09.
2003
Interview mit Claude Bolliger - Trainer UHC Dietlikon
Claude, wie weit ist der Titelverteidiger in der Vorbereitung auf diese lange Saison?
![]() Letzte Saison ging Bolliger noch selber in der NLA auf die Jagd nach dem gelochten Ball. |
Wir sind schon recht weit, vor allem körperlich. Wir haben sehr viel Wert auf das Sommertraining gelegt, um uns eine gut Basis für die Saison zu legen. Wir sind deshalb auch etwas später als andere zum Hallentraining übergegangen - damit haben wir erst vor 2 Wochen begonnen.
Und welche Erkenntnisse hast du aus diesen
Trainings und den ersten Spielen schon gewinnen können?
Wir sind noch recht stark am experimentieren. Wer mit wem harmoniert,
wie wir die Linien zusammenstellen wollen. Am United-Cup haben wir zum Beispiel
im Spiel gegen WaSa dem Team überhaupt keine Vorgaben bezüglich Taktik gemacht
- ich wollte sehen, wie sich die Spielerinnen dann verhalten. Als Vorgabe haben
wir lediglich gesagt: Wir wollen 15 Tore sehen und keines erhalten. Zum Glück
haben wir dann nur 12 geschossen, sonst wäre ich wohl gleich als überflüssig
entlassen worden (grinst).
Was genau war der Zweck dieses Versuchs?
Zum einen wollten wir die Spielerinnen, die sonst immer Vorgaben
erhalten, zu mehr Kommunikation auf und neben dem Feld bringen. Und in den
Spielen zuvor war der Abschluss unsere Schwäche, der Ball sollte immer bis ins
Tor getragen werden. Mit der Forderung nach 15 Toren war die Spielerinnen
gezwungen, sehr schnell abzuschliessen. Das haben sie ausgezeichnet umgesetzt.
Wir werden in unserem Trainingslager in Schweden aber noch weiter daran arbeiten
müssen.
Dietlikon verfügt über ein relativ
grosses Kader, was im Hinblick auf den Europacup wichtig ist. Was geschieht aber
in der Meisterschaft? Alle können ja nicht spielen.
Ich denke, man kann nie eine ganze Saison im voraus planen und schon gar
nicht mehrere Jahre. Wer heute noch mehrheitlich auf der Bank sitzt, muss
vielleicht aufgrund von Verletzungen schon morgen oder in der nächsten Saison
grosse Verantwortung übernehmen. Wir haben deshalb auch in der Vorbereitung,
obwohl alle Stammspielerinnen gesund geblieben sind, auch die Jungen häufig
spielen lassen. In der Meisterschaft werden wir wenn immer möglich mit drei
Linien agieren.
Die Red Ants haben jeweils im Dezember ein
kleines Tief gehabt, weil dieser Monat im Zeichen der Vorbereitung auf den
Europacup stand. Wird das bei Dietlikon auch so sein?
Ich kann das nicht ausschliessen. Wir werden sicher im Dezember noch
einmal körperlich hart arbeiten, um im Januar auf Top-Niveau sein. Ohne
überheblich sein zu wollen - wir sollten uns eine schwächere Phase im Dezember
leisten können, ohne die Playoff-Qualifikation in Frage zu stellen.
Anne Suomalainen hat Dietlikon verlassen
und wurde durch die schwedische Weltmeisterin Karolina Widar ersetzt. Mit Anne
wurde das Spiel oft von hinter dem gegnerischen Tor aufgezogen, Widar ist ein
ganz anderer Typ. Was ändert sich dadurch im Spielsystem?
Du hast deine Aktiven-Karriere bei den Jets
nach der letzten Saison beendet. Wie werden sich die Herren der Jets schlagen? Noch ein Wort zu deiner Konkurrenz, den
Jets der Damen. Sie haben ihr Kader zweigeteilt und haben an zwei Turnieren
gleichzeitig teilgenommen. In Winterthur mit dem Ergebnis, dass die Leistung
nicht gestimmt hat und sogar Spielerinnen im Einsatz waren, die aufgrund von
Verletzungen lieber nicht gespielt hätten. Claude, Vielen Dank für dieses Interview

Soll beim Meister Anne "Zorro"
Soumalainen vergessen machen
Weltmeisterin Karolina Widar
Man muss das Spielsystem immer auf die Qualitäten der vorhandenen Spielerinnen
ausrichten, ganz klar. Unser Spiel wird also sicher nicht mehr gleich aussehen.
Wir planen auf die einzelnen Blöcke ausgerichtete Systeme. Ein Block mit
Pressing, einer eher auf Konter ausgelegt und einer als Checkerformation. Grob
gesagt. Hinter dem gegnerischen Tor wird man uns wohl nicht mehr so häufiger
sehen, dafür noch öfters gefährlich im Slot, wie ich hoffe.
Das ist schwer zu sagen. Es haben Spieler aufgehört, die sehr viele
Skorerpunkte gesammelt haben. Diese sind nicht ersetzt worden. Dafür sollte man
aber in der Defensive stärker geworden sein, was ja auch eine gute Sache wäre,
wenn man die Spiele der letzten Saison Revue passieren lässt. Und dank Äme
Rüeger und Daniel Neumann werden die Jets auch nicht absteigen, da bin ich
sicher.
Eigentlich will ich dazu nichts sagen... Nur soviel: Ich würde das nie
machen. Weder das Kader so aufteilen, noch verletzte Spielerinnen zum Einsatz
bringen. In der Meisterschaft kann man über letzteres ja mal diskutieren, aber
in der Vorbereitung hat für mich die Gesundheit der Spielerinnen allerhöchste
Priorität.
