09.
2025
Maël Marthaler: Die F-Liiga als "Zwischenjahr"
Nach einer Saison in der F-Liiga ist Maël Marthaler in die Schweiz zurückgekehrt. Obwohl sein Vater Präsident von Floorball Thurgau ist, zog es den 20-jährigen Verteidiger zu Rychenberg und nicht zurück in die sportliche Heimat.
Blicken wir noch einmal zurück auf den Supercup. Nach einem gelungenen Start kassiert ihr in den letzten Minuten vor der ersten Pause gleich vier Gegentore. Wie konnte das passieren und wie habt ihr euch davon erholt?
Maël Marthaler: Ich bin der Meinung, dass die Energie bei uns eigentlich immer positiv. Wir wussten, dass wir eigentlich gut spielen, obwohl dann gleich mehrere Tore in kurzer Zeit hinten reingingen. Wir haben uns darauf, so weiterzuspielen wie am Anfang, und so wurde es danach wieder besser.
Sehr aggressiv ins Pressing seid ihr aber nicht gegangen, auch im Schlussdrittel - einfach um nicht ausgekontert zu werden?
Wir wussten dass sie die Konter sehr gut spielen können und auch Tore schiessen, wenn wir nicht clever ins Pressing gehen. Wir haben aber versucht das Tempo hoch zu halten und sie zu Fehlern zu zwingen.
Es war dein erstes Pflichtspiel für den HCR, letzte Saison spieltest du in der F-Liiga. Erzähl uns doch, wie das zustande kam, mit dem Draft und dem ganzen Drum und Dran.
Ich habe eine KV-Lehre gemacht und danach die BMS. Danach gehen andere Leute reisen - ich sagte mir, dass ich ein solches "Zwischenjahr" mit Unihockey verbinden möchte. So ergab sich die Möglichkeit durch die Kontakte, die wir bei Thurgau zu verschiedenen Personen in Finnland haben. Das Ziel wäre es auch gewesen, daneben noch ein bisschen zu arbeiten, doch das gestaltete sich aus sprachlichen Gründen schwieriger als gedacht. Also hatte ich auch Zeit, einfach das Leben zu geniessen und mich aufs Unihockey zu fokussieren.
Und ganz klassisch in einer Unihockey-WG gelebt?
Nein, ich hatte eine eigene, kleine Ein-Zimmer-Wohnung, etwas über 20 Quadratmeter.
Wie war dein sportlicher Werdegang bei Thurgau, du warst vermutlich Sportschüler in Erlen?
Ganz genau. Ich habe bei Thurgau angefangen, alle Juniorenstufen gemacht und bin danach an die Sportschule. So zu sagen der klassische Weg bei Thurgau.
Bei der Rückkehr in die Schweiz hiess die Destination aber nicht mehr Thurgau. Dabei ist dein Vater dort sogar Präsident!
Ich dachte mir, dass es schön wäre, auch in der Schweiz noch etwas Neues zu sehen. Einen neuen Kick, eine Art Neuanfang. Zuhause ist aber alles friedlich, es sieht jeweils ganz lustig aus wenn ein Auto mit dem Thurgau-Logo und eines mit dem Rychenberg-Logo nebeneinander stehen. Daheim ist seine Rolle ganz klar die des Vaters und nicht des Präsidenten.
Wie waren deine ersten Eindrücke vom HCR bisher?
Es ist super, wie professionell gearbeitet wird. Die ganzen Rahmenbedingungen sind fantastisch, da fühlt man sich auch als Athlet wertgeschätzt. Man kann Gas geben und sich weiterenwickeln. Es kam im Frühling ein Verjüngungsprozess in die Gänge, mit dem Abgang oder Rücktritt einiger erfahrener Spieler, aber das ist bisher sehr gut gelungen. Ich und die anderen jungen Spieler wurden sehr gut integriert.
Mit der persönlichen Vorbereitung bist du zufrieden?
Bisher ja. Wir konnten im phyisischen Bereich sehr gut arbeiten. Das Czech Open hätte resultatmässig besser laufen können, aber insgesamt sind wir zufrieden, wo wir aktuell stehen.
Und um den Kreis noch zu schliessen: Wo geht es nach dem "Zwischenjahr" in Finnland beruflich weiter? Hat dir der HCR etwas vermittelt?
Wir haben zuerst mit dem Verein geschaut. Schlussendlich wohne ich aber immer noch in Bürglen TG, in der Nähe von Weinfelden. Schliesslich habe ich eine Anstellung in einem Treuhandbüro in Berg gefunden, wo ich ein 80%-Pensum und einen sehr flexiblen Arbeitgeber habe, sodass sich Sport und Beruf gut ergänzen.