06.
2017
Brendler: "Sind breiter aufgestellt"
Das Kader von Schweizer Meister Dietlikon formiert sich für die Mission Titelvertei-digung. Sportchef Sascha Brendler äussert sich in einem Interview gegenüber dem «Zürcher Unterländer» zu den vielen Topskorerinnen im Team, bewertet die Abgänge der drei Ausländerinnen und erklärt, warum im Schweizer Frauenunihockey der Meister am meisten gestraft ist.
Zürcher Unterländer: Sascha Brendler, nach dem verlorenen Superfinal 2016 hatten Sie mit rund 30 Spielerinnen Kontakt, viele davon haben Ihnen einen Korb gegeben. Wie ist es Ihnen heuer ergangenen, als Sportchef des amtierenden Schweizer Meisters?
Sascha Brendler: Es war definitiv anders, aber nicht wegen des Titels. Keine der neuen Spielerinnen hat einfach zugesagt, weil wir Meister geworden sind. Die Gespräche waren diesmal bedeutend einfacher zu führen, weil viele der angefragten Spielerinnen Lust hatten, in diesem Dietliker Team zu spielen. Trainerin Simone Berner und ihr Staff leisten exzellente Arbeit, das hat sich herumgesprochen. Und das Meisterteam hat mit seinen Auftritten beste Werbung in eigener Sache gemacht.
Mit Michelle Wiki ist die Topskorerin der vorletzten Saison aus Schweden zurück. Sagenhafte 65 Treffer hat sie damals für Dietlikon erzielt. Während Wikis Abwesenheit haben allerdings mit Andrea Gämperli, Isabelle Gerig und Linda Pedrazzoli auch drei junge Kräfte Ihre Treffsicherheit und Spielintelligenz unter Beweis gestellt. Zudem ist mit Christel Wohlhauser die zweitbeste Skorerin von Giffers neu zum Team gestossen. Hier stellt sich die Frage, wie viele Topskorerinnen eine Mannschaft verträgt...
Wir haben bei unseren Transfers nicht darauf geachtet, welche Positionen wir besetzen. Auf unserer Kaderliste fehlen die Verteidigerinnen, zugegeben. Aber es ist auch noch nicht entschieden, wer auf welcher Position spielt. Vielleicht nimmt eine Topskorerin nächste Saison auf dem Feld eine unerwartete Rolle ein. Für Michelle Wiki ist die Situation in Dietlikon wahrscheinlich nicht ganz einfach. Nach ihrem Abgang nach Schweden, haben uns viele chancenlos geredet, weil uns angeblich die Punkte von Wiki und ihrer Sturmpartnerin Petra Weiss massgeblich fehlen werden. Jetzt kommt Wiki zurück - zum souveränen Schweizer Meister notabene. Das Team hat sich von den Skorerpunkten des Sturmduos Wiki/ Weiss unabhängig gezeigt. Die erwähnten jungen Stürmerinnen werden sich jetzt nicht einfach verdrängen lassen, das ist klar. Wiki wird sich ihren Platz im Team erkämpfen müssen. Aber wir kennen ihre Stärken, sie wird sich durchsetzen und uns mit ihren Fähigkeiten weiterhelfen. Wir sind uns alle einig, dass Michelle Wiki eine Ausnahmekönnerin ist.
Als Sportchef wird Ihnen die Situation gefallen. Konkurrenz belebt das Geschäft...
Genau, ich finde es super. (lacht)
Auch eine Julia Suter in Form gehört zu den stärksten Stürmerinnen der Schweiz. Nur hat sie mittlerweile drei Jahre lang kein Spitzenunihockey mehr gespielt. Wie ist Sie in Form?
Das kann ich noch nicht beurteilen, da ich bisher nur das Kickoff-Training gesehen habe. Das war reiner Plausch. Wenn Julia Suter drei Viertel ihres Potenzials abruft, ist sie für uns eine klare Verstärkung. Aber wir müssen ihr Zeit lassen.
Wie lange?
Wenn sie das Sommertraining richtig mitmacht, ist sie zum Saisonstart parat. Aber wir können auch länger warten. Die Frage ist, ob sie das kann. Sie will in der Startaufstellung stehen, dafür wird sie alles geben. Dasselbe gilt übrigens auch für Christel Wohlhauser. Sie pendelt nicht von Giffers nach Dietlikon, um in der vierten Linie zu spielen.
Eine Ausländerin findet man auf der Liste der Neuen vergebens. Sind Sie noch auf der Suche oder wird die Dietliker Ausgabe 2017/18 eine rein schweizerische sein?
Das könnte durchaus sein. Wir sind noch mit einigen Spielerinnen aus Schweden, Finnland und Tschechien im Gespräch. Da allerdings im Dezember die Frauen-WM stattfindet, ist es aktuell sehr schwierig, eine gute Ausländerin zum Wechsel zu bewegen. Alle wollen sie in der Nähe der Nationalcoaches spielen. Oder umgekehrt, die Coaches wollen, dass die Nati-Spielerinnen zu Hause spielen. Unsere Devise aber ist: Wir wollen keine Ausländerin engagieren, die nicht zumindest das Niveau einer Schweizer Nationalspielerin hat. Ausser vielleicht sie ist jung und hat grosses Potenzial.
Captain Linn Lundström ist zurückgetreten, Laura Mertsalmi und Ann-Sophie Sundholm sind nach Schweden zurückgekehrt. Dietlikon hat auf einen Schlag alle drei Ausländerinnen, allesamt Ausnahmekönnerinnen, verloren. Inwieweit sehen Sie diese Abgänge kompensiert?
Das Können und Potenzial, das wir verlieren, sehe ich durch alle Zuzüge in etwa wieder ausgeglichen. Die Spitze ist in der Ausgabe 2017/18 vielleicht nicht mehr so stark, dafür sind wir breiter aufgestellt. Verpflichten wir noch eine starke Spielerin, sind wir womöglich sogar stärker als beim Titelgewinn einzustufen.
Was hat der gewonnene Superfinal dem Verein finanziell eigentlich eingebracht?
Wir haben eine Meisterprämie von 3000 Franken erhalten. Damit müssen wir Anfang Oktober für den Europacup mit 27 Leuten nach Helsinki fliegen, dort müssen wir einen Bus mieten und damit sechs Stunden bis nach Seinäjoki fahren. Wenn wir dort sind, übernimmt dann der finnische Verband unsere Kosten für Hotel und Essen, das Geld bekommt er vom Schweizer Verband. Jetzt kann man ausrechnen, wie viel uns noch bleibt beziehungsweise wie viel wir für die Reise drauflegen. Fazit: Der Meister im Schweizer Frauenunihockey ist gestraft.
Der Europacup ist also ein reines Verlustgeschäft?
Finanziell sicher. Ausser wir gewinnen den Wettbewerb. Dann gibt es vielleicht eine Prämie, aber das weiss ich nicht einmal. Sportlich bringt uns diese Erfahrung, gegen die stärksten Teams der Welt anzutreten, aber zweifellos weiter.
Quelle: Zürcher Unterländer, Marisa Kuny
Hamlet 84.226.187.131
05. 06. 2017
Trapatoni 81.62.13.222
02. 06. 2017
Trapatoni 81.62.13.222
02. 06. 2017