03.
2015
«Es ist wie bei einem Pferderennen»
Nach dem abschliessenden 5:2-Sieg bei den Red Ants Winterthur steuert Piranha Chur als Qualifikationssieger auf den Play-off-Start der Unihockey-Frauen am 28. März zu. Interimscoach Brigitta Wegmann in der "Südostschweiz" über ihre Eindrücke und Ideen.
Piranha Chur ist auf Kurs. Die Titelverteidigerinnen entschieden das Duell um den Qualifikationssieg mit Dietlikon und liessen sich von einem ungeplanten Trainerwechsel nicht aus der Bahn werfen. Dass mit Brigitta Wegmann eine Ex-Spielerin einsprang, könnte sich als Glücksfall erweisen. Die langjährige Piranha-Akteurin und aktuelle Schweizer U19-Assistenztrainerin interpretiert ihren Interimsjob nicht bloss als Pflichtprogramm, im Gegenteil.
Brigitta Wegmann, Mitte Februar wurden Sie vom Fan zum Coach, wie sie selber sagen. Zum potenziellen Erfolgscoach, wie es nach vier Siegen aus Spielen ausschaut.
Brigitta Wegmann: Ach, meinen Einfluss darf man nicht überbewerten. Dass wir die vier Spiele gewonnen haben, liegt nicht nur am Coaching. Ich habe eine intakte Mannschaft angetroffen, von einer Krise keine Spur. Ich trage meinen Teil bei, schätze ihn aber in dieser kurzen Zeitspanne eher gering ein.
Wie fühlt es sich für Sie an, plötzlich wieder mitten im NLA-Geschehen zu sein?
Es fühlt sich gut an - das Teamleben, die vielen Emotionen. Ich empfinde es als sehr inspirierend, mit Leuten zusammen zu sein, die das gleiche Ziel verfolgen. Mir ist aber auch wieder bewusst geworden, wie gross der Aufwand ist, wenn ich den eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden will. Um den riesigen Aufwand auf Dauer zu bewältigen, müsste ich den ganzen Rest meines Lebens auf die Trainertätigkeit ausrichten.
Längerfristig kann Piranha Chur also nicht mit Ihnen rechnen?
In dieser Form nicht. Es war auch von Anfang an so vereinbart, dass Natalie Stadelmann zurückkehren und bei mir die U19-Nationalmannschaft auch nächste Saison Priorität geniessen wird.
Wie wurden Sie von der Mannschaft aufgenommen?
Von mir aus gesehen gut. Gut heisst: Ich merke, dass die Spielerinnen aufnahmefähig sind und Veränderungen akzeptieren. Dabei ist es nie einfach, Gewohnheiten und Muster über Bord zu werfen.
Sie wirken so, als ob Sie sich viele Gedanken machen würden über Taktik und Führung. Was ist Ihre Philosophie als Trainerin?
Diese Frage eingehend zu beantworten, wäre abendfüllend. Grundsätzlich sollen die Dinge bei mir auf Lust basieren. Da wir im Unihockey kein Geld verdienen, muss die Motivation von den Spielerinnen kommen. Dabei will ich inspirieren. Die Spanne geht aber bis hin zum sehr harten Steuern. Es heisst ja, man sollte alle Spieler gleich behandeln. Ich finde, es braucht einen individuellen Ansatz. Ausserdem bevorzuge ich es, Ideen und Lösungen gemeinsam zu diskutieren und zu erarbeiten. Im Spiel ist dafür natürlich keine Zeit, da muss ich autoritär sein - führen, vorangehen, Lösungen zeigen. Weil ich mitten in der Saison einsprang, geht es primär um Feintuning. Neue spielerische Elemente müsste man im Sommer erarbeiten.
Welche Eindrücke haben Sie von Piranha gewonnen, als Coach und als Fan?
Fakt ist: Es ist sehr viel Qualität im Team; die individuellen Fähigkeiten sind auf einem sehr hohen Level. Kommt hinzu, dass Piranha nicht von einer Person oder einer Linie abhängig ist. Als positiv empfinde ich auch die Mentalität, die vorherrscht. Es geht niemandem ums Prestige, es geht um die Teamleistung. Persönliche Interessen sind zweitrangig.
Wie aussagekräftig ist der Qualifikationssieg von Piranha?
Gar nicht. Das Gefälle in der Liga ist gross, und ob du jetzt als Erster oder Zweiter in die Play-offs gehst, ist nicht relevant.
Der bevorstehende Halbfinal gegen Bern-Burgdorf dürfte nur ein Zwischenhalt Richtung Superfinal sein.
Klar, als Titelverteidiger ist der letzte Schritt natürlich von Anfang an ein Thema, ob es sich nun um einen Superfinal oder einen Play-off-Final handelt. Aber im Moment steht ganz klar der Halbfinal im Fokus.
Dafür ist das Gefälle zwischen Piranha und Dietlikon klein.
Die beiden Teams sind sehr ausgeglichen, wobei Dietlikon nicht nur den Paradesturm hat, wie oft gesagt wird. Chur und Dietlikon liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie bei einem Pferderennen, wo sich zwei um den Sieg duellieren. Zuletzt entschied jeweils die Tagesform.
Zeitungsinterview "Die Südostschweiz"