Natürlich Capatt
Als 13-Jähriger ("etwa 1.40 Meter klein und 40 Kilogramm leicht") bestritt Adrian Capatt 1988 mit dem UHC Trin eine erste NLA-Saison, die allererste, die auf Grossfeld ausgetragen wurde. "So etwas wie Elite-Junioren existierten damals nicht. In Trin gabs auch keine Grossfeldhalle, wir trainierten auf dem Schulhausplatz und in der kleinen Halle", blickt Capatt auf die Anfangszeiten zurück. Mit seinen beiden älteren Brüdern, die ihre guten Hallenstöcke vergeblich vor Adi versteckten, Daniel Telli und dem Rest der Trinser Dorfjugend wurde stundenlang jede Woche draussen gebolzt. "Eine herrliche Zeit", fasst Capatt zusammen.
Vier weitere Jahre blieb er dem Verein seines Heimatdorfes treu, ehe er von Louis Liesch zu Alligator Malans gelotst wurde. Seither sind 17 lange Jahre vergangen. Capatt gehört längst zum Inventar der Alligatoren und arbeitet seit Jahren für den Hauptsponsor des Vereins. Mit Ausnahme einiger Monate, in denen er für Ramlösa (heute Helsinborg) spielte, jedoch keine Arbeitsbewilligung bekam und Schweden wieder verlassen musste, war Capatt jede Saison für Malans am Start. Artikel lesen
Natürlich Capatt
Mit einem Viertelfinal-Out gegen Chur wollte Adrian Capatt seine Karriere nicht beenden. Darum hängt der charismatische Trinser noch eine definitiv letzte 18. Saison bei Alligator Malans an.
TEXT: Damian Keller
FOTOS: Erwin Keller
Als 13-Jähriger ("etwa 1.40 Meter klein und 40 Kilogramm leicht") bestritt Adrian Capatt 1988 mit dem UHC Trin eine erste NLA-Saison, die allererste, die auf Grossfeld ausgetragen wurde. "So etwas wie Elite-Junioren existierten damals nicht. In Trin gabs auch keine Grossfeldhalle, wir trainierten auf dem Schulhausplatz und in der kleinen Halle", blickt Capatt auf die Anfangszeiten zurück. Mit seinen beiden älteren Brüdern, die ihre guten Hallenstöcke - vergeblich - vor Adi versteckten, Daniel Telli und dem Rest der Trinser Dorfjugend wurde stundenlang jede Woche draussen gebolzt. "Eine herrliche Zeit", fasst Capatt zusammen.
Vier weitere Jahre blieb er dem Verein seines Heimatdorfes treu, ehe er von Louis Liesch zu Alligator Malans gelotst wurde. Seither sind 17 lange Jahre vergangen. Capatt gehört längst zum Inventar der Alligatoren und arbeitet seit Jahren für den Hauptsponsor des Vereins. Mit Ausnahme einiger Monate, in denen er für Ramlösa (heute Helsinborg) spielte, jedoch keine Arbeitsbewilligung bekam und Schweden wieder verlassen musste, war Capatt jede Saison für Malans am Start.
Suche im Archiv
Als Adrian Capatt - der einzige Romanisch sprechende SML-Crack - zu Beginn dieses Jahres für einen Bericht des Romanischen Fernsehens beim Verband seine Statistikwerte anfragte, liess sich auf der Geschäftsstelle von swiss unihockey der Gang ins staubige Archiv nicht vermeiden. Die Zahlen aus insgesamt 23 Saisons sind eindrücklich: 430 NLA-Schlachten hat "der Alte", wie er von der jugendlichen Konkurrenz auf dem Platz gerne genannt wird, auf dem Buckel. 17 NLA-Saisons mit Malans stehen zu Buche - die erste Saison bei Trin will Capatt nicht mitzählen, da diese noch zu der Zeit war, als im Unihockey- und Landhockeyverband zwei getrennte Meisterschaften stattfanden.
585 Skorerpunkte und 469 Strafminuten beweisen, dass Capatt dem Schweizer Unihockey in diesen Jahren seinen Stempel aufgedrückt hat. Und nur drei Spieler - Tom Engel und die Gebrüder Hofbauer - haben mehr Tore für die Schweizer Nati erzielt.
Weil es Capatt war
Der heute 35-Jährige ist einer, der auffällt. Mit seinem Spiel, seinem Einsatz, seinen Toren und seinem Mundwerk. Wieviele der Strafen wegen Reklamierens ausgesprochen wurden, ist nicht erfasst. "Heute bin ich ja ruhiger geworden, aber früher waren schon ein paar wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Schiedsrichtern dabei", sagt Capatt lachend. Wobei einige davon auch ausgesprochen worden seien, "einfach weil es der Capatt war", wie er findet. "Die Schiris stellen sich halt oft gerne in den Vordergrund und suchen sich dafür die Reizfiguren in den Teams aus."
Schnell kommt das Gespräch auf diese Figuren. Die Saftwurzeln, die Typen, für die man gerne Eintritt bezahlt - ob man sie nun liebt oder hasst. Capatt fehlen solche Köpfe in der Liga. "Wo sind heute ein Tom Engel, ein Livio D'Intino, ein Chris Buser?" fragt er mehr rhetorisch. "1998 holten wir in Prag an der WM Silber, was seither nie mehr gelang, weil der damalige Nati-Trainer Marcus Cathomas bewusst Charakterköpfe mit ihrem eigenen Willen ins Team holte", ist Capatt überzeugt. Sucht er diese Figuren heute, bricht er die Aufzählung schnell ab. "Binggeli ist so einer. Rolf Lüthi von den Tigers. Und ich natürlich", sagt er schmunzelnd. Und sonst? "Wiler spielt ein Klasse-Unihockey - aber die kommen in die Halle, spielen, und gehen wieder. Dabei wollen die Zuschauer doch Emotionen und Freude sehen", urteilt Capatt.
Trash-Talk in den Derbys
Der Bogen zu den emotionsgeladenen Bündner-Derbys der 90er-Jahre ist schnell geschlagen und Capatts blaue Augen beginnen zu leuchten. Das damals als unbezwingbar geltende Rot-Weiss Chur zu schlagen und den dafür gewonnenen Respekt zu geniessen, gehört zu seinen Karrierehighlights. "Wenn wir es jeweils schafften, Tom Engel schon vor der 40. Minute dazu zu bringen, seine eigenen Teamkollegen zusammenzustauchen, waren wir auf gutem Weg", erinnert sich Capatt, der sich mit so manchem Rot-Weissen und Torpedo-Crack auch legendäre Trash-Talk-Duelle lieferte. Heute fehlen diese Hexenkessel-Atmosphären weitgehend - am ehesten erinnern ihn noch die Spiele gegen die Langnauer Tiger an die Schlachten von damals. "Die Emmentaler haben noch ein paar urchige Typen im Kader, die es krachen lassen können", freut sich Capatt.
Den Wunsch von unihockey.ch, die heutige Jugend mit einer saftigen Top-Five in die Kunst des Trash-Talks einzuführen, lehnt er jedoch ab. "Ich habe nie beleidigende Sprüche über die Mutter eines Spielers oder ähnliches gemacht. Einem Gegenspieler zu einem missratenen Schuss zu gratulieren ist da eher mein Fall - aber das ist situationsabhängig und folgt keinen Regeln." Und so oder so ist alles wieder vergessen, sobald der Hallenwart das Licht löscht.
Ehrlich und direkt
In den 17 Jahren bei Alligator hat Capatt einige Trainer kommen und gehen sehen. Der letzte Schweizer Trainer war Thomas Berger. "Er ist für mich mit seinem Streben nach Perfektion nach wie vor der Beste im Land - und der einzige, der auch die Nati zum WM-Titel führen könnte." Zwar könne es bei ihm emotional auch einmal kippen, aber das gehöre eben zu ihm. Jeder Trainer habe seine Eigenheiten. Christer Bertilsson etwa sei im zwischenmenschlichen Bereich hervorragend gewesen, fachlich hingegen nicht genügend. Und aktuell unter Petteri Nykky habe sich das Team auf die gewährten Freiheiten einstellen müssen. Während ein Berger alles vormachte, zwingt der Finne die Spieler zu mehr Selbständigkeit. "Wenn man ihn etwas fragt, bekommt man eine ehrliche und fachlich saubere Antwort. Ansonsten gibt es ähnlich wie in der NHL keine grossen Diskussionen", schildert Capatt die Arbeitsweise des Weltmeistertrainers.
Gradlinig, offen und ehrlich sind Adjektive, die auch auf Capatt zutreffen. Dazu passt, dass er vor einigen Jahren einen Schiedsrichter bat, eine ungerechtfertige Strafe gegen seinen Gegenspieler Marcel Taisch zurückzunehmen. Mit seiner direkten und manchmal knallharten Art macht er sich jedoch nicht nur Freunde. "Ich muss nicht mit jedem Mitspieler ins Kino. Gewisse Reibereien braucht es in einem Team", sagt er dazu nur.
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