11.
2015
Nina Bärtschi trifft auch in Umeå
Die Emmentaler Unihockeyspielerin Nina Bärtschi sorgt bei ihrem neuen Klub IKS Umeå in Schweden von Beginn weg für Furore. Die treffsichere Stürmerin führte IKSU an die Spitze.
Die Vorurteile sind auch in Schweden schnell gemacht. «Nach Umeå gehst du nur für Langlauf oder fürs Studium», heisst es in der Hauptstadt Stockholm. Denn von dort ist Umeå weit weg. 635 Kilometer, um genau zu sein. In etwa die Distanz zwischen Bern und Brüssel. Nach Umea gehen zwar viele Studenten - rund 37‘000 sind es jährlich, was mehr als ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmacht - aber nicht nur Langläufer.
Die Fussballerin Ramona Bachmann kickte einst mit der Brasilianerin Marta dort, die ehemalige Skifahrerin Anja Pärson stammt gar aus der Hauptstadt Västerbottens. Auch Unihockey ist bestens bekannt: Der heutige Langnauer Sportchef Marc Dysli spielte fünf Jahre bei Dalen Umeå und lernte dort seine Frau Cecilia kennen. Ihm folgte erst Matthias Hofbauer und später dessen Bruder Christoph. Die vorletzte Saison spielte Tigers-Hüter Jürg Siegenthaler bei Dalens Lokalrivale Umeå City.
Gut eingelebt
Nina Bärtschi ist dagegen neu in der Stadt der 3000 Birken. Seit August spielt die Emmentaler Unihockeyspielerin für den Klub der Universität Umeås, in Schweden nur unter dem Namen IKSU bekannt. Nach vier Jahren in Zürich beim UHC Dietlikon suchte die 40-fache Nationalspielerin eine neue Herausforderung im Ausland. Die Wahl IKSU scheint die richtige gewesen zu sein. «Die erste Zeit war sehr beeindruckend», teilt Bärtschi mit. Zupass kam ihr, dass die studierenden Teamkolleginnen im August noch frei hatten und so viel mit der 22-Jährigen unternahmen.
Studieren wird Bärtschi in Umeå aber nicht, ein fixer Job wird noch gesucht. Mit dem Leiten von Nachwuchscamps und Kinderhüten ist die Nationalspielerin derzeit beschäftigt. «Das war so abgemacht, damit ich ein wenig Zeit habe, anzukommen», so Bärtschi. Aus den Erfahrungen mit der ersten Schweizerin - Petra Kundert spielte vor neun Jahren nur bis Weihnachten bei IKSU - haben die Verantwortlichen gelernt.
«Spiele mit grosser Freude»
Angekommen ist Nina Bärtschi vor allem auf dem Spielfeld. Nach drei Runden führte sie die Skorerliste an, nach acht Durchgängen liegt sie - trotz zwei verletzungsbedingten Ausfällen - mit neun Toren und elf Assists auf dem 8. Rang. Teamintern hat nur Ausnahmekönnerin Emelie Wibron (2., 15/8) bessere Skorerwerte. Mit sieben Siegen führt IKSU die Tabelle an.
Eine reife Leistung, gilt doch die schwedische Superliga (SSL) als die NHL des Unihockeys. Sie solle sich zu Beginn Zeit lassen, um ins schwedische Spiele zu finden,, wurde ihr beschieden. «Dass es zu Beginn so gut lief, ist wirklich schön», freut sich die Stürmerin. Früher hätte sie wegen Verletzungen oft zuschauen müssen, «nun spiele ich einfach mit grosser Freude, wenn ich auf dem Feld bin».
Hilfe kam da auch vom Verein. Ihrer offensiv-kreativen Spielweise solle sie treu bleiben, wurde Bärtschi gleich zu Beginn mitgeteilt. So wird sie auch im Überzahlspiel eingesetzt. Dass die SSL nicht die NLA ist, hat Bärtschi rasch gemerkt. «Die ersten Punkte haben wir gegen den Tabellenzehnten verloren», spricht sie die höhere Breite in der Liga an. In der Schweiz werde aber offensiver und teilweise attraktiver gespielt.
Letzter WM-Test in Finnland
Die Saison ist noch lang, ebenso der Winter in Umeå. In einem Monat steht mit der WM im finnischen Tampere der erste Höhepunkt an. Die Schweiz hat die Bronzemedaille zu verteidigen und testete am Wochenende ein letztes Mal an der WM-Stätte gegen Schweden, Finnland und Tschechien. Offen gibt Bärtschi aber zu, dass die WM jetzt noch zu weit weg sind. Zuerst gilt es neue Erfahrungen aufzusaugen.
So wie die langen Auswärtsreisen an die Westküste, die gut 1000 Kilometer entfernt ist. «Ich reise gern und sehe so auch etwas vom Land», bleibt Bärtschi locker. Die letzte Reise soll am 16. April nach Stockholm führen. Denn dort wird im Fussballstadion Tele2-Arena das SSL-Finalspiel ausgetragen. Vielleicht wird dann das gängige Vorurteil ergänzt um, «nach Umeå gehst du nur, um Titel zu gewinnen». Vier Pokale stehen schon in der IKSU-Vitrine.
Zeitungsartikel "Berner Zeitung"