11.
2012
«Nächstes Jahr nach Schweden»
Wegen eines Bandscheibenvorfalls ist das Schweden-Abenteuer der Unihockey-Nationalspielerin Corin Rüttimann im Sommer geplatzt. Seither arbeitet die 20-Jährige bei Piranha Chur an ihrem Comeback. Seit Donnerstag trainiert sie wieder mit.
Corin Rüttimann, Sie sind seit April wegen eines Bandscheibenvorfalls ausser Gefecht gesetzt. Wie geht es Ihnen?
Corin Rüttimann: Meinem Rücken geht es schon wesentlich besser als im April. Doch ganz überstanden ist die Verletzung leider noch nicht. Langes Sitzen hat immer noch negative Auswirkungen auf meinen Rücken, doch mit Akkupunktur und Physiotherapie geht es Schritt für Schritt voran.
Müssen Sie mit bleibenden Schäden rechnen?
Bleibender Schaden ist vielleicht das falsche Wort, aber ich denke, eine Verletzung hinterlässt immer ihre Spuren. Bei einer Diskushernie ist das Risiko bekanntlich höher, jedoch versuche ich, dies mit spezifischen Rumpfübungen zu vermeiden. Eine Garantie habe ich aber nicht - wer hat die schon?
Ist die Ursache der Verletzung bekannt?
Nein. Es wurden immer wieder verschiedene Dinge erwähnt wie Überbelastung, Vererbung oder Fehlbelastung, doch was es genau war, konnte man nie sagen.
Im Sommer hiess es, realistisch sei eine Rückkehr aufs Feld im Dezember. Sind Sie im Fahrplan?
Ich denke, es macht keinen Sinn, sich einen Fahrplan zurechtzulegen, weil das Ganze viel Geduld braucht und auch schwierig einzuschätzen ist. Für mich war wichtig, dass ich Fortschritte mache, wenn auch nur kleine. Schlussendlich ist es mein Ziel, wieder schmerzfrei spielen zu können, ob das im Dezember oder im Januar ist, steht für mich nicht im Vordergrund.
Gibt es rückblickend auch Positives, das Sie aus der unihockeyfreien Zeit mitnehmen?
Zu Beginn war es nicht leicht, vor allem in der Zeit, als ungewiss war, wie schwerwiegend die Verletzung ist und wie lange sie dauern wird. Mit der Zeit war ich aber gezwungen, die Situation zu akzeptieren. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich auch Positives aus der Verletzung mitnehme. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man manchmal geduldig sein muss und dass die Gesundheit etwas vom Wichtigsten im Leben ist. Ich erkannte, dass Gesundheit und Glück nicht selbstverständlich sind. Zudem lernte ich, banale Dinge zu schätzen und zu lieben - wie etwa schmerzfreies Sitzen. Ich habe auch festgestellt, dass es noch viele andere Dinge im Leben gibt als Unihockey. Vorher gab es nur das.
Wie schwer fällt Ihnen die Rolle der machtlosen Zuschauerin?
Nicht leicht. Ich bin von Natur aus jemand, der selbst aktiv sein will und eher ungern zuschaut. An den Spielen von Piranha war ich eher wenig anzutreffen - es fällt mir nicht einfach, oft zuzuschauen.
Am Donnerstag konnten Sie zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft trainieren. War es auch das erste Mal, das Sie wieder einen Stock in den Händen hielten?
Nein, ich spiele fast wöchentlich gegen meinen Freund. Leider gewinnt jeweils der Falsche... (lacht)
Bei wie viel Prozent, würden Sie sagen, sind Sie derzeit?
Das ist schwierig in einer Prozentzahl auszudrücken. Ich war aber seit meiner Verletzung noch nie so fit wie jetzt, so nah am Comeback war ich noch nie. Um 100 Prozent fit zu sein, brauche ich aber noch Spielpraxis.
Haben Sie das Schweden-Abenteuer schon neu geplant?
Ja, nächste Saison gehe ich mit meinem Freund nach Schweden und spiele bei Endre. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung.
Zeitungsinterview "Die Südostschweiz"