01.
2006
Frauen NLA: Erneut keine Punkte gegen Dietlikon
Wenn es um Punktverluste in buchstäblich letzter Minute geht, sind die Caps bereits heute einsame Spitze in der NLA - das 1:2 durch Sarah Schäfer 43 Sekunden vor Spielende ist bereits der vierte Punkt, den die Bernerinnen in der Schlussminute vergeigt haben. Die Partie in der gut besuchten Mooshalle erinnerte stark an das Hinspiel, als die Capitals ebenfalls kurz vor Schluss in Unterzahl noch eine Niederlage einstecken mussten. Beide Mannschaften begannen konzentriert und versuchten, die Fehlerquote möglichst tief zu halten. Der Vizemeister aus Zürich wählte dabei zu Beginn eine eher abwartende Taktik und suchte sein Glück in einer kompakten Defensive sowie überfallartig vorgetragenen Kontern. Die Bernerinnen liessen nicht zum ersten Mal in dieser Saison Ball und Spielerinnen nicht konsequent genug dort laufen, wo es wirklich gefährlich ist - im Slot. So erarbeitete sich Dietlikon die besseren Chancen, ohne allerdings daraus Kapital schlagen zu können.
Berner Dominanz im Mitteldrittel
Anders zu Beginn des zweiten Drittels: Die Hauptstädterinnen agierten nun
bissiger und konnten das Spieldiktat an sich reissen. Mehr als ein zu Recht
wegen hohen Stocks nicht gegebener Treffer von Schällibaum schaute dabei aber
trotz guter Chancen nicht heraus. Erst eine Strafe stoppte den Schwung der
Mannschaft von Gerber/Spicher/Huber und führte so prompt wieder zu einer
Verlagerung des Spieles vor das Gehäuse der überzeugenden Koller. Nach einem
guten Dietliker Powerplay, das trotz eines Pfostenschusses von Berner nichts
Zählbares hervorbrachte, verstanden es die Schützlinge von Viriden/Moser/Gartmann
in der Tat, den Druck aufrecht zu erhalten und den Ball zu kontrollieren.
Aufgrund der guten Torhüterleistungen stand es aber auch nach 40 Minuten noch
immer 0:0.
Aus Berner Sicht begann das Schlussdrittel denkbar schlecht. Morf wurde an der Bande zu wenig konsequent attackiert und konnte auf Bürgi zurücklegen, welche Koller mit einem Distanzschuss überraschte und nach 20 Spielsekunden die Führung der Gäste markierte. Dieser Führungstreffer war insofern ärgerlich, als die Bernerinnen diese Saison in zwei Spielen (Sensecup, Meisterschaft) noch keinen einzigen Torerfolg gegen Dietlikon bejubeln konnten. Sonja Schori änderte dies zur Erlösung der Heimmannschaft allerdings bereits kurz nach dem 0:1: Sie setzte sich im Slot durch und erwischte Giezendanner in der nahen Torecke. Das Spiel stand so wieder auf des Messers Schneide.
Opfer der eigenen Planlosigkeit
Je länger das Drittel dauerte, desto mehr verlagerte sich das Spiel wiederum in
die Platzhälfte der Bernerinnen, bei denen einige Spielerinnen bedenklicherweise
schon früh athletisch am Limit liefen. Während der Vizemeister aus Dietlikon
seine Kräfte in zwei Linien bündelte und einen Gang zulegen konnte, verloren die
Caps jegliche Souveränität und Cleverness am Ball. Mit und ohne Ball verhielten
sie sich zu passiv. Manch ein Zuschauer stellte sich die Frage, ob das zuweilen
unkontrollierte Wegdreschen des Balles auf Dauer gut gehen kann und sah sich -
leider - in seiner Vorahnung bestätigt: In der Schlussminute einer Partie, die
ab Minute 55 keinen entlastenden Unterbruch mehr erfahren hatte, wurden die Caps
Opfer ihrer eigenen Planlosigkeit und kassierten aufgrund einer zu
unkontrollierten Defensivarbeit den entscheidenden Treffer.
Dietlikon legte in der entscheidenden Phase athletisch, taktisch und spielerisch einen Zacken zu, währenddem wir abbauten. Da muss man sich nicht verwundern, wenns am Schluss hinten einschlägt." resümierte ein sichtlich enttäuschter Gerber und liess dem folgen, dass das auch so bleiben werde, solange nicht jede einzelne Spielerin gewillt ist, in allen Bereichen mehr an sich zu arbeiten. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, diese Niederlage fehlendem Spielglück zuzuschreiben, sondern müssen uns die Frage stellen, warum wir in solchen Spielen in der Schlussphase nicht so auftreten und nachsetzen können wie Dietlikon". Ganz klar fehlt in solchen Spielen die Breite des Kaders. Während sich die Zürcherinnen in den ersten 40 Minuten mit drei kompletten Blöcken „schonen“ konnten, spielten die Capitals mit zwei Linien durch.
Zum Wunden lecken bleibt keine Zeit: Als kleiner Trost bleibt noch die Gewissheit, dass man zwei Punkte vor dem Gegner von nächstem Sonntag liegt und mit einem Sieg in Chur einen Riesenschritt Richtung Playoffs machen kann. "Die Spiele gegen Chur, Burgdorf und Zug sind alles Finalspiele. Da muss jede Spielerin bis in die Zehenspitzen motiviert sein und alles für den Sieg geben - insbesondere in der Schlussphase", beschreibt Gerber die weiteren Aussichten. Die Caps haben ihr Schicksal in der Tat im Gegensatz zu Chur noch immer selber in der Hand und müssen sich - dies als positive Erkenntnis aus dem sonntäglichen Spiel – definitiv vor niemandem verstecken.
Bern Capitals - UHC Dietlikon 1:2 (0:0, 0:0, 1:2)
Mooshalle, Gümligen - 175 Zuschauer
SR: Güpfert / Servodio
Tore: 40:20 Bürgi (Morf) 0:1, 42:50 S. Schori (Elsinger) 1:1, 59:17 Schäfer (Morf) 1:2
Strafen: Bern Capitals 1x2', Dietlikon keine
Bern Capitals: Koller; Krähenbühl, K. Stettler; Schmid, Pfister; Schällibaum, Juker, D. Stettler; S. Schori, Fahrni, Elsinger; R. Schori, Müller
UHC Dietlikon: Giezendanner; Berner, Zollinger; Heusser, Klein; Bürgi, Walder; Stadelmann, Morf, Schäfer; Mesot, Vögeli, Raschle; Anderegg, Benzinger, Vogt
Bemerkungen: 5. Lattenschuss Bürgi, 32. Pfostenschuss Berner, 36. Tor von Schällibaum aberkannt (hoher Stock), 48. Pfostenschuss Pfister. Bern Capitals ohne Siegfried, Meyer (verletzt), Marquart (abwesend) Spycher und Roux (nicht eingesetzt)
Beste Spielerinnen: Koller und Giezendanner