei Schweizer Teamkolleginnen trifft, erhofft sich nicht zuletzt dank Rüttimann eine neuerliche Steigerung und strebt den Einzug in die Play-off-Halbfinals an.
Keine Zeit für Langeweile
Im August wird Rüttimann - neuerlicher gesundheitlicher Rückschlag ausgenommen - das Abenteuer in Angriff nehmen. Mindestens ein Jahr lang wird sie ihre Schuhe für den familiär geführten Klub auf der Gotland-Insel schnüren. Langweilig dürfte es ihr ausserhalb der Turnhallen nicht werden: Vor den Trainings wird sie halbtags in einer Fabrik für Druckelemente arbeiten und anschliessend büffeln für die Berufsmatura, die sie in einem Selbststudium absolviert. «Ich bin nicht abgeneigt, ein zweites Jahr anzuhängen», sagt Rüttimann bereits jetzt.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"