01.
2006
Frauen NLA: Mit einem blauen Auge davongekommen
Dass das erste Spiel nach einer Meisterschaftspause auf Seiten der Caps immer extrem harzig verläuft, hat schon fast Tradition. Immerhin meinte es der Spielplan dieses Mal vermeintlich gut mit den Bernerinnen, stand doch mit dem UHC Höfen eine schwächer eingestufte Mannschaft gegenüber, welche im Hinspiel noch klar mit 8:1 bezwungen werden konnte. Dass es freilich dieses Mal nicht so einfach gehen würde, war den Stadtbernerinnen bereits vor Spielbeginn bewusst. Einerseits spielte man auswärts, andererseits hatten die Oberländerinnen unter der Regie des Ex-Caps-Spielers Karlen seither einen Schritt vorwärts gemacht.
Ohne Biss gestartet
Die Caps nahmen die Partie gelinde gesagt gemächlich in Angriff. Zwar erzielte Schällibaum mit dem ersten Angriff das 1:0, doch agierte die Mannschaft von Gerber/Spicher/Huber in den ersten 20 Minuten viel zu inkonsequent – sei es im Abschluss, wo die sich bietenden Chancen fahrlässig vergeben wurden, als auch im Pressing, das diese Bezeichnung vorerst nicht verdiente. In der Tat gelang es den Gastgeberinnen immer wieder, mit einfachsten Mitteln das mit wenig Biss vorgetragene Forechecking der Hauptstädterinnen zu umgehen und so zu teils hochkarätigen Torchancen zu kommen. Gleich drei Pfostenschüsse verzeichnete Höfen in den ersten 12 Minuten.
Weckruf zeigte kurzfristig Wirkung
Nach dem ersten Weckruf an diesem Abend schienen die Caps immerhin ab dem zweiten Drittel aus ihrem Dämmerschlaf zu erwachen und spielten fortan mit mehr Biss. In dieser Phase – und leider nur in dieser – zeigte sich dann auch der Klassenunterschied, den man bei einem Spiel eines Playoffkandidaten gegen einen Aufsteiger eigentlich erwarten darf. Höfen gelang es kaum noch, sich aus der eigenen Platzhälfte zu befreien, die Gäste gaben den Ton an und erhöhten schnell auf 3:0. Damit war das Spiel entschieden – zumindest dachten dies offenbar die Caps. In der Defensive wurde zwar dem Gegner nach wie vor nichts geschenkt, konnte doch die Mannschaft von Karlen im Mittelabschnitt kaum eine nennenswerte Chance herausspielen. Die Offensive hingegen schaltete nach der scheinbar beruhigenden Führung zwei Gänge zurück, liess in ihren Aktionen jegliche Entschlossenheit und Präzision vermissen und verpasste so den endgültigen KO-Schlag.
Drei Gegentore innert 150 Sekunden
Mit frischem Mut nahmen die Oberländerinnen, die in kämpferischer Hinsicht zu überzeugen vermochten, das letzte Drittel in Angriff, während auf Seiten der Stadtbernerinnen der zweite Weckruf in der Drittelspause nicht erhört wurde. Höfen suchte einen Weg, ins Spiel zurück zu finden und die Caps leisteten dabei kantonal-freundschaftliche Hilfe. Innert 150 Sekunden servierte man den Gastgeberinnen drei Tore auf dem Silbertablett und bewies so, dass man aus dem Spiel gegen Dürnten, wo gegen einen ähnlichen Gegner eine 5:2-Führung verspielt wurde, nichts gelernt hatte.
Immerhin: Der haushohe Favorit wankte zwar, fiel aber nicht. Der Mannschaft von Gerber/Spicher/Huber ist zu gut zu halten, dass diese Ohrfeige nicht zum endgültigen Zerfall führte, sondern dass fortan wieder mit mehr Konzentration ans Werk gegangen wurde. Eine harte Zweiminutenstrafe gegen Höfen wurde prompt zum 4:3 ausgenützt – Müller traf in Überzahl und bewahrte so ihre Mannschaft von einem abermaligen unnötigen Punktverlust. Höfen konnte auf diesen neuerlichen Rückstand tatsächlich nicht mehr reagieren und stand so trotz gutem Kampf am Ende mit leeren Händen da.
Die Caps offenbarten einmal mehr in einem Spiel nach einer Pause grosse Schwächen und können froh sein, mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Die wichtigen drei Punkte sind im Trockenen, und dies war an jenem tristen Abend in Spiez das Erfreulichste und zugleich Wichtigste. Mit Dietlikon und Chur warten allerdings nun Gegner anderen Kalibers, die eine derartige Leistung gnadenlos bestrafen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Caps die Zeichen der Zeit erkannt haben und in den kommenden beiden Partien ihr bekanntes Sonntagsgesicht zeigen werden.
UHC Höfen - Bern Capitals 3:4 (0:1, 0:2, 3:1)
AC-Zentrum, Spiez - 128 Zuschauer
SR: Brugger/Moser
Tore: 01:00 Schällibaum (Juker) 0:1, 20:43 Elsinger (Müller) 0:2, 24:43 D. Stettler (Juker) 0:3, 44:59 Hofer (Seiler) 1:3, 46:33 Schwendimann (Egli) 2:3, 47:22 Schwendimann (Hirsig) 3:3, 51:45 Müller (D. Stettler / Ausschluss Egli) 3:4
Strafen: Höfen 1x2', Bern Capitals keine
UHC Höfen: Christen; Hirsig, Wenger; Schneider, Holzer; Winkler, Hertig; Haldemann, Egli, Schwendimann; Seiler, Hadorn, Hofer; Marti, Baumann, Stübi; Kupferschmied
Bern Capitals: Roux; Pfister, Schmid; Krähenbühl, Müller; D. Stettler, Juker, Schällibaum; Elsinger, Fahrni, R. Schori; S. Schori
Bemerkungen: 1. Pfostenschuss Haldemann, 10. Pfostenschuss Hirsig, 12. Pfostenschuss Egli, 24:43 Time-out Höfen, 47:22 Time-out Bern Capitals
Beste Spielerinnen: Schwendimann / Pfister