03.
2011
An der Sensation vorbeigeschrammt
Damit hatte der Meister wohl nicht gerechnet: In den Playoff-Halbfinals stösst Piranha Chur gegen die Bern Capitals auf (allgemein) unerwartet viel Gegenwehr. Zwar führt Chur nach den ersten Partien am Wochenende in der Best-of-5-Serie mit 2:0, die Resultate waren jedoch äusserst knapp und die Entscheidungen zu Gunsten der Bündnerinnen fielen jeweils erst in der Schlussphase. 4:2 besiegte Piranha die Caps am Samstag in Chur, am Sonntag waren die Bernerinnen in der heimischen Mooshalle Gümligen noch näher an der Sensation dran und mussten sich am Ende mit 3:4 geschlagen geben.
Wahrscheinlich erstmals überhaupt, seit sich Chur und Bern in der höchsten Schweizer Liga gegenüberstehen, gingen die Capitals am Samstag in Führung. Simone Wyss erzielte in der 12. Minute das 1:0 für den Aussenseiter aus der Hauptstadt. Dass es überhaupt so lange dauerte, bis das Skore in Chur eröffnet wurde, erstaunte wohl die meisten Anwesenden: In den beiden Qualifikationsspielen, die die Caps in Chur bestritten, war zu jenem Zeitpunkt jeweils die Entscheidung bereits gefallen und am Ende siegte Piranha jeweils mit zweistelligem Ergebnis. Nicht so im Playoff-Halbfinal: Das Trainerduo Cornelia Oberli und Christoph Zingg hatte es verstanden, sein Team optimal auf den Gegner einzustellen und auf die entscheidende Meisterschaftsphase hin ein neues System eingeführt. Dieses schien sich zu bewähren.
Zwar war in der ersten Playoff-Begegnung vor allem Piranha am Drücker und erarbeitete sich mindestens dreimal so viele Abschlüsse wie die Bernerinnen. Die meisten davon wurden jedoch von der stabilen Caps-Verteidigung geblockt oder aber von der hervorragend agierenden Torhüterin Fabienne Aebi zunichte gemacht. Zwar glich Sonja Putzi für Chur nach einer Viertelstunde noch zum 1:1 aus, danach dauerte es jedoch fast 40 Minuten, bis das nächste Tor fiel: Corin Rüttimann brachte Chur acht Minuten vor Schluss in Front, abermals Simone Wyss erzielte aber aus dem Nichts in der 58. Minute den Ausgleich. Umso ärgerlicher sind die zwei Gegentore, die man in den letzten beiden Spielminuten noch hinnehmen musste. Chur schlug noch einmal hohes Tempo an und fand zwei Lücken in der Berner Defensive, die Kathrin Zwinggi und Mirca Anderegg schonungslos zum 3:2 und 4:2 ausnutzten.
Wer nun dachte, die knappe Niederlage hätte an der Moral der Caps gekratzt, wurde am Sonntag eines besseren belehrt. Wieder zeigten die Bernerinnen Charakter und legten trotz der Strapazen vom Vortag - und obwohl man über beide Spiele hinweg durchgehend mit nur zwei Linien agierte - eine erfrischende Form an den Tag. Chur ging zwar durch einen Doppelschlag von Sabrina Arpagaus und Mirca Anderegg im ersten Drittel mit 2:0 in Führung. Abgesehen davon konnten die Caps den Meister jedoch noch besser in Schach halten als in der ersten Partie und Chur kam bedeutend weniger zum Abschluss. Im Gegenzug stellte das Heimteam auch öfters sein offensives Potenzial unter Beweis, kombinierte sich durch die gegnerischen Reihen und kam mehrmals gefährlich vors Tor von Sara Vitetti. Diese musste sich knapp vor Spielhälfte erstmals geschlagen geben: Miriam Flückiger erzielte den 1:2-Anschlusstreffer für Bern.
Noch vor Ende des Mittelabschnitts stellte Corin Rüttimann die 2-Tore-Führung jedoch wieder her und als Ramona Gabathuler zehn Minuten vor Schluss das 4:1 für den Meister erzielte, war die Partie entschieden - sollte man meinen, doch die Caps rauften sich einmal mehr zusammen und praktisch im Gegenzug zum 1:4 erzielte wiederum Miriam Flückiger den zweiten Berner Treffer. Dieser gab den Capitals Aufwind und sie machten in der Folge ungewohnt viel Druck auf das Churer Tor. Nachdem zwar eine Überzahl-Situation nicht genutzt werden konnte, gelang Regula Schori vier Minuten vor Spielende das 3:4. Danach griffen die Bündnerinnen zu ungewohnten Mitteln und liessen, um die Gefahr zu bannen und die Bern im Zaum zu halten, den Ball in der eigenen Zone laufen. So überstanden sie die hektische Schlussphase mit ein wenig Glück, denn die Caps verzeichneten noch einen Pfostenschuss und einen Ball, der eigentlich schon fast im Netz zappelte, fischte Sara Vitetti mit der Hand noch heraus. Nach den zwei Siegen kann Chur zwar in der Partie von nächstem Samstag den Sack bereits zu machen - dass diese Serie aber noch nicht gegessen ist, bewiesen die Bern Capitals am Wochenende eindrücklich.
Piranha Chur - Bern Capitals 4:2 (1:1, 0:0, 3:1)
Gewerbliche Berufsschule, Chur. - 243 Zuschauer. - SR Elmer/Schellenberg.
Tore: 12. Wyss (Bärtschi) 0:1. 15. Putzi 1:1. 52. Rüttimann (Gabathuler) 2:1. 58. Wyss (Meier) 2:2. 59. Zwinggi (Pasanen) 3:2. 60. Anderegg (Ulber) 4:2.
Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Piranha Chur. keine Strafen gegen Bern Capitals.