09.
2021
Niederlage nach Verlängerung gegen Finnland
Das Schweizer A-Nationalteam der Frauen spielt zum Auftakt ins Vierländerturnier in Gümligen ein attraktives Spiel gegen Finnland und bringt einen 0:3-Rückstand in die Verlängerung. Dort gelingt den Finninnen der entscheidende Treffer.
Endlich wieder internationales Unihockey auf höchstem Niveau! Nach einem torreichen Spiel am Nachmittag - bei dem die Schweiz mit 14:2 gegen Tschechien gewann - startete das Schweizer Nationalteam ins erste internationale Spiel seit der Heim-WM 2019 in Neuenburg. Auch die Fans scheinen das Live-Unihockey vermisst zu haben und sorgten trotz nicht ganz gefüllten Rängen für reichlich Stimmung in der Halle. Den Finninnen scheint dies jedoch keinen Eindruck zu machen, versuchten sie ihr Glück doch gleich zu Beginn mit einem Abschluss hinter dem schweizerischen Tor. Doch Torhüterin Lara Heini war zur Stelle.
Finnisches Powerplay überzeugt
Auf der anderen Seite testete Brigitte Mischler Krista Nieminen im finnischen Tor, ebenfalls erfolglos. Grundsätzlich war das erste Drittel ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, wäre da nicht das Powerplay der Finninnen. Dieses trat enorm eingespielt auf und reihte eine Ballstafette an die nächste. So überraschte es niemanden, dass ein gut platzierter Schuss von Vera Kauppi nach zwei blitzschnell gespielten Querpässen hinter Lara Heini im Netz landete. Die Schweizerinnen versuchten sogleich darauf zu reagieren und machten viel Druck nach vorne, trafen aber nur Metall. Wie so oft kam zum fehlenden Glück noch Pech dazu und der daraus resultierende Konter endete mit einem Tor via Schweizer Pfosten. Wenige Minuten später wiederholte sich die Powerplaysituation, wieder aufgrund von zu vielen Spielerinnen auf dem Feld. Trotz wichtigen Blocks von Gredig und Berger fanden die Finninnen erneut die Lücke und die Schweizerinnen mussten mit einem 0:3-Rückstand in die Pause. «Es war jetzt eine lange Zeit, in der wir keinen Ernstkampf hatten. Wir mussten zuerst wieder ankommen und das Vertrauen finden in das, woran wir jetzt den Sommer über gearbeitet haben», sagt Best Player Tanja Stella nach dem Spiel zum ersten Drittel.
Im zweiten Drittel zeigten sich die Schweizerinnen defensiv disziplinierter. Die Lücken für gegnerische Pässe waren kleiner, die Räume wurden enger gemacht. Nichtsdestotrotz fasste sich Kauppi ein Herz und brachte die finnische Bank zum Jubeln. Die Schiedsrichterinnen waren jedoch anderer Meinung und entschieden sich gegen ein Tor, worauf innert Sekunden sogleich der nächste Pfostenschuss folgte. Nun schienen die Schweizerinnen aufgewacht zu sein und schafften mit einem Doppelschlag (Mischler auf Gehrig und Gehrig auf Stella) noch vor der Pause den Anschlusstreffer. «Wir hatten den Finninnen die ersten drei Tore geschenkt. Nun fanden wir den Mut, nach vorne zu spielen und es klappte», analysiert Stella.
Erstmalige Führung
Im dritten Drittel machten die Schweizerinnen da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Nach 43 Minuten kämpften im finnischen Slot Rot und Blau Schulter an Schulter und es war Gämperli, die aus diesem Tumult jubelnd hervorging. Danach ging es Schlag auf Schlag. Heini zeigte mit einem Monsterreflex, warum sie eine der weltbesten Torhüterinnen ist und auf der anderen Seite doppelte Hintermann mit Pass von Wicki nach. Die Schweiz lag in Führung. Es deutete alles auf Sieg, wäre da nicht Vera Kauppi. Mit einem bewundernswerten Sololauf bezwang sie Lara Heini und glich wieder zum 5:5 aus. Die hektische Schlussphase mit Metalltreffern auf beiden Seiten erinnerte an die WM in Neuenburg und das lautstarke Publikum schien sich ebenfalls daran zu erinnern. Trotz Top-Chancen schaffte es jedoch keines der beiden Teams, die Verlängerung zu verhindern.
Wie bereits in der regulären Spielzeit begegneten sich Rot und Blau auch in der Overtime auf Augenhöhe. Unglücklicherweise forderten die Schweizerinnen mit einer Zweiminutenstrafe einmal mehr das Powerplay der Finninnen heraus, einmal mehr mit wenig Erfolg. Der Ball landete nach mehreren langen Querpässen genau auf der Vorhand von Jenna Saario, die das Spiel mit einem satten Handgelenkschuss beendete. «Mit der Leistung, die Finnland in der Verlängerung zeigte, haben sie verdient gewonnen», sagt Stella, die sich nun auf zwei weitere Top-Spiele gegen Schweden und Tschechien freut. «Wir haben vieles gut gemacht und müssen nun daran festhalten.»
Der kurze Schreckmoment im dritten Drittel, als Gämperli's Nasenbein von einem finnischen Ellbogen getroffen wurde, steht symbolisch für das ganze Spiel; eine Begegnung auf Augenhöhe mit glücklicherem Ende für Finnland. Die Leistung der Schweizerinnen stimmt jedoch und wir können gespannt sein, was in den nächsten zwei Tagen noch folgen wird.
Schweiz - Finnland 4:5 n.V. (0:3, 2:0, 2:1, 0:1)
Die Mobiliar Arena, Muri bei Bern (SUI); 254 Zuschauer; SR Lucie Hejnova, Barbora Beranova (CZE)
Tore: 5. V. Kauppi (O. Kauppi; Ausschluss Meer) 0:1. 6. Niemela (Westerlund) 0:2. 12. S. Nieminen (Sundström) 0:3. 33. Gerig (Mischler) 1:3. 36. Stella (Gerig) 2:3. 44. Gämperli (Gerig) 3:3. 45. Hintermann (Wiki) 4:3. 55. V. Kauppi (Mäkinen) 4:4 66. Saario (Piispa; Ausschluss Gerig) 4:5
Strafen: 3x2 Minuten gegen die Schweiz; 1x2 Minuten gegen Finnland
Schweiz: Heini; Mischler, Stella; Gredig, Marti; Berger, Liechti; Meer; Gerig, Gämperli, Spichiger; Hintermann, Wildermuth, Wiki; Jeyabalasingam, Cattaneo, Hanimann; Kühne
Finnland: K. Nieminen; Saarikoski, Mäkinen; Eskelinen, Kippilä; Westerlund, Manninen; Kauppila; S. Nieminen, Sundström, Leino; Piispa, V. Kauppi, O. Kauppi; Rantanen, Saario, Niemela; Homi, Pöllänen
Bemerkungen: Tanja Stella (SUI) und Veera Kauppi (FIN) als beste Spielerinnen ausgezeichnet.