21.
08.
2020
NLA Frauen | Autor: Red Ants Rychenberg

Scheidegger tritt zurück

Die Schweizer Nationalspielerin Margrit Scheidegger tritt nach 96 Länderspielen zurück. Mehrere Verletzungen in den letzten Monaten führten kurz vor dem Saisonstart mit den Red Ants Rychenberg Winterthur zu diesem Entscheid.

Scheidegger tritt zurück "Mäggi" Scheidegger sorgte mit der Nati in Neuenburg für Furore. (Bild: Dieter Meierhans)

Geplant war, dass Margrit Scheidegger mit den Red Ants in eine weitere Unihockeysaison starten wird. Sie nahm sich nach dem Saisonende viel Zeit, um über ihre (Unihockey-) Zukunft nachzudenken. Nicht nur das intensive WM-Jahr und die insgesamt 12 NLA Saisons wurden während dieser Entscheidungsfindung Revue passiert, eine tragende Rolle nahm auch die schwere innere Verletzung, welche sich Scheidegger im letzten Playoffspiel nach einem Check zuzog und die mehrere Monate Ruhe und Erholung einforderte, ein.

Fast 300 NLA-Spiele
Die Freude im Verein war gross, als Scheidegger Mitte Juni dann ihre Vertragsverlängerung bekannt gab. Ausschlaggebend für den positiven Entscheid war: «das junge und coole Team!» Viele Eigenschaften des Teams decken sich mit ihren über all die Jahre gelebten Werten und Anforderungen an sich selbst: «Die Spielerinnen sind unglaublich hungrig. Sie verfolgen ihre Ziele hartnäckig und mit viel persönlichem Einsatz. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, mit diesem Team in die Saison zu starten und zu sehen, was alles möglich ist».

Dazu wird es nun aber nicht mehr kommen. Nach 286 Meisterschaftsspielen, 242 Punkten, drei Cupsiegen, einem Meistertitel und der Europacup Bronzemedaille (2010) ist nun Schluss. «Es gibt für mich leider keinen anderen Weg, als diese Entscheidung zu treffen», sagt Scheidegger. Nachdem in einem kürzlich ausgetragenen Testspiel erneut die Notaufnahme aufgesucht werden musste, waren die Würfel gefallen. «Es ist Zeit, für ein Leben ohne Unihockey im Mittelpunkt und vor allem ohne das sportliche Risiko einer weiteren schlimmen Verletzung».

Die ehemalige Sportchefin Irène Tschümperlin zeigt sich verständnisvoll: «Natürlich verlieren wir mit Mäggi eine grosse Leaderfigur, aber solche Ereignisse hinterlassen nicht nur physische sondern vor allem mentale Spuren. Wir verstehen Mäggis Gedanken zu 100%, da wir die letzten Monate ihre intensive Rückkehr natürlich verfolgten. Ich behaupte, nicht viele hätten sich nach so einer Verletzung nochmals aufs Feld gewagt. Mäggi kann unglaublich einstecken, sie ist ein Stehaufmännchen, eine Duracell-Batterie, aber irgendwann stellt man sich die Frage, kann oder will man das wirklich weiterhin auf sich nehmen.»

«Mit Mäggi verliert das Team eine Figur, die den Unihockeysport gelebt und geatmet hat! Sie hat dem Team vorgelebt, was es bedeutet, für diese Sportart 100% und noch ein bisschen mehr zu geben. Davon kann das ganze Team für die kommende Saison viel mitnehmen», fasst Kati Eteläpää, die sechs Jahre lang Trainerin von Margrit Scheidegger war, zusammen. Scheidegger hat aber etwas vorgelebt, das bleibt, fügt Eteläpää weiter an: «Ich sehe, dass bereits eine neue Generation an jungen Leaderinnen begonnen hat, das Team zu führen. Für mich persönlich ist dieser Abschied besonders schwer. Es war nicht immer einfach zwischen uns, die Zusammenarbeit seit der letzten Saison war dann aber so tief und gewinnbringend, dass sie mir als Mensch und als Sportlerin sehr fehlen wird».

Dreimal WM-Bronze, einmal WM-Silber

Auch auf internationalem Parkett hat Scheidegger ihre Spuren hinterlassen: 2009 gewann sie mit der U19 den Weltmeistertitel in Polen. Ein Jahr später wurde sie erstmals für das A-Nationalteam aufgeboten. Von 2013 bis 2019 nahm sie an allen vier Weltmeisterschaften teil und gewann mit der Schweizer Nati dreimal Bronze und zum Abschluss ihrer Karriere einmal Silber.

In den 96 Länderspielen erzielte sie 32 Tore für die Schweiz, das letzte im Final an der WM im letzten Dezember in Neuenburg gegen Schweden. Diese WM sei auch ganz klar das Highlight ihrer Karriere gewesen, meint Scheidegger: «Ich habe erst kürzlich ein Video von der WM geschaut und dann kamen all die Emotionen wieder hoch. Dieses Erlebnis ist einfach unbeschreiblich.» Sie lässt ihre grosse Unihockeyzeit mit einem kleinen weinenden aber mit einem grossen lachenden Auge hinter sich. «Es ist schade, kann ich diese Abschlusssaison nun nicht mehr spielen. Was ich in über 20 Jahren Aktiv-Unihockey an Emotionen, Leidenschaft, Teamgeist und Freundschaften, erleben durfte, ist unbeschreiblich und hat mein Leben geprägt. Jetzt freue ich mich auf eine weniger verplante und mehr spontane Zukunft mit Freunden und Familie.»

Quelle: Red Ants Witnerthur und swiss unihockey

 

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