Champions 2006
Noch nie hatten die Malanser Alligatoren in der Zuchwiler Eishalle gewonnen. Nach dem 9:3 im dritten Spiel wurde bereits von einem «Eishallen-Komplex» gesprochen. Und doch kam genau in diesem Spiel die Wende. Nach dem vernichtenden 8:0 nach zwei Dritteln, war die Ehre der Malanser Spieler zutiefst angekratzt. Der letzte Abschnitt wurde mit 3:1 gewonnen und beim Einsteigen in den Bus wusste Adrian Capatt «dass wir Meister werden können.» In der vierten Partie wurde Wiler-Ersigen anstatt Meister zu werden mit 12:5 gedemütigt, im Entscheidungsspiel brachten die Berner keinen Fuss mehr vor den anderen. Artikel lesen
Champions 2006
Alligator entzaubert den Favoriten Wiler mit einer beeindruckenden Willensleistung.
TEXT: RETO VONESCHEN
FOTOS: DAMIAN KELLER
Noch nie hatten die Malanser Alligatoren in der Zuchwiler Eishalle gewonnen. Nach dem 9:3 im dritten Spiel wurde bereits von einem «Eishallen-Komplex» gesprochen. Und doch kam genau in diesem Spiel die Wende. Nach dem vernichtenden 8:0 nach zwei Dritteln, war die Ehre der Malanser Spieler zutiefst angekratzt. Der letzte Abschnitt wurde mit 3:1 gewonnen und beim Einsteigen in den Bus wusste Adrian Capatt «dass wir Meister werden können.» In der vierten Partie wurde Wiler-Ersigen anstatt Meister zu werden mit 12:5 gedemütigt, im Entscheidungsspiel brachten die Berner keinen Fuss mehr vor den anderen.
Starke Ausländer
Die Alligatoren haben zum richtigen Zeitpunkt zu einer Einheit gefunden. Wer den überraschenden Erfolg nur den drei Ausländern Martin Olofsson, Esa Jussila und Mathias Larsson zuschreibt, verkennt die Situation. Die Mischung und Stimmung im Malanser Team war beinahe perfekt. Die Glanzlicher setzten zwar die drei Nordländer, dahinten brachten aber urchige Kämpen wie Capatt, Armin Brunner, Christoph Ruof oder Michael Pfiffner viel Schwung und Playoff-Härte. Oder anders gesagt: Auch die besten Solisten brauchen ein Orchester, das sie trägt. Gerade in den Halbfinals schossen die drei Ausländer Chur beinahe im Alleingang ab. Auch in den Finalspielen, speziell in der fünften Begegnung, war das Trio an den meisten Toren beteiligt.
Wilers Verzweiflung
Trainer Stefan Pettersson und seine Crew fanden mit einem cleveren Defensivkonzept den richtigen Schlüssel gegen das Wiler-Offensivspektakel. Gerade in der «Finalissima» war die Verzweiflung des letztjährigen Meisters offensichtlich. Statt wie gewohnt mit Direktpässen die Abwehr auszuhebeln, wurde der Ball zu lange getragen. Der Finne Lassi Vänttinen, intern nicht unumstritten, kam so nicht mehr zu seinen gefürchteten Direktabschlüssen. Auch Matthias Hofbauer rieb sich an der Malanser Wand auf, sein Bruder Christoph hing ohne seine Pässe völlig in der Luft. Zudem zeigte der SVWE überraschende Schwächen in der Defensive. Der Ausfall von Simon Bichsel konnte nicht kompensiert werden.
Überragender Tönz
Den grössten Unterschied machten aber die Torhüterleistungen aus. Roger Tönz war in der Form seines Lebens. Endlich zeigte der stoisch ruhige Malanser Hüter auch Emotionen und trieb seine Vorderleute an. Selten hat man den «Walfisch» so jubeln sehen. Seine Sicherheit strahlte auf die Abwehr ab. Bei Wiler-Ersigen stand überraschend Daniel Streit im Tor - Nati-Goalie Patrick Kellenberger sass bis auf 20 Minuten im vierten Spiel, als die Partie längst entschieden war, auf der Ersatzbank. Während den ersten drei Finalspielen bestätigte Streit die Wahl Thomas Bergers mit starken Leistungen, vor allem in der letzten Partie war er aber ein Unsicherheitsfaktor. Beim vorentscheidenden 0:3 bugsierte er den Ball gleich selber ins Tor.
Matter Titelverteidiger
Bei Wiler war der Frust natürlich gross. Nach einem grossartigen Triple-Jahr erlebten die Berner die Schattenseiten des Sports: Erst das tragische «59.59» Szenario in der tschechischen Einöde, dann das Aus im Penaltyschiessen im Viertelfinale des Cups und schlussendlich die unglückliche Finalserie mit der Niederlage im heimischen Stadion. Noch in der letzten Saison lief Wiler in Entscheidungsspielen zu Hochform auf, nun war der selbst auferlegte Druck zu gross. Coach Berger ahnte schon vor der Finalserie Böses und bemängelte die nachlassenden Trainingsleistungen. Er sollte Recht behalten.
Hohe Zuschauerzahlen
Die Finalserie bot spektakulären Sport. Durchschnittlich 1709 Zuschauer wollten die fünf Spiele sehen. Zu reden gaben erst die tiefen Temperaturen in der Zuchwiler Eishalle und danach die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in Maienfeld. Je später der April, umso wärmer wurde es in Zuchwil - am Schluss konnten die Ersatzspieler wieder in kurzen Hosen auf der Bank sitzen. Die prickelnde Stimmung in der Maienfelder Lusthalle war zwar einmalig, wenn ein Finalspiel aber bereits am Dienstagmorgen praktisch ausverkauft ist, tut man dem Sport keinen Gefallen. Umdenken ist erlaubt - warum nicht mit Chur Unihockey das Projekt einer gemeinsamen Halle ins Auge fassen? Überfüllte Hallen mit 1200 Zuschauern müssen der Vergangenheit angehören.