Mission WM-Gold
Der Ältere der beiden Brüder macht einen gelassenen Eindruck. Er hat neben mehr Skorerpunkten in seinem Leben auch mehr Erfahrung gewonnen. Das Jahr in Schweden habe ihn abgeklärter und gelassener gemacht. Der jüngere Hofbauer ist zumindest auf dem Feld impulsiver er sollte laut seinem älteren Bruder in gewissen Situationen geduldiger werden und noch etwas mehr die Ruhe bewahren. Doch beide haben sie gemeinsame Merkmale: Sie sind trotz ihrer Erfolge bescheiden geblieben.
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Mission WM-Gold
Sie sind das gefährlichste Brüderpaar auf schweizer Unihockeyplätzen. Nach dem Titel des Schweizermeisters mit Wiler-Ersigen wollen sie nun auch an der Weltmeisterschaft für Furore sorgen.
TEXT: Damian Keller
FOTOS: Daniel Zannantonio
Der Ältere der beiden Brüder macht einen gelassenen Eindruck. Er hat neben mehr Skorerpunkten in seinem Leben auch mehr Erfahrung gewonnen. Das Jahr in Schweden habe ihn abgeklärter und gelassener gemacht.
Der jüngere Hofbauer ist zumindest auf dem Feld impulsiver - er sollte laut seinem älteren Bruder in gewissen Situationen geduldiger werden und noch etwas mehr die Ruhe bewahren. Doch beide haben sie gemeinsame Merkmale: Sie sind trotz ihrer Erfolge bescheiden geblieben. Mit Wiler-Ersigen gewannen Matthias und Christoph in diesem Jahr den Titel, wobei sie sich dank herausragenden Skorerwerten mitverantwortlich für den Erfolg zeigten.
Zweifellos bilden die Gebrüder Hofbauer, die in der gleichen Formation für Schlagzeilen sorgen, das gefährlichste Schweizer Angriffsduo auf hiesigen Unihockeyterrains.
Auch wenn die beiden Hofbauers in ihrer Jugend Fussball spielten, bekundeten sie am Spiel mit dem Stock mehr Freude. Als besonders beliebt entpuppte sich das Strassenhockey in ihrem Quartier. So ist es nicht verblüffend, dass ihre früheren sportlichen Vorbilder aus dem Eishockey stammten.
Während Christoph der damaligen Nummer 15 des SC Bern, Alan Haworth, nacheiferte, trug Matthias beim Hockey das Trikot mit der Nummer 91, dem russischen Virtuosen Andrej Chomutov. «Das kollegiale Umfeld machte viel aus, dass wir am Unihockey mehr Spass hatten», beschreibt Christoph den Grund, warum die beiden heute nicht im Fussball tätig sind.
Der Weg an die Spitze
Matthias bezeichnet seine Zeit bei den B-Junioren als wichtigstes Element in seinem Karriereverlauf. «In dieser Phase kam sehr viel Freude am Sport auf, ich begann sehr viel Zeit in meinen Sport zu investieren.» Diese erfolgreiche Zeit motivierte wiederum Bruder Christoph. «Ich wollte immer so gut werden wie Mätthu. Dies spornt mich noch heute an.» Besonders wichtig war für Christoph zudem die Zeit unter Trainer Leanza, der ihm bewusst machte, wie viel aus einem Spieler herauszuholen ist. «Geprägt wurden wir auch von den ersten Grossfeldspielen, als Patrick und Fredrik Boden für Wiler spielten. Sie konnten auf dem Feld alles machen. Das waren Schlüsselerlebnisse in unserer Entwicklung, die uns das Gefühl gaben, auch einmal so weit zu kommen,» gibt Matthias zu verstehen.
Hofbauer versus Hofbauer
Obwohl die beiden Brüder viel Zeit miteinander verbringen, entstehen Streitigkeiten nur selten. Zwar ist es laut Christoph schon passiert, dass im Training kleinere Komplikationen entstanden sind. Weil sie sich sehr gut kennen, sind sie auch schneller bereit, einander zurecht zu weisen, «aber wir sind mittlerweile beide erfahren genug, um solche Zwischenfälle rasch wieder ausdiskutieren zu können.» Mit Eifer scheinen sich die Hofbauers hingegen privat zu duellieren. Beim Jassen oder auf der Playstation mit dem NHL-Game gehörten Eskalationen lange Zeit zur Tagesordnung. «Chrischi war immer sehr ehrgeizig. Als wir noch jünger waren hat er oft den Kürzeren gezogen - dann begann er mich zu besiegen, was ich nicht so cool fand. Ich denke aber, dass er daran auch gewachsen ist, so gesehen war es für ihn insgesamt eine positive Erfahrung», begründet Matthias die Entstehung dieser Eskalationen. Darauf fügt Christoph an, dass Matthias seine Siege immer ausdrücklich zur Schau gestellt und ihn auf diese Weise provoziert habe, wohlwissend, wie der kleine Bruder darauf reagieren würde.
Hofbauer über Hofbauer
Die beiden Brüder weisen trotz ähnlichem Auftreten unterschiedliche Eigenschaften auf. «Chrischi ist sehr zuverlässig und immer für mich da. Er ist ehrgeiziger als ich. Auf dem Spielfeld ist er sehr torgefährlich und hat einen starken Schuss. Wenn er einmal explodiert, ist er in 1:1-Situationen vielleicht etwas stärker als ich.» Christoph beschreibt die Stärken seines älteren Bruders wie folgt: «Mätthu ist diszipliniert und intelligent. Diese Intelligenz zeichnet ihn auch auf dem Feld aus. Die Disziplin, sich ein Ziel zu setzen und diesem Ziel ausnahmslos nachzugehen, würde ich von ihm gerne übernehmen. Auf dem Feld spürt man seine Erfahrung vor allem in den Zweikämpfen.
Mätthu verliert nur selten einen Zweikampf. Zudem setzt er seine Schnelligkeit auf dem Feld gut um und agiert auch defensiv sehr solid.»
Die Höfis an der WM
Nach ihrer starken Saison werden an der WM gewisse Erwartungen an die Höfis gestellt. Die beiden Brüder, die voraussichtlich wie bei Wiler in der gleichen Linie agieren werden, wollen sich nicht unter Druck setzen lassen und sich vorwiegend auf die eigenen Leistungen konzentrieren.
«Bei mir war der Druck schon vor zwei Jahren gross, als man hoffte, der Hofbauer würde international den Durchbruch schaffen. Man muss einfach immer wieder an die Freude denken, dann kommt der Rest von selbst», erklärt Matthias.
Für Christoph stellt der Auftritt vor heimischem Publikum die WM-Premiere dar: «Wichtig ist, dass man die eigenen Erwartungen nicht zu hoch steckt.
Für mich ist es die erste WM, und wenn ich von Anfang an spiele, werde ich versuchen, dies mit guten Leistungen zu rechtfertigen.» Dass sie in der gleichen Formation spielen werden, bewerten die beiden Brüder als wertvollen Vorteil, «da wir nach dieser Saison wissen, dass wir gemeinsam erfolgreich sein können», wie Christoph bemerkt. Für Matthias bildet neben dem spielerischen Verständnis auf dem Platz auch der menschliche Aspekt eine zentrale Rolle: «Es gibt uns eine gewisse Geborgenheit, nicht nur spielerisch, auch menschlich. In schwierigen Phasen werden wir uns an die Zeit erinnern, als wir auf dem Strassenhockeyplatz spielten. So können wir die Freude in den Vordergrund bringen.» Dass der Schweiz auch an der Heim-WM keine Favoritenrolle zugesprochen wird, stört die Hofbauers nicht, vielmehr sehen sie diese Ausgangslage als Chance.
Vor den Schweden müsse man sich nicht verstecken, meint Matthias: «Neben dem Kollektiv haben wir auch viele gute Einzelspieler. Zudem sieht man sehr gute schwedische Spieler, die in die Schweiz kommen und es nicht mehr so einfach haben, sich durchzusetzen. Das Schweizer Unihockey hat sich gut weiter entwickelt.» Währenddessen sieht Christoph die Vorteile gegenüber den Schweden vor allem im physischen Bereich.