Super!
Vor dem Final gegen Tikkurilan Tiikerit hatten sich einige Vorstandsmitglieder der Red Ants bereits überlegt, mit welchem Sound man die Mannschaft im folgenden Meisterschaftsspiel empfangen würde. Zur Auswahl standen schliesslich «Stand up for the Champions» und «Oops, I did it again» von Britney Spears. Letztere Variante wäre zum Einsatz gekommen, wenn die Red Ants zum siebten Mal Silber gewonnen hätten. Artikel lesen
Super!
Nach sechs Silbermedaillen hat es endlich geklappt. Red Ants Rychenberg Winterthur holte sich Europacup-Gold. Gleich im ersten Anlauf hat es bei Wiler-Ersigen geklappt. Die Berner stellten in allen Belangen das beste Team und sicherten sich verdient den T
TEXT: KELLER DAMIAN
FOTOS: Daniel Zannantonio
Perfekte Woche
Von vielen Hügelsprints war im Vorfeld die Rede gewesen, von der möglichen temporären Rückkehr Linda Kristiansens, vom schmalen Kader, das keine Verletzungen leiden mag. Letztlich ist alles aufgegangen. Die Kraft hat gereicht, Kristiansen war da und abgesehen von Andrea Eberles Oberschenkelzerrung und Petra Kunderts Veilchen unter dem rechten Auge blieben alle gesund. Der souveräne Startsieg gegen Liberec (5:2) war wichtig, der klare Sieg gegen Aligator Gdynia aus Polen (13:1) und das 2:2 im Gruppenspiel gegen Tiikerit nur der Aufgalopp zu den entscheidenden Spielen des Wochenendes. Und da Balrog, schon mehrfach Final- und fast schon Albtraumgegner, diesmal nicht da war, kämpften die Red Ants gegen die Finninnen um Gold.
Kundert überragend
Im Halbfinal traf man auf Classic, das über weite Strecken verwirrend langsam agierte. «Ich wurde richtig kribbelig, so lahm haben die gespielt» sagte Petra Kundert zu dieser Partie, welche die Red Ants 5:3 gewannen. Kundert hatte dreimal getroffen, und einmal mehr standen die Rychenbergerinnen im Final des Europacups. Dort traf man erneut auf Tikkurilan Tiikerit, den finnischen Zungenbrecher und Gruppengegner, der mit zahlreichen Nationalspielerinnen gespickt ist. Beide Teams hatten im ersten Spiel die Karten noch nicht aufgedeckt - es zeigte sich, dass die Red Ants über die höheren Trümpfe verfügten. Zweimal buchte Kundert auf Pass von Kristiansen, dazwischen Gabi Breitenstein auf Pass von Kundert. Der 3:2 Finalsieg war knapp, aber verdient. Captain Breitenstein, die das Match mit einem Fehlpass vor dem zwischenzeitlichen 2:2 noch einmal spannend gemacht hatte: «Ich wusste, dass mir das Team diesen Fehler verzeihen würde und war überhaupt nicht verunsichert. Wir haben alle so viel Vertrauen zueinander, jede kann etwas zum Erfolg beisteuern. Es ist nicht mehr wie früher, als die ganze Last auf den Schultern der Routiniers lag. Ich bin sehr glücklich, im vierten Anlauf endlich Gold gewonnen zu haben». Petra Kundert doppelt nach. «Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir diesen Final gewinnen. Wir haben uns immer wieder gegenseitig motiviert». Nach dem Schlusspfiff erwartete sie ein Ehrungsmarathon. Beste Spielerin des Finals, MVP des Turniers und folgerichtig auch im Allstar-Team - es hatte wirklich alles gepasst. Trainer Mark van Rooden zog sein eigenes Fazit: «Diese Woche, dieses Erlebnis kann uns keiner mehr nehmen».
SUPER WILER!
Bei SF DRS war man wohl ziemlich überrascht, dass bei Wiler nicht nur Hofbauers spielen. Die erste Berichterstattung vom Auftaktmatch gegen die Letten von Rubene war ganz auf Mätthu ausgerichtet - schlussendlich waren es aber andere, die den ersten Sieg (7:5) in trockene Tücher brachten. Im Verlauf des Turniers waren es immer verschiedene Akteure, die brillierten - getoppt höchstens noch von Andreas «Resu» Hedlund, dem besten Schweden und Spieler überhaupt am Europacup 2005.
Knackpunkt Greaker
Nach der Niederlage gegen die Norweger von Greaker (4:5) fühlte man sich an vergangene Zeiten erinnert. An die EC-Debakel von Rot-Weiss Chur 1994 und Alligator Malans 1999, als man die Halbfinals verpasste, an die medaillenlose WM 2004. «Das war der entscheidende Moment» sagte Trainer Thomas Berger nach dem Finalsieg. «Wir hätten an dieser Niederlage zerbrechen können, haben aber im Gegenteil sogar positive Energie gewonnen. Als Trainer kannst du da nicht viel machen, die Reaktion musste aus der Mannschaft kommen». Die Reaktion kam, und wie. Erst putzte man den schwedischen Titelverteidiger Pixbo mit 7:5, dann im Halbfinal den finnischen Meister SSV Helsinki mit 7:6, wobei man sieben Minuten vor dem Ende noch 7:2 geführt hatte. Im Final brachen dann alle Dämme, Pixbo wurde mit 9:1 förmlich vom Platz gefegt.
Einschätzung
Natürlich kann man sagen, dass Balrog wegen finanzieller Probleme nur mit der halben Mannschaft angereist war und Pixbo sicher auch schon bessere Tage gesehen hat. Aber Wiler nutzte die Chance eindrücklich, was Schweizer Mannschaften nicht oft gelingt - die beiden Siege gegen Pixbo waren eine Demonstration, und SSV ist Co-Tabellenführer in Finnland. Bezüglich Athletik, Spielwitz und Kampfkraft war Wiler überlegen. Matthias Hofbauer: «Eigentlich kann ich es gar noch nicht richtig fassen. Vor einigen Jahren hatten wir schon mal ein ähnliches Resultat gegen Pixbo - aber damals war es noch umgekehrt. Wir waren einfach das beste Team an diesem Turnier.» Abstauber-König Simon Zurflüh sah es noch euphorischer: «Wir sind die Besten in Europa!». Pixbos Henrik Quist war derart entnervt, dass er nach der Siegerehrung seine Silbermedaille achtlos fortwarf. Das war nicht einfach Ausdruck des Frusts über den verlorenen Final - vielmehr dürfte er sich so rasch als möglich des Zeichens der grossen Demütigung entledigt haben. Als Weltmeister und Superstar verliert man halt nicht gerne gegen Schweizer - und schon gar nicht mit 1:9. Zum ersten Mal überhaupt geht der Europacup-Sieg nicht nach Schweden. Dem Unihockey tut das nur gut.
Perfekter Mix
Die Mischung bei Wiler ist im Moment perfekt. Teamleader wie Kaltenbrunner, Hedlund und Mätthu Hofbauer reissen das Team mit. Skorer wie Chrischi Hofbauer, Zimmermann oder Zurflüh sind stets brandgefährlich, Gerber ist der geniale Ballverteiler. In der Defensive ist der Mix aus Abräumern wie Schneeberger oder Schild und offensiveren Leuten wie Bichsel, Thorsell und Flury optimal. Die Jungen wie Krähenbühl, Mühlemann, Rüegsegger und Mühlethaler können sich an Routiniers wie Brechbühl, Koch und Luginbühl orientieren. Selbst auf der Goalieposition verfügt man über eine gesunde Konkurrenz. Es ist keine mutige Prognose, wenn man Wiler eine dominierende Rolle für die nächsten Jahre voraussagt.
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