04.
2021
Eine grosse Trainerin nimmt Abschied
Mit Kati Eteläpää tritt eine langjährige Unihockeypersönlichkeit von der Bühne ab. Elf Jahre war sie als vielseitige Spielerin in Finnland unterwegs bevor sie mit jungen 25 Jahren als Assistenztrainerin hinter der Bande stand.
Eteläpääs Leistungsausweis ist eindrücklich. Sie gewann als Trainerin zweimal den finnischen Meistertitel und zweimal den Cup. An der Seite von Seppo Pulkkinen gewann sie mit der finnischen Nationalmannschaft an der WM 2007 die Silbermedaille.
Bei den Red Ants Rychenberg Winterthur stieg Kati Eteläpää 2010 als NLA Assistenztrainerin ein und ergänzte den Trainerstaff um Headcoach Rolf Kern. Da für Kati die Juniorinnenarbeit schon immer eine Herzensangelegenheit war, formte sie zusätzlich die U21 Juniorinnen. Die Erfolge in der NLA liessen nicht lange auf sich warten. Mit Red Ants schaffte sie als Co-Trainerin 2011 das Double und 2012 den Cupsieg. 2012 - 2015 führte sie als Cheftrainerin (assistiert durch Daniel Gafner) das Team an. Im Mai 2012 war Eteläpää im Staff der Schweizer U19, welche in Nitra (Slowakei) überragend/überraschend die Silbermedaille holte. In der Saison 2012/2013 wurde sie vom Schweizerischen Unihockeyverband zur «besten Trainerin» ausgezeichnet. Nach einer Unihockeypause kehrte sie auf Wunsch namhafter NLA Spielerinnen der Red Ants 2018 ins Fanionteam zurück, um Cheftrainer Lukas Eggli zu unterstützen. Sie blieben bis zur laufenden Saison 20/21 ein verschworenes Team.
Unterdessen hatte Kati Eteläpää ein Masterstudium in Schulischer Heilpädagogik begonnen. Der Entscheid, ihre Trainerkarriere 2021 zu beenden, war bereits zu Saisonbeginn gefallen.
Interview mit Kati Eteläpää:
Nach acht Jahren Red Ants, was bleibt dir speziell in Erinnerung?
Da gibt es hundert Dinge. Sicher all diese tollen Spielerinnen-Persönlichkeiten, die ich während dieser Zeit kennen lernen durfte. Spielerinnen wie Andrea Kern, Sandra Auböck, oder Andrea Eberle aus der alten Garde. Alle hatten Ecken und Kanten und haben mit auffälliger Leidenschaft für das Team gekämpft. Oder auch die besondere Reise mit Margrit Scheidegger, die mich als Person und als Trainerin sehr geprägt hat.
Speziell in Erinnerung bleiben mir sicher auch die letzten drei Jahre. Dieses Team hat mir den Raum gegeben, so zu sein, wie ich wirklich bin. Sie sind neugierig, offen und respektvoll. In so einer Umgebung entwickeln sich alle weiter.
Ebenfalls eine wertvolle Erfahrung war die Zusammenarbeit mit Lukas Eggli. Er hat mir unglaublich viele Freiheiten gegeben, als Trainerin zu wirken. Wir konnten uns gegenseitig unendlich nerven, aber schlussendlich hat uns genau das noch mehr zusammengeschweisst. Wir haben fachlich voneinander profitiert, unzählige Stunden diskutiert und sind richtige Freunde geworden.
Ich möchte auch dem Verein danke sagen. So eine Rückendeckung, auch in schwierigen Situationen, habe ich als Trainerin sonst nirgendwo erlebt.
Was würdest du anderen TrainerInnen als Leitfaden mitgeben wollen?
Ich habe das Gefühl, dass ich erst in den letzten Jahren herausgefunden habe, was ich als Trainerin will. Sowohl die Erfahrungen in Finnland als auch jene in der Schweiz waren nötig dazu. Als Trainerin hat man sich nie zu Ende entwickelt, aber es ist wichtig zu wissen, was deine Werte und Stärken sind und wo du ergänzt werden musst. Es gibt keinen Trainer, der alles weiss und kann. Du musst das Boot steuern und Autorität ausstrahlen und gleichzeitig den Spielerinnen die menschliche Seite zeigen können. Als Trainerin solltest du jede Spielerin individuell wahrnehmen und auf sie eingehen können.
3. Was gibst du heute einer Spielerin mit auf den Weg?
Es ist wichtig, dass du als Spielerin unterschiedliche Perspektiven einnehmen kannst. Frag dich selbst: "Bin ICH bereit, die Extrameile zu gehen? Was kann ICH dafür tun, damit das Team das Ziel erreicht?" Es ist nicht in erster Linie die Spielerin neben dir oder ein Trainer, der dich besser macht. Wenn du als Spielerin bereit bist, dich professionell zu verhalten und dem "team first" - Gedanken zu folgen, wirst du auch deine Ziele erreichen.
Nach 27 Jahren Unihockey (11 als Spielerin / 16 als Trainerin) wirst du nun viel Freizeit haben. Worauf freust du dich am meisten und wie sieht deine Zukunft aus?
Zuerst will ich im Herbst mein Masterstudium abschliessen. In finnischer Sprache wäre das etwas einfacher, in Deutsch ist das eine grössere Herausforderung. Danach lege ich mich auf den Seychellen auf den Liegestuhl und stehe nie wieder auf. ;-) Aber im Ernst, ganz ohne Unihockey wird es wohl auch nicht gehen. Das Team liegt mir am Herzen und ich werde nächste Saison sicher einige Heimspiele als Zuschauerin verfolgen.