11.
2012
Die Leiden der jungen Walther
Als wertvollste Spielerin der Liga und mit grossen Erwartungen ist Fabienne Walther vor der Unihockeysaison von Bern zu Schweizer Meister Piranha Chur gestossen. Es folgte zuerst die sportliche, dann die gesundheitliche Ernüchterung.
Fabienne Walther ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Zuerst fand sich die 19-jährige Bernerin, die als Liga-MVP von den Bern Capitals zu Piranha Chur gekommen ist, bei ihrem neuen Verein in einer Nebenrolle wieder, und seit einem Monat ist sie wegen des Pfeifferschen Drüsenfiebers ganz ausser Gefecht gesetzt. «Es hat mich komplett flach gelegt», erzählt die Leidgeplagte. Auch jetzt, nach etwa einem Monat, fühle sie sich «unheimlich müde und kaputt».
Etwas anderes, als sich in Geduld zu üben, bleibt der letztjährigen SML-Topskorerin derzeit nicht: «Man sollte nichts tun, und man mag auch nichts tun.» Immerhin befindet sich Walther auf dem Weg der Besserung. Nachdem ihr Zustand zuletzt eine Aufwärtstendenz gezeigt hat, ist die KV-Angestellte immerhin wieder reduziert arbeitsfähig. Sie sagt aber: «Das Ganze braucht Zeit. Es ist wichtig, dass man es langsam angeht.»
Die beiden am Wochenende anstehenden Partien in Zug und gegen Dürnten-Bubikon-Rüti, und auch das letzte vor einer dreiwöchigen Pause in einer Woche gegen Dietlikon muss Walther vom Sofa (Zug) und von der Tribüne aus verfolgen. Nächste Woche, so hofft sie, sollte nach etlichen Tagen des Nichtstuns ein lockeres Aufbautraining möglich sein. Genau lässt sich dies indes nicht planen: «Ich muss von Tag zu Tag schauen.» Eine baldige Rückkehr aufs Unihockeyparkett ist noch nicht in Sicht. «Die Dinge zu überstürzen, kann gefährlich sein», sagt Walther.
Die sportliche Durststrecke
Das Drüsenfieber stellte vor einem Monat ein anderes Leiden in den Schatten. Bevor Walther krank wurde, hatte sie in ihrer neuen Heimat auch sportlich einen Dämpfer einstecken müssen. Nachdem sie vor einem Jahr Bern mit 35 Treffern zum Ligaerhalt geführt hatte, steht sie mit Piranha in der Meisterschaft noch ohne Torerfolg da. «Natürlich erwarte ich mehr von mir», sagt Walther. Den Tag ihres letzten persönlichen Erfolgserlebnisses hat sie noch genau im Kopf: «Das war am 5. Mai beim 1:3 im WM-Final mit der U19 gegen Finnland.»
Der Transfer vom Abstiegskandidaten zum Schweizer Meister sei wie das Eintauchen in eine neue Unihockeywelt gewesen, gesteht Walther. Als absolute Teamleaderin gekommen, war sie bei Piranha plötzlich eine von vielen. Das Dasein als Drittlinien-Spielerin mit wenig Einsatzzeit war für sie völlig neu. «Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt Ich wollte dem Team helfen und zeigen, dass man auch in Bern Unihockey spielen kann», sagt Walther. Es sei ein Trainerentscheid, den sie akzeptieren müsse. Ihr Plan vor dem ausgebrochenen Drüsenfieber sei deshalb gewesen, sich mit guten Leistungen für mehr aufzudrängen. Dieses Vorhaben muss sie nun in kleineren Schritten angehen. «Die Situation ist nicht einfach. Vielleicht machte ich mir zu viel Druck.»
Alles war neu
Mit dem Umzug von Allmendingen bei Bern nach Chur verliess Walther erstmals ihr Elternhaus. «Alles war neu - das Zuhause, das Team, der Job», sagt sie. Doch daran lag es nicht, dass sie im Team von Piranha nicht auf Anhieb eine ähnliche Rolle wie in Bern einnehmen konnte. «Ich habe mich gut eingelebt», so Walther. Es gefalle ihr in Chur und in der WG mit Teamkollegin Nadine Handl. Auch im Team und im Job fühle sie sich wohl. Gefragt ist derzeit wohl einfach Geduld - um wieder gesund zu werden und auch, um bei Piranha an die Leistungen der letzten Saison anzuknüpfen.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"