Iron Simon
Die Fahrt durchs Tösstal, von Winterthur nach Bauma zur Wolfensberger AG, in deren Giesserei-Anlage das Cover-Shooting stattgefunden hat, ist eine Fahrt durch die Geschichte von Simon Eichmann. Nach wenigen Kilometern, man hat das Dörfchen Zell erreicht, sieht man linker Hand das gelbe Reihenhaus, in dem er aufgewachsen ist und in dessen Nähe er mit seinen Kollegen in den Trikots von Bykov, Chomoutov, Hollenstein und Tosio auf der Strasse Hockey gespielt hat. Artikel lesen
Iron Simon
Auch gesunde Härte im Zweikampf kann eine Kunstform sein.
TEXT: DAMIAN KELLER
FOTOS: ANITA TROLLER
Die Fahrt durchs Tösstal, von Winterthur nach Bauma zur Wolfensberger AG, in deren Giesserei-Anlage das Cover-Shooting stattgefunden hat, ist eine Fahrt durch die Geschichte von Simon Eichmann. Nach wenigen Kilometern, man hat das Dörfchen Zell erreicht, sieht man linker Hand das gelbe Reihenhaus, in dem er aufgewachsen ist und in dessen Nähe er mit seinen Kollegen in den Trikots von Bykov, Chomoutov, Hollenstein und Tosio auf der Strasse Hockey gespielt hat. Eichmann als Center und Gottéron-Fan war natürlich Slawa Bykov. Etwas später durchquert man ein weiteres Dörfchen namens Wila, einst gefürchtete Kleinfeld-Unihockey-Hochburg und Eichmanns erste Station als Junior. Wer weiss was passiert wäre, hätte sich die Gemeinde Mitte der Neunzigerjahre zu einer Dreifachhalle entschlossen, anstatt an beiden Dorf-Enden zwei kleine Turnhallen zu bauen. Vielleicht wäre der UHC Wila heute in der NLB und Simon Eichmann der Dorf-könig, immer noch mit dem Fahrrad ins Training radelnd? Wohl kaum, das Talent zog es magisch nach Winterthur, begünstigt durch das Engagement seines damaligen B-Junioren-Trainers Urs Aeschlimann und das Werben des HCR-Elite-Trainers Daniel Brunner.
Weiter schlängelt sich die Strasse, tiefer ins Tösstal («Achtung, dort vorne steht dann ein Blitzkasten!»), bis die Giesserei erreicht ist. In der Produktionsanlage fühlt man sich als Unwissender um mindestens ein Jahrhundert in der Zeit zurückversetzt. Grosse Öfen, flüssiges Metall, schwarzer Russ überall. Für Simon Eichmann ein gewohnter Anblick, schliesslich ist er ausgelernter Maschinenzeichner und studiert nun im zweiten Jahr Maschinenbau an der Zürcher Hochschule in Winterthur. Eisern («Iron») ist nicht nur sein Zweikampfstil, sondern auch sein berufliches Umfeld. Optimal fände er, später einmal im sportlichen Bereich tätig sein zu können. «Im dritten Jahr des Studiums kann man sich spezialisieren, zum Beispiel in Richtung Strömungstechniken». Fachwissen in diesen Bereich ist an den verschiedensten Orten im Sport gefragt - Eichmann nennt Beispiele wie Alinghi oder die Formel 1. «In einem solchen Umfeld ein Konstruktionsteam zu leiten würde mir grossen Spass machen».
Typischer Tösstaler
Tösstaler gelten als ruhige, sachliche und schollenverbundene Zeitgenossen. Auch auf Simon Eichmann treffen diese Attribute vollumfänglich zu. „Man lebt wirklich im Tal, geht in seinem Dorf in die Jugi, die natürlich besser ist als die Jugi des Nachbardorfes, und alle kennen sich. Erst mit 18 entdeckt man dank des Automobils auch die Aussenwelt. Bis Bauma ist man sehr Winterthur orientiert - ob Schule, Ausgang oder Beruf. Ab Bauma wird eher Richtung Wetzikon und Rapperswil gependelt" erklärt Eichmann seine Scholle dem Fremden. Erstaunlich ist, wie viele Spitzensportler das Tösstal hervorgebracht hat. Olympia-Medaillengewinner wie Beachvolleyballer Stefan Kobel («der war bei uns in der Schule mal Aushilfs-Turnlehrer») oder die snowboardenden Gebrüder Schoch zum Beispiel, aber auch der ehemalige Motorrad-Rennfahrer Eskil Suter. Simon Eichmann gehört als Unihockey-Internationaler ebenfalls in diese Reihe.
Offensiver werden
Iron Simon gilt als äusserst zweikampfstarker Verteidiger, der auf höchstem Tempo kaum Fehler begeht. Er ist kein filligraner Künstler, der mit Zorro-Moves oder ähnlichen Tricks brilliert - aber seine schnörkellose Spielweise hat er auf seine Weise zur Kunst gemacht. Das reicht aber weder ihm noch seinem Trainer - er soll sich als ehemaliger Stürmer in der Offensive mehr einbringen, nicht nur in der Defensive arbeiten. Anfangs Saison klappte das ausgezeichnet, fünf Tore resultierten aus den ersten vier Partien, danach harzte es etwas. Gegen Wiler-Ersigen verletzte er sich erneut an der Schulter, an der er im letzten Dezember einen dreifachen Bänderriss erlitten hatte, der ihn mehr als drei Monate ausser Gefecht gesetzt hat. Nach der erzwungenen Pause will er wieder angreifen - eisenhart in der Defensive, kaltblütig in der Offensive. Der HC Rychenberg braucht einen Eichmann in Top-Verfassung, um auch einmal ein Spitzenteam zu schlagen.
In der gedruckten Ausgabe:
Eichmann im Interview über Vorbilder, harte Zweikämpfe und das Tösstaler-Gen.