Der Steuermann
Er verfügt über Kraft, Koordination und Spielverständnis eigentlich würde man Daniel Bill, der beispielsweise von Centerkollege Reto Balmer um einen Kopf überragt wird, von seiner Postur her nicht zutrauen, fast jeden Zweikampf zu gewinnen. Er tut es trotzdem, weil er das Spiel versteht, wie es sein Mentor René Berliat jeweils ausdrückt. «Die Schweizer arbeiten Unihockey, die Schweden spielen es», wurde Berliat unlängst im «Bund» zitiert und sprach damit das aus der polysportiven Ausbildung stammende Spielverständnis der Skandinavier an. Artikel lesen
Der Steuermann
Nach einem Jahr bei Jönköping kehrte Daniel Bill zu seinem Stammverein Floorball Köniz zurück.
TEXT: Damian Keller / Jonas Dun
FOTOS: Fabian Trees
Er verfügt über Kraft, Koordination und Spielverständnis - eigentlich würde man Daniel Bill, der beispielsweise von Centerkollege Reto Balmer um einen Kopf überragt wird, von seiner Postur her nicht zutrauen, fast jeden Zweikampf zu gewinnen. Er tut es trotzdem, weil er das Spiel versteht, wie es sein Mentor René Berliat jeweils ausdrückt. «Die Schweizer arbeiten Unihockey, die Schweden spielen es», wurde Berliat unlängst im «Bund» zitiert und sprach damit das aus der polysportiven Ausbildung stammende Spielverständnis der Skandinavier an.
Wenn man Bill zuschaut, macht er viele kleine Sachen absolut richtig, einfach weil er weiss, was zu tun ist. Er ist kein Blender, kein Schönspieler und sicher kein Skorer vor dem Herrn - aber dank seiner schnellen Auffassungsgabe oftmals einen Tick schneller am Ball als seine Gegenspieler und somit extrem effizient und mannschaftsdienlich. Der Übernahme «Merlin», der ihn seit einigen Jahren begleitet, ist jedenfalls falsch - ein Zauberer ist Bill nicht. «Der Übername wurde mir vom damaligen U-19 Trainer Beat Moser angehängt, als er für einen Zeitungsbericht etwas Knackiges brauchte. An die Begründung kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Jedenfalls hat sich der Nickname zu Recht nie ganz durchgesetzt. Allerdings bin ich auch kein reiner Schwerarbeiter, wie ich in Jönköping vor meiner Ankunft angepriesen worden war», wehrt sich Bill gegen Schubladisierungen.
Ruhiges Energiebündel
Mit dem Begriff Energiebündel kann sich Daniel Bill eher identifizieren: «Auf den Sport trifft das zu. Ich habe das Bedürfnis, mich zu bewegen und sobald der Ball rollt, gebe ich einfach alles. Niederlagen hasse ich.»
Der als Center oder Verteidiger einsetzbare 23-jährige gilt als der grosse Lenker und Chef auf dem Platz bei Floorball Köniz.
Im Privatleben steht er weniger gerne im Mittelpunkt. Als ruhig, nachdenklich und zurückhaltend beschreiben ihn Kollegen - eigentlich nicht vorstellbar, wenn man ihn auf dem Feld sieht.
Fussballer «Billy»
Die sportliche Karriere hatte auf den Fussballplätzen der Region Bern begonnen. Als Junior beim FC Köniz galt «Billy» als begnadetes Talent, wechselte dann aber schon im C-Juniorenalter zum Unihockey. «Die Entscheidung fiel mir unglaublich schwer, am liebsten hätte ich beide Sportarten ausgeübt», erinnert sich Bill an diese Zeit.
Die Erfolge mit den Junioren des UHC TLS Köniz gaben ihm aber recht. Er war Teil einer ganzen Gruppe mit Spielern wie Peter Bigler, Samuel Dunkel, Simon Holdener und Simon Bichsel, die geschlossen den Weg in die NLA und sogar die Nationalmannschaft geschafft hat. Fussball ist heute nur noch Freizeitbeschäftigung.
«Daniel Bill avgjorde för JIK»
Vor einem Jahr folgte Bill schliesslich dem Ruf der besten Unihockey-Liga der Welt. Er verliess seine Heimat, um in der 120000 Einwohner zählenden Stadt Jönköping im Herzen Schwedens sein Glück zu finden. In einem grauen Vorortsquartier mit klassischem 70er Baustil übernahm er das Appartment seines Vorgängers Matthias Hofbauer, der ihm nach seiner Rückkehr zu Wiler-Ersigen einige IKEA-Möbel überliess. Der Start glückte besser als erhofft. «Daniel Bill avgjorde för JIK» (Daniel Bill entscheidet für JIK), titelte die Lokalzeitung «Jönköpings Posten» nach dem Startspiel, in dem sich der Schweizer dank dem entscheidenden Treffer als Matchwinner in Szene setzte. Nach dem Jahreswechsel folgten aber enttäuschende Wochen und Monate, in denen er unter dem Trainergespann Lindahl/Hill nur noch sporadisch zum Einsatz gelangte. Hinzu kam, dass ihm der Klub noch immer keine feste Arbeitsstelle zur Verfügung stellen konnte, was dazu führte, dass ihm Unmengen an freier Zeit zur Verfügung stand. Er unternahm Spaziergänge im nahe gelegenen Wald, las Bücher oder schwedische Zeitungen. Nach einer Weile beherrschte Bill die neue Sprache und bezeichnet dies heute als eine wichtige Errungenschaft seines Schweden-Aufenthaltes.
Verschleisserscheinungen
Man nimmt Daniel Bill, dessen Vater als Präsident von Floorball Köniz amtet, als Vorzeigesportler wahr, der für seinen Sport alles gibt. Dennoch machen sich bereits erste Verschleisserscheinungen bemerkbar. «Je älter ich werde, desto mehr findet eine gewisse Übersättigung statt. Diesen Sommer war ich froh, während zwei Monaten nichts mit Unihockey zu tun gehabt zu haben», meint Bill. «Es ist wichtig, neben dem Sport einen Ausgleich zu schaffen. Mit 17 hätte ich wohl behauptet, dass Unihockey das Wichtigste in meinem Leben ist. Heute erkenne ich, dass für das persönliche Wohlbefinden auch andere Dinge elementar sind.» Zum Ausgleich gehört in erster Linie sein Studium der Kommunikationswissenschaften an der Uni Fribourg. Auch wenn er die Freiheiten zu schätzen weiss - ein ewiger Student soll aus ihm nicht werden. Wenn dies einer schon mit 23 sagt, zeugt dies von beruflichen Ambitionen.
Seit dieser Saison steht Daniel Bill seinem Verein auch als Assistenztrainer der Elite-A Junioren zur Verfügung. «Erfolge fallen nicht einfach vom Himmel, man muss dafür arbeiten» gibt der Nationalspieler den Jungen mit auf den Weg. «Mentales und Einstellung haben hohe Priorität, Talent alleine hat langfristig noch keinen Meister hervorgebracht.» Erst wenn sich diese Einsicht bei Floorball Köniz vollends durchgesetzt hat, wird man künftig nicht mehr nur vom feinen Ausbildungsverein, sondern vom Meisterschaftsfavoriten sprechen.
Fünf Behauptungen zu Daniel Bill
These: Dir ist es egal wer Trainer ist - deinen Block führst du selber.
Dani Bill: Ich weiss, dass ich einen Block führen kann. Mit Trainer Patrick Pons habe ich ein gutes Verhältnis, wir tauschen uns immer aus. Er liefert seine Inputs, ich meine - am Schluss entscheidet er.
These: Du warst einfach (noch) nicht gut genug, um dich bei Jönköping wirklich durchzusetzen.
Dani Bill: Man kann sich immer fragen, wie es wohl ein Jahr später ausgesehen hätte. Bis Weihnachten hat alles gut ausgesehen, aber die Arbeitslosigkeit nagt an einem. Ich begann über alles nachzudenken und geriet in eine Negativspirale. Aber man muss auch sehen, wer meine Konkurrenten waren. Hinter einem schwedischen Nati-Center wie Calebsson auf der Bank zu sitzen, empfinde ich nicht als Schande.
These: Floorball Köniz hat nach wie vor zu viele Schönspieler und gewinnt auch dieses Jahr nichts.
Dani Bill: Das hat sicher was, wir sind immer noch zu lieb. Zu viele Spieler beissen noch nicht genug, spielen zu fein. Schon letztes Jahr haben es aber einige begriffen. Als Vorbild diesbezüglich wurde Jonsson geholt - er zeigt uns, dass man auch mit einfachen Mitteln erfolgreiches Unihockey spielen kann.
These: Nach dem Jahr in Schweden hättest du überall in der Schweiz anheuern können, hast aber das warme und gemachte Nest in Köniz gewählt.
Dani Bill: Schon vor meinem Transfer hatte ich einen Dreijahresvertrag unterschrieben, meine Rückkehr zu Köniz war also klar - Abwerbeversuche aus der Schweiz gab es nicht. Zudem mag ich es, in einem Verein eine gewisse Rolle zu spielen, etwas zu sagen zu haben. «Einfach nur spielen» würde mir nicht reichen.
These: Für einen zurückhaltenden Typ wie dich war das Foto-Shooting für diesen Bericht ein Horror.
Dani Bill: Es braucht tatsächlich recht viel, bis ich mich in gestellten Posen fotografieren lasse.