Die Tormaschine
Es gibt Spieler, die auf dem Feld sofort auffallen. Christoph Riedel ist so einer. Mit dem Tape über dem Nasenring, der prägnanten Kette um den Hals, unbändigem Kampfgeist und wilden Drehungen, die einem kein Trainer so beibringen kann.
Im Bronze-Spiel der Weltmeisterschaft im letzten Mai verschoss Riedel einen der Schweizer Penaltys. «Wenn ich von jedem, der mich schon darauf angesprochen hat, einen Franken erhalten hätte, könnte ich zwei Wochen in die Ferien gehen», sagt Riedel. Artikel lesen
Die Tormaschine
26 Tore und 26 Assists sind ein eindrucksvoller Leistungsausweis. Auch ausserhalb des Unihockey-Feldes fällt Christoph Riedel auf.
TEXT: DAMIAN KELLER
FOTOS: Daniel Zannantonio
Es gibt Spieler, die auf dem Feld sofort auffallen. Christoph Riedel ist so einer. Mit dem Tape über dem Nasenring, der prägnanten Kette um den Hals, unbändigem Kampfgeist und wilden Drehungen, die einem kein Trainer so beibringen kann.
Im Bronze-Spiel der Weltmeisterschaft im letzten Mai verschoss Riedel einen der Schweizer Penaltys. «Wenn ich von jedem, der mich schon darauf angesprochen hat, einen Franken erhalten hätte, könnte ich zwei Wochen in die Ferien gehen», sagt Riedel. «Ich wollte die Verantwortung übernehmen und dem Team helfen. Urban Karlsson hat die Schützen bestimmt, wobei Tom Engel und ich zu den Sichersten zählten. Es kam für uns beide anders als geplant. Zwei Zentimeter höher und mein Versuch wäre drin gewesen - und welcher Goalie hat schon die Hand dort unten?» Überhaupt hinterliess die WM bei Riedel unterschiedliche Erinnerungen. «Die Woche war als ganzes gesehen ein sensationelles Erlebnis. Schon nur, als wir die Garderobe im Schluefweg das erste Mal betreten haben - jeder hatte sein Tenue auf seinem Platz, da war ein Whirlpool... Und die Atmosphäre in der Halle sorgte für Gänsehaut. Leider hat aber meine Linie nicht so harmoniert. Nachträglich betrachtet hätte man die Blöcke wohl besser zusammenstellen können. Ich hoffe jedenfalls, dass ich 2006 die Chance erhalten werde, noch eine vernünftige WM spielen zu können.»
Unihockey-Vater Kradolfer
Angefangen hat alles beim UHC Kloten, der den Viertklässler Christoph in seine Juniorenabteilung aufnahm. Eigentlich hatte er ja Eishockey spielen wollen, aber den Eltern war der Aufwand dafür zu gross. Es ist nicht jedermanns Sache, den Spross morgens um sechs Uhr ins Training zu karren. Trotzdem verbrachte er jede freie Minute auf dem Eis - oder aber beim Strassenhockey mit den Nachbarskindern Alain Favez und Michi Zürcher. «Zälgli-Buebe» gibt es nicht nur in Bätterkinden. «Die ersten drei Jahre spielte ich noch im Tor, dann wollte ich aufs Feld, ich brauchte mehr Bewegung» sagt Riedel. Er bewegte sich vorwärts, bis ihn Giants Kloten-Trainer Christian Kradolfer bereits mit 17 in die NLA-Mannschaft beförderte. Kradolfer ist es denn auch, den Riedel als seinen «Unihockey-Vater» bezeichnet. «Chrigel hat sehr viele Elemente aus dem Eishockey bei uns eingeführt. Sportlich ist das nicht alles aufgegangen, aber bezüglich des harten Sommertrainings und der Disziplin hat er damals bei uns neue Massstäbe gesetzt. Wenn ich mich mal für ein Training abmelden musste, habe ich jedenfalls immer gehofft, dass die Combox kommt». In dieser Zeit prägten ihn auch die Mitspieler, allen voran Armin Rüeger, Michael Walthard und René Jaunin.
Verschiedene Einflüsse
Es folgte der Wechsel zum HC Rychenberg mit Trainer Christopher «Crick» Häggström. Riedel erinnert sich. «Crick führte militärisch und war der absolute Chef. Wenn er gesagt hätte, die Spieler sollen mit Vollgas gegen eine Wand rennen, hätten es 70 Prozent sofort gemacht. 15 Prozent hätten gefragt, ob sie noch etwas mehr Anlauf nehmen dürfen... Ich gehörte zu den 15 Prozent, die nicht mit allem einverstanden waren. Ich habe viel gelernt, bin zum ersten Mal in ein taktisches Defensivsystem eingebunden worden. Aber das Schema war mir zu starr, ich wollte weg.» Er ging zu GC, wo er zunächst wieder auf Kradolfer, dann auf Peter Düggeli als Übungsleiter traf. Von «Dügg» schwärmt er. «Der beste Trainer, den ich je hatte. Düggeli kann zwar auch stur sein, aber er spricht anständig und überzeugt mit seinem Fachwissen».
Mit GC an die Spitze?
Dass es bei GC Spieler gibt, die bis heute ihre versprochenen Spesenzahlungen aus der letzten Saison nicht erhalten haben, ist ein offenes Geheimnis. Der Frage, ob GC auch ihm noch Geld schulde, weicht Riedel aus. «Ich spiele nicht des Geldes wegen Unihockey, ich verdiene in meinem Job genug. Natürlich ist es verrückt - ich habe letzte Saison nur fünf Skorerpunkte weniger gebucht als Niklas Jihde und bekomme praktisch nichts. Überhaupt denke ich, dass der Weg mit den vielen Ausländern nicht richtig ist. Früher oder später wird es einen Verein ‹verblasen›, wenn man nicht aufpasst». Vom Verein GC Unihockey ist Riedel aber mehr denn je überzeugt. Er möchte dazu beitragen, den grossen Namen auch sportlich gross zu machen. Dass Spieler wie Battaglia, Helbling und Bachmann nach Zürich gewechselt haben, spricht gemäss Riedel für den insgesamt guten Job, den man in den letzten Jahren gemacht habe. Und ihn hat es nie weggezogen? «Bei Rychenberg war ich schon und Uster tu ich mir nicht an. Von Spitzenvereinen ausserhalb der Region Zürich sind noch nie Angebote gekommen, und schon vom Job her hätte ich dort sicher abgesagt. Zu den Jets möchte ich aber zurück - allerdings erst in einigen Jahren. In Kloten habe ich angefangen, und dort will ich meine Karriere auch beenden».