04.
2019
"Wir sind hungrig"
Jill Münger wechselte nach drei Jahren als Backup-Goalie von Dietlikon auf diese Saison hin zu Piranha Chur. Kurz vor dem Superfinal spricht die 20-jährige Ostschweizerin über die Stärken ihres ex-Klubs, die vergleichbaren Hierarchien der Superfinalisten und über ein mögliches Penaltyschiessen.
Noch einmal schlafen bis zum Superfinal! Schon nervös?
Jill Münger: Langsam kommt die Vorfreude. Aber um nervös zu sein, hatte ich noch gar keine Zeit.
Weil zwischen Halbfinal und Superfinal zwei Wochen liegen?
Das fand ich gar nicht so schlecht. Denn die Halbfinal-Serie gegen die Skorps war intensiv. Von dem her war es gut, konnten wir ein bisschen runterfahren und unsere Batterien aufladen. Dietlikon hatte drei Wochen Pause... Wir sind noch gut im Rhythmus und konnten uns gut auf den Gegner vorbereiten.
Laupen war in den Viertelfinals kein Gradmesser. Gegen die Skorps wurde es schon schwieriger.
Sie haben uns sehr viel abverlangt, alle Spiele waren hartumkämpft. In Spiel 1 und 2 machten wir zu viele Eigenfehler und erhielten zu einfache Gegentore. Es war ein Weckruf zum richtigen Zeitpunkt, danach konnten wir uns steigern.
Wie eigentlich schon die ganze Saison.
Das sehe ich auch so. Zu Beginn der Saison mussten wir uns etwas finden, weil es doch einige Wechsel im Team gab. Es gab dann wieder Rückschläge wie am Champions Cup oder beim Cupfinal, aber das hat uns als Team stärker gemacht.
Dieser Cupfinal. Ihr hattet eigentlich alles im Griff - und dann drehten die Jets plötzlich das Spiel. Ist dieses Erlebnis noch in den Hinterköpfen?
Nein. Wir haben dieses Spiel gründlich analysiert und unsere Schlüsse daraus gezogen. Für uns ist das aber abgehakt und unser Fokus liegt nun voll und ganz auf dem Superfinal.
Du hast drei Saisons im Zürcher Oberland verbracht und kennst das Team gut. Was macht es so stark?
Die Mentalität und der Siegeswille. Sie spielen sehr strukturiert und geduldig, lassen sich selten aus der Ruhe bringen und wissen während einem Spiel zu reagieren. Es ist ihnen egal, wer auf der anderen Seite steht, sie versuchen einfach ihr Spiel durchzuziehen.
Interessant sind die Parallelen der Hierarchien innerhalb der beiden Teams. Hier Gämperli, Wiki und Stella, da Rüttimann, Ulber und Marti.
Das stimmt. Beide Teams verfügen über etwa gleich viele Persönlichkeiten und Leaderfiguren. Ich denke aber, dass wir in der Breite besser besetzt sind und unsere zweite oder dritte Linie über mehr Qualität verfügt.
Wieso hast du eigentlich auf diese Saison hin die Seiten gewechselt?
Nach drei Jahren bei Dietlikon kam ich zum Schluss, dass ich mehr Spielpraxis brauche, wenn ich mich weiterentwickeln will. Leider konnte mir Dietlikon keine besseren Perspektiven bieten. Monika Schmid ist dort die unbestrittene Nummer 1, was ich absolut nachvollziehen kann. Ich schaute mich nach einer anderen Möglichkeit um und so ergab sich dann die Zusammenarbeit mit Piranha Chur.
Und, zufrieden mit deiner ersten Saison im Bündnerland?
Es war mir zum Vornerein klar, dass ich hier nicht die alleinige Nummer 1 war. Bis jetzt habe ich mich mehr oder weniger mit Corinne Waldburger abgewechselt. Trotzdem kam ich so zu mehr Spielen. Grundsätzlich kann ich mit der Saison bis jetzt zufrieden sein - was noch fehlt ist ein Titel.
Diese Chance bietet sich am Samstag. Wieso gewinnt Chur?
Weil wir nach dem Champions Cup und dem Cupfinal enorm hungrig auf einen Titel sind. Dieser Hunger spüre ich in jedem Training.
Als Goalie muss man sich auch immer auf ein mögliches Penaltyschiessen vorbereiten. Aber du solltest ja die Tricks von Wiki, Gämperli und Co. auswendig kennen.
(lacht) So einfach ist es nicht. Die Penaltys haben sich nach der Regeländerung etwas verändert. Es gibt den Spielerinnen mehr Möglichkeiten. Von dem her will ich mich hauptsächlich auf mich konzentrieren und gar nicht zu fest auf die Schützin schauen. Aber sowieso hoffe ich, dass das Spiel schon vorher entschieden sein wird - ein Penaltyschiessen wie 2016 möchte ich nicht mehr unbedingt erleben. (lacht)