03.
2014
Piranha nahe am Optimum
Piranha Chur hat sich mit 3:0 Siegen auf dem schnellstmöglichen Weg für den Playoff-Final der Frauen qualifiziert. Gegen die Red Ants Rychenberg spielte der Meister (endlich) wieder mal gross auf. «Nun ist alles möglich», ist Flurina Marti überzeugt.
Wer sich für die deutsche Fussball-Bundesliga interessiert, der kommt an der Talk-Sendung «Doppelpass» am Sonntagmorgen auf Sport1 nicht vorbei. Fünf mehr oder weniger kompetente Studiogäste diskutieren jeweils in geselliger Runde die Geschehnisse der Vorwoche. Buchstäblich im Mittelpunkt steht das Phrasenschwein, ein «Kässeli» in Schweinchenform, in welches für die übelsten Phrasen, wie beispielsweise wie «der Cup hat seine eigenen Gesetze» oder «jedes Spiel beginnt bei Null», jeweils drei Euro einbezahlt werden müssen.
Auch in der Unihockeyszene hat es sich eingebürgert, mit solch belanglosen Phrasen Fragen zu beantworten. Da machen auch die Churer Piranhas keine Ausnahme. Beinahe mantrisch wird nach Spielen von «harter Arbeit», «Spiel für Spiel nehmen» oder «geschlossener Mannschaftsleistung» parliert. In den Phrasen steckt aber auch mehr als ein Körnchen Wahrheit. «Es war wirklich eine komplette Teamleistung», sagt Flurina Marti rückblickend auf die Halbfinalspiele gegen die Red Ants Winterthur.
Winterthur nie ins Spiel gekommen
Der diesjährige Play-off-Finaleinzug freut die Igiserin besonders. «Wir haben nahe am Optimum gespielt», sagt sie, «auch wenn es immer noch eine Steigerung gibt». In der Tat war es beachtlich, wie sich die Churerinnen für den Final qualifizierten. Nach der durchzogenen Qualifikation (nur Dritte), einem Trainerwechsel und weiteren Störgeräuschen galten die Piranhas - trotz Status als amtierender Meister - als Aussenseiter gegen Winterthur. Zweimal wurden im Halbfinal die roten Ameisen aber in der eigenen Halle bezwungen, ja teilweise vorgeführt. Und dies obwohl die Churerinnen dreimal (wenn auch nur knapp) zuvor in der Meisterschaft verloren.
«Der Sieg im Cup-Halbfinal hat uns aber gezeigt, dass wir gegen die Red Ants in wichtigen Momenten gewinnen können», entgegnet Marti. In drei Spielen fanden die Winterthurerinnen nie ein Rezept gegen die Piranhas, respektive konnten gar nicht ihr gewohntes Spiel aufziehen. Dies war vor allem der Verdienst der Interimstrainerin Natalie Stadelmann. «Sie hat uns perfekt eingestellt», dankt Marti der langjährigen Nationalspielerin, welche nach der Freistellung von Harri Lind den Cheftrainer-Posten übernahm. «Sie darf auch gerne nächste Saison bleiben», winkt Marti mit dem Zaunpfahl.
Bessere Torhüterin
Um zu den Phrasen zurück zu kommen: «Hinten dicht, vorne kreativ», lautet eine im Unihockey oft gehörte «Erfolgsformel». Auch die praktizierte Piranha nahezu in Perfektion. 170 von 180 Minuten lagen die Churerinnen in Führung, in jeder Partie gingen sie in Führung und liessen die Winterthurerinnen nie näher als ein Tor heran kommen. «Mental ist es ein grosser Nachteil, wenn man immer im Rückstand liegt», weiss Flurina Marti aus eigener Erfahrung. Die Churerinnen hatten nicht mehr Chancen als ihre Kontrahentinnen, «aber wir waren deutlich effizienter und vor allem hat unsere Torhüterin Lara Heini ihr Gegenüber Heidi Jud deutlich ausgestochen», lobt Marti ihre junge Torfrau, welche erstmals als Nummer 1 die Play-offs bestreitet.
«Alles möglich»
Ein wichtiger Grund war auch der verlorene Cupfinal gegen Zug. Die erste Niederlage in einem entscheidenden Spiel seit Jahren. «Ein Weckruf zur richtigen Zeit», weiss Marti mittlerweile. Der Optimismus ist zurück bei den Piranhas. «Nun ist alles möglich», floskelt auch die Verteidigerin, «Favorit sind wir auch weiterhin nicht». Der grösste Sieg der Churer Spielerinnen war denn auch, dass sie sich nicht von den Nebengeräuschen ablenken liessen. Denn, so sagt die Mutter aller Fussballphrasen: «Entscheidend ist auffem Platz». Dort hat Piranha eine deutliche Antwort gegeben.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"