04.
2010
Dietlikons Nachfolger wird gesucht
Meister Dietlikon ist entthront. Um den vakanten Titel streiten sich ab Samstag Piranha Chur und Red Ants Rychenberg, die sich nach mehreren heissen Halbfinalduellen in den letzten Jahren zum zweiten Mal in der Finalserie gegenüber stehen (1998 war Piranha noch als BTV Chur unterwegs). Die Bündnerinnen gewannen alle drei Duelle in der Meisterschaft, die Red Ants dafür im Cup - mit genau dieser Ausgangslage waren die Red Ants schon in die Halbfinalserie gegen Dietlikon gestartet. Nebst dieser in der Statistik wurzelnden Zuversicht tankten die Winterthurerinnen mit der Eliminierung des Meisters eine grosse Portion Selbstvertrauen. Piranha Chur hingegen spazierte wie erwartet ohne Probleme mit drei Siegen durch seine Halbfinalserie gegen die Burgdorf Wizards und strebt den ersten Titel seit 1990 an - den ersten überhaupt unter dem seit 1998 existierenden Namen Piranha.
Hürde Tomatis genommen
Die Bündnerinnen, die seit dieser Saison pikanterweise vom ehemaligen Red-Ants-Coach Mark van Rooden betreut werden, brennen auf den Titel. „Wir wollen Meister werden, wir glauben an uns, wir können mit drei Linien Dampf machen", demonstriert etwa die erst 18-jährige Nationalspielerin Corin Rüttimann vor Beginn der Finalserie die in Chur herrschende Zuversicht. Rüttimann ist eine von fünf Churerinnen, die sich unter den besten zehn Skorerinnen der Liga eingereiht haben, was die Stärken Piranhas unterstreicht. Für die Red Ants wird es also darum gehen, Sand ins Getriebe der offensiv agierenden Bündnerinnen zu streuen und mit gezielten Nadelstichen den Erfolg zu suchen.
Entgegen kommen wird den Winterthurerinnen, dass sie keine Weltklassetorhüterin mehr zu bezwingen haben. An Dietlikons Laura Tomatis hatten sie sich im Halbfinal beinahe die Zähne ausgebissen - Churs Sara Vitetti hingegen dürfte in Normalform leicht schwächer einzuschätzen sein als Irène Tschümperlin im Gehäuse der Red Ants. Es dürfte die Psyche der Red Ants schonen, wenn nicht für jeden einzelnen Treffer ein enormer Aufwand betrieben werden muss. Piranhas Devise könnte anderseits lauten, einfach stets ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner - die offensive Feuerkraft dazu ist vorhanden.
Druck bei Piranha
Die Red Ants haben zudem noch das „finnische Problem" zu lösen. Dietlikons Eliisa Alanko bekamen die Winterthurerinnen nie richtig in den Griff - und Piranha stellt mit den Zwillingsschwestern Elina und Karoliina Kujala gleich zwei finnische Internationale mit Skorerqualitäten. Angst zeigt Red-Ants-Trainer Rolf Kern dennoch keine. „Wenn die alte Weisheit stimmt, dass die Offensive Spiele gewinnt, die Verteidigung aber Meisterschaften, dann muss ich mir ja keine Sorgen machen", sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Kern erwartet enge Spiele und vertraut dabei der in seinem Team vorhandenen Routine. „Wir wissen, wie wir uns in knappen Partien zu verhalten haben. Mal schauen, ob es die doch recht jungen Bündnerinnen auch wissen", sagt Kern und freut sich darauf, Piranha aus der Reserve zu locken.
Das Thema Kraft wird angesichts des Playoff-Spielplanes ohne Spiele unter der Woche wohl keines sein - es ist zu erwarten, dass beide Seiten mehr oder weniger mit den zwei besten Formationen durchspielen werden. Der Druck im ersten Spiel am Samstag in Chur liegt bei Qualifikationssieger Piranha. Holen sich die Winterthurerinnen gleich ein Break, ist der Weg zum ersten Meistertitel seit 2005 nicht mehr weit. Nutzt Piranha den Heimvorteil, den die zahlreichen und heissblütigen Fans sicher bieten werden, könnte es zum zweiten Titel nach 1990 reichen. BTV Chur holte damals den bis heute einzigen Titel im Frauenunihockey, der nicht an Dietlikon oder Rychenberg ging.