09.
2020
So weit die Füsse tragen
Im ersten Teil der Saisonvorschau NLA Frauen widmen wir uns den Teams, die personell gestärkt oder zumindest mit einer ausgeglichenen Transferbilanz aus der Sommerpause hervorgingen. Doch auf wessen Kosten können sie in der Tabelle nach oben klettern?
Kloten-Dietlikon Jets
Silly Season
Trotz des Abgangs von Alice Granstedt (29 Tore in der letzten Saison) ist das Jets-Kader mindestens gleich gut besetzt. Von den Wizards kommt mit Brigitte Mischler und Mirjam Hintermann noch einmal eine geballte Ladung Erfahrung. Die vielseitig einsetzbare Mischler gibt dem neuen Trainer René Jaunin zusätzliche Optionen, auf zwei Linien hat er inklsuive Iza Rydfjäll und Natalie Martinakova praktisch ein Nationalteam zur Verfügung. Das Trio Wiki-Gerig-Suter ist die beste Angriffslinie der Liga und kann jedes Spiel entscheiden.
Tipp: 1. Platz
Die Jets sollen diese Saison in ruhigere Fahrwasser als noch 2019/20 (zwei Trainerwechsel während der Saison!) geführt werden. Das Kader ist extrem routiniert - und nach einer Saison ohne Titel hungrig. Im Supercup bekamen dies die im Schnitt fünf Jahre jüngeren Piranhas gnadenlos zu spüren. Die Spielerinnen, deren Rücktritt sich allmählich abzeichnet, möchten diesen bestimmt nicht mit Silbermedaillen um den Hals antreten. Alles spricht dafür, dass die Fliegerinnen in der Qualifikation der Konkurrenz mindestens einen Schritt voraus sein werden.
Skorpion Emmental Zollbrück
Silly Season
Lukas Schüepp steigt mit einem leicht verjüngten Kader in seine zweite NLA-Saison. Dies dürfte seiner Philosophie entsprechen, er hat seine Qualitäten als Ausbildner schon etliche Male bewiesen und wird auch die Diamanten Selma Bergmann, Lucie Rezacova (beide Jahrgang 2001) und Nikol Pekarkova (1999) schleifen. Einzig der Abgang von Nadine Krähenbühl zur direkten Konkurrenz ins Oberland schmerzt.
Tipp: 4. Platz
Die Emmentalerinnen verfügen über ein breites und ausgeglichenes Kader. Lisa Liechti und Natalie Spichiger können das ganze Team mitreissen. Die beiden neuen Tschechinnen haben ihr Potenzial am Supercup trotz der knappen Niederlage im Halbfinal angedeutet. Der nächste Schritt, nämlich der in einen grossen Final, scheint dieses Jahr möglich. Hinter den Jets dürften sich die Emmentalerinnen einen Platz mit Playoff-Heimrecht sichern, die Direktduelle mit Piranha und den Wizards versprechen Spannung.
UH Berner Oberland
Silly Season
Die Schlüsselspielerinnen Piispa und Nieminen konnten gehalten werden und nehmen ihre dritte NLA-Saison bei BEO in Angriff. Trotz zwei Abgängen und nur einem Zuzug beim ausländischen Personal bleibt die Qualität im Kader etwa gleich gut, insbesondere dank dem Zuzug von Nadine Krähenbühl. Nach Fabienne Walther im letzten Sommer gelang BEO somit erneut einer der interessantesten ligainternen Transfers.
Tipp: 5. Platz
In der zweiten Saison nach dem Aufstieg gab es resultattechnisch einen leichten Dämpfer - diesmal war bereits im Viertelfinal Schluss. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau: Die langjährige Liftmannschaft hat sich definitiv in der NLA etabliert und kann auf eine gute Nachwuchsbewegung zählen. Nun stellt sich die Frage, ob man weiter mit den Topteams auf Tuchfühlung bleiben kann oder ob die Konkurrenz von hinten näherrückt. Wir tippen auf eine souveräne Playoffqualifikation - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Zug United
Silly Season
Die Zentralschweizerinnen erhielten nahmhafte Verstärkung aus Tschechien. Die Nationalspielerinnen Kamila Paloncyova und Ivana Supakova bringen gemeinsam mit Supertalent Eliska Trojankova ein grosses Plus an Qualität ins Kader. Erstaunlich war nur, dass mit Ada Hök eine nominell fünfte (!) ausländische Verteidigerin geholt wurde. Dabei kam Zug auch letzte Saison nur knapp über den Schnitt von drei erzielten Toren pro Spiel hinaus. Man darf auf die Linienzusammenstellung gespannt sein.
Tipp: 7. Platz
Neun Punkte vor Mendrisio, zehn Punkte hinter Laupen: Zug fand sich letzte Saison im tabellarischen "Niemandsland" wieder. Die Top-Teams Piranha und Jets umgingen die anscheinend allzu tiefe Hürde Zug im Wahlverfahren der Viertelfinals, gegen die Wizards gab es schliesslich drei klare Niederlagen. Nun deutet alles darauf hin, dass es in der Zentralschweiz wieder Playoff-Unihockey zu sehen gibt und sich die Lücke zum Tabellenmittelfeld schliesst.
Red Lions Frauenfeld
Silly Season
Die Thurgauerinnen haben mit Jana Schenk (Goalie), Ladina Sgier (Verteidigung) und den schwedischen Stürmerinnen Malin Brolund und Pauline Fylke auf allen Positionen verstärkt - dies war aber auch dringend nötig. Wichtig war aber auch die Vertragsverlängerung der U19-Nationalspielerinnen Julia Kradolfer und Seraina Fitzi. Diese haben sich in der NLA etabliert und sollen gemeinsam mit den Ausländerinnen für Tore sorgen.
Tipp: 8. Platz
Clemens Strub pflegt einen offensiven Spielstil, der aber auch konteranfällig ist. Dies führte letzte Saison zu etlichen Kanterniederlagen. Nun sollen und müssen die Ideen greifen. Das erste Jahr seiner Amtszeit überstanden die Thurgauerinnen mit einem blauen (Corona-) Auge. Wenn das junge Team weiter Fortschritte macht und die erfahrenen Brolund und Sgier ihre Leaderfunktionen wahrnehmen, könnte es dieses Jahr mit dem Playoff-Traum klappen. Bleibt die Frage, welche beiden Teams die Thurgauerinnen hinter sich lassen können.