18.
04.
2012
NLA Frauen | Autor: Voneschen Reto

Vom Lehrling zum Meistertrainer

Piranha Chur ist am Sonntag zum zweiten Mal Schweizer Unihockeymeister der Frauen geworden. Für Trainer Fabian Disch ein ganz spezieller Moment. Während der Saison wurde er vom Assistenten zum Cheftrainer befördert.

Vom Lehrling zum Meistertrainer In Aktion: Fabian Disch gibt Anweisungen an Seraina Ulber (Bild Erwin Keller)

Sonntag-Nachmittag in der Zürcher Saalsporthalle. Auf dem Spielfeld setzen die Unihockeyfrauen von Piranha Chur zur Gala an. Tor um Tor erzielen sie gegen die bedauernswerten Dietlikerinnen. Die 250 mitgereisten Bündner Fans sind völlig aus dem Häuschen und begleiten die Piranhas die letzten zehn Minuten stehend und klatschend. „Einer geht noch, einer geht noch rein", skandieren sie lauthals, 15 Treffer sind es am Ende sein, so viel wie in allen drei Finalpartien zuvor zusammen. Selbst die Ersatzspielerinnen treffen, als wäre es das einfachste der Welt. Derweil tanzt der Rest der Mannschaft auf den Spielerbänken und singt lauthals „Meister, Schweizermeister". Kollektive Glückseligkeit in orange und schwarz.

Nie Zweifel verspürt
Schon früh legten die Churerinnen mit drei Treffern in 29 Sekunden den Grundstein für Titel Nummer 2. Nur kurz, nach dem 3:6 Dietlikons im zweiten Drittel muss Coach Disch eingreifen und die dritte Formation wieder unter die Wolldecke schicken. „Der Rhythmus stimmte nicht mehr", stellte er fest. Gedanken an eine Niederlage begleiteten ihn aber nie. Auch nach dem ersten, im Penaltyschiessen verlorenen Finalspiel, kamen keine Zweifel auf, die Best-of-5-Serie zu verlieren. Einmal musste er noch laut werden, sehr laut sogar. Als Dietlikon im zweiten Finale nach 40 Minuten führte, redete Disch Tacheles in der Kabine. „Unsere Finninnen sagten mir, dass sie kein Wort verstanden hatten, aber danach genau wussten, um was es nun ging", erzählt Disch schmunzelnd. Die Piranhas steckten auch die rote Karte gegen Sonja Putzi weg und gewannen 6:5. Der Knackpunkt in der Serie. „Von da an sprachen wir nur noch davon, Drittel für Drittel zu spielen", so Disch. Kein einziges ging fortan mehr verloren.

„Wenn ihr wollt, dann mach ich es"
Szenenwechsel, knapp 24 Stunden nach dem Titel ist die Freude und der Stolz über die Goldmedaille bei Trainer Fabian Disch spürbar. Erst zwei Stunden nach Spielschluss verliess der Churer Car die Saalsporthalle und hielt direkt vor einer Churer Bar. Dort wurden Spielerinnen und Staff schon von den Fans begrüsst. „Ja, es war eine lange Feier", sagt Disch lächelnd. Vor zwei Jahren beim ersten Titelgewinn dauerten die Feierlichkeiten eine Woche. Erst nächsten Samstag findet die offizielle, öffentliche Meisterfeier im Restaurant Merz statt.

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Fabian Disch in seiner Aktivzeit bei Sarganerland

Dass Fabian Disch als zweiter Meistertrainer in die Piranha-Annalen eingeht, ist eine Geschichte für sich. Anfangs Saison wurde der Freund von Piranhas Nativerteidigerin Flurina Marti angefragt, als Assistent von Mark van Rooden mitzuwirken. Die Tipps des ehemaligen Aktiven (Malans, Chur, Sarganserland) - vor einem Jahr beendete er seine Karriere wegen Rückenproblemen bereits mit 25 Jahren - wurden von den Churerinnen dankbar aufgenommen. Als sich van Rooden Ende Januar mit den Piranhas überwarf, stellte Disch die Frage den Spielerinnen. „Wenn ihr wollt, dass ich es mache, dann mache ich es". Sie wollten.

Wichtige Hilfe
Im Schnellzugstempo musste der Trainerneuling viel lernen. „Ich habe mir schon als Spieler einiges von meinen Trainern abgeschaut", sagt der ehemalige U19-Nativerteidiger. Probleme mit der Akzeptanz - einige Spielerinnen sind älter als Disch - gabs nie. „Ich lernte rasch, dass bei Übungen im Training der Sinn dahinter mehr erklärt werden muss, als bei Männern", erzählt er und gibt zu, „ich musste viel ausprobieren." Viel geholfen haben ihm auch die beiden U21-Trainer Pasqualino Santoro und Aldo Peng, beides langjährige Churer Unihockeyaner, wie auch Konditionstrainer Ruedi Zulauf. Kümmerte sich Zulauf um die Physis, konzentrierten sich Disch und Santoro auf taktische Elemente, während ex-NLA-Torwart Peng sich vor allem um die Torhüterinnen kümmerte. Mit Erfolg. Wurde Piranha-Goalie Sara Vitetti nach der Finalniederlage vor einem Jahr und dem Halbfinal-Out im Cup im Januar noch als Schwachpunkt und Sündenbock bezeichnet, reifte sie in den Playoffs wieder zu meisterlicher Stärke.

Zukunft offen
Die Zukunft von Coach Disch steht aber noch in den Sternen. „Ganz ehrlich: Ich habe noch nicht darüber nachgedacht", so der Landquarter. Die Play-offs seien im Vordergrund gestanden, nun müsse er erstmal ein wenig „runterkommen". Den Churer Verantwortlichen hat er sein Einverständnis gegeben, dass nach Alternativen gesucht werden kann. „Der Aufwand ist gross", hat der als stellvertretender Finanzchef der Gemeinde Landquart tätige Disch festgestellt. Reizen würde ihn der Champions-Cup, der einstige Europacup, im Oktober im schwedischen Umea, wo Piranha Chur als Schweizer Meister teilnehmen darf. „Schaumer'mal", sagt er schmunzelnd. Zuerst steht feiern und geniessen im Mittelpunkt. Die neue Saison kommt noch früh genug.

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Tabellen

1.UHC Thun+9756.000
2.Kloten-Dietlikon Jets+4349.000
3.Floorball Fribourg+2946.000
4.Pfannenstiel Egg+138.000
5.Ticino Unihockey+1235.000
6.UHC Grünenmatt+133.000
7.Unihockey Langenthal Aarwangen-1133.000
8.Ad Astra Obwalden-229.000
9.I. M. Davos-Klosters-4323.000
10.Regazzi Verbano UH Gordola-5619.000
11.UHC Lok Reinach-2418.000
12.Unihockey Limmattal-4717.000
1.Floorball Uri+5946.000
2.Aergera Giffers+836.000
3.Nesslau Sharks+1533.000
4.Chilis Rümlang-Regensdorf+1333.000
5.UH Appenzell+1230.000
6.UH Lejon Zäziwil+323.000
7.Unihockey Basel Regio-2222.000
8.UHC Bremgarten-3820.000
9.Visper Lions-2217.000
10.Red Lions Frauenfeld-2810.000

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