01.
2016
Ein Abgang mit Fragezeichen
Schweizermeister Piranha Chur muss nach dem Rücktritt von Stephan Mock wieder auf Trainersuche.
Die Meldung am Freitag kam nicht unerwartet. «Piranha Chur teilt mit, dass Stephan Mock aus persönlichen Gründen per sofort sein Amt als NLA-Cheftrainer abgibt». Trotz erstem Zwischenrang in der Unihockey-NLA der Frauen muss Piranha Chur wieder mal auf Trainersuche gehen. Erst im letzten Sommer hatte Mock den Serienmeister übernommen. «Ich bedaure die Trennung, verlieren wir doch mit Stephan Mock einen tollen Menschen», liess Piranhas Sportchef Thomas Handl dazu verlauten.
Die «persönlichen Gründe» wollte Mock auch auf Nachfrage nicht näher erläutern. Eine ganz gute Zeit habe er bei Piranha gehabt, so der 47-Jährige, «ich kann nichts Negatives über Verein und Spielerinnen sagen». Das Aus im Cup, wo die Churerinnen vor einer Woche im Halbfinal wieder einmal an Red Ants Winterthur scheiterten, sei auch nicht der Grund gewesen. Die laute präsidiale Schelte nach der unglücklichen Niederlage nach fünf Minuten vergessen. «Das waren die Emotionen, Sportchef Handl sprach danach noch in der Kabine tröstende Worte». Auch habe er sich als «Unterländer» nicht als Auswärtiger gefühlt, ebenso wenig sei die jeweils lange Zug-Anreise vom Wohnort Buchs ZH via Arbeitsort Zürich ein Problem gewesen. «Daran gewöhnt man sich», so Mock.
Dass er dem Team die Vertrauensfrage gestellt und dieses ihm die Gefolgschaft verweigert habe, wie hinter vorgehaltener Hand zu hören war, wollte Mock nicht kommentieren. «Wie gesagt, persönliche Gründe führten zur Trennung», bekräftigt er. Groll verspüre er keinen, das Team habe ihm einen Abschiedsbrief geschrieben und ihn zu weiteren Partien eingeladen. «Ich wünsche Piranha Chur von Herzen alles Gute», schloss der ehemalige Trainer, der vor zwei Jahren Zug United zum Cupsieg führte und lange den B-Ligisten Hot Chilis Rümlang trainierte.
Eine Trennung in Minne, aber trotzdem eine Trennung. Und mittlerweile die vierte vorzeitige in fünf Saisons bei Piranha Chur. 2012 legte Mark van Rooden Ende Januar nach «unüberbrückbaren Differenzen» sein Amt nieder. 2014 musste der glücklose Harri Lind im Februar gehen, vor einem Jahr gab die erkrankte Natalie Stadelmann den Stab an Brigitta Wegmann weiter. Einzig Fabian Disch, der nach van Rooden übernahm, blieb die ganze Saison 2012/13 an Bord. Sportlich hatten die vielen Wechsel keine negativen Auswirkungen. In den letzten vier Jahren hiess der Meister jeweils Piranha Chur.
Vorerst übernimmt Assistenztrainer Mirco Torri die Leitung. Die Feuertaufe erlebte er gestern beim Spitzenkampf gegen Dietlikon, heute folgt die schwere Auswärtspartie beim Tabellendritten Skorpion Emmental. Die Nachfolge werde derzeit geregelt, teilte Handl mit. Einige Namen kursierten alsbald. Ein Comeback Dischs sei aber nicht geplant, war zu hören. Auch die mittlerweile schwangere Wegmann, die aktuell Chur Unihockeys U16-Junioren betreut, winkte ab. Eine interessante Variante wäre der bei Malans geschasste Daniel Hahne, der in Schweden beim Topverein Endre schon mal ein Frauenteam führte. Ende Januar läuft Hahnes Vertrag bei Malans aus.
Ein Einzelfall ist die vorzeitige Trennung in der Frauen NLA nicht. Bereits Anfang Jahr warf der deutsche Natitrainer Simon Brechbühler bei Winterthur hin. Der ehemalige Churer Trainer Aldo Casanova gab schon im Dezember bekannt, dass er auf Ende Saison bei Skorpion Emmental zurücktreten werde. Piranhas ärgster Rivale Dietlikon teilte am Freitag mit, dass der aktuelle Coach Sascha Rhyner nach zwei Jahren Ende Saison gehen muss. Auf ihn folgt die Rekordinternationale Simone Berner. Zusammengefasst: Alle Top-4-Vereine wechselten oder werden den Trainern wechseln. Für die Entwicklung des Schweizer Frauen-Unihockeys definitiv suboptimal.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"