04.
2016
Streiff: «Unser Hunger ist gross»
Mit dem UHC Dietlikon will die Churerin Andrea Streiff am Samstag den Superfinal im Schweizer Unihockey gewinnen und ihren Stammverein Piranha Chur nach vier Jahren vom Meisterthron stossen. «Wir haben ein paar Rechnungen offen», sagt die Wahl-Zürcherin.
Sport ist Andrea Streiffs täglich Brot. Kein alltägliches aber: Als Mitarbeiterin des Guest- und Event-Management-Departements der Fifa kennt die gebürtige Churerin den Sport von seiner schillernden Seite. Vor zwei Jahren war sie an der WM in Brasilien, vor einem Jahr an der Frauen-WM in Kanada «und ja, diesen Sommer geht's zu den Olympischen Spielen nach Rio», sagt Andrea Streiff fast schon verlegen. «Ja», sagt sie etwas verschämt, die Querelen in der Fifa-Chefetage sorgten für manch «blöden Spruch» in ihrem Umfeld, trotzdem sei es ein Traumjob. «Früher hab ich einfach die Spiele einer Fussball-WM geguckt, heute weiss ich was dahinter steckt, das verändert die Sichtweise», so die studierte Betriebswissenschaftlerin.
Warten auf den Titel
Nicht ganz die grosse Bühne einer Fussball-Weltmeisterschaft betritt Andrea Streif am Samstag. In der Klotener Eishalle am Schluefweg wird der zweite Schweizer Unihockey Superfinal ausgetragen. Mit dem UHC Dietlikon fordert Streiff wie im Vorjahr die Churer Piranhas heraus. Bis heute ein besonderes Spiel für die 29-Jährige. Bei Piranha Chur wurde sie gross, ehe sie des Studiums wegen vor acht Jahren nach Bern zog. Nach dem Abschluss ging es für die Verteidigerin vor vier Jahren Richtung Zürich. Beruflich fand sie zuerst beim FC Zürich Unterschlupf, sportlich bei Dietlikon.
Die Kontakte zu den Piranhas sind nicht abgebrochen, «auch wenn ich mittlerweile nur noch die älteren Spielerinnen kenne», wie Streiff zugeben muss. Mittlerweile lebe sie die Rivalität zwischen den Zürcher Unterländerinnen und den Bündnerinnen. Die Partie Chur gegen Dietlikon ist so etwas wie zum «Clásico» des Schweizer Frauen-Unihockeys geworden. Viermal in Serie standen sich die beiden zuletzt im Final gegenüber. Alle Serien und auch der erste Superfinal vor einem Jahr gingen aber an Piranha. Dafür holte Dietlikon zuletzt zweimal den Cupsieg. Zu wenig, wie Streiff findet. «Der Cup ist schön und gut, aber es zählt eigentlich nur der Titel».
Akribisch bereiten sich die Zürcherinnen drum auf das diesjährige Endspiel vor. «Der Hunger ist gross», sagt Streiff kampflustig, «wir haben einige Rechnungen offen». Dietlikon geht auch als leichter Favorit in die Partie. Den Qualifikationssieg holten sich die Zürcher Unterländerinnen bereits, ebenso den Cup und den vor der Saison ausgetragenen Supercup. Dazu gewannen sie zwei der drei Direktbegegnungen in der Meisterschaft gegen Piranha. Das Problem am Ganzen: Seit sieben Jahren warten die Dietlikerinnen nun auf den Titel. Die Piranhas gewannen dafür in den letzten sechs Jahren fünfmal die Meisterschaft.
«Cooler Event»
Das Thema Superfinal beschäftigte Andrea Streiff in den letzten Wochen intensiv. Die Mitarbeiter wissen um ihr Hobby und drücken ihr die Daumen, nur die eigene Familie ist gespalten. Schwester Simonas Herz schlägt - als langjährige Aktive - für die Piranhas, «aber sie würde zumindest mir den Titel gönnen», weiss Andrea Streiff. Mutter Elisabeth und Vater René haben sich dafür ganz auf die Seite der älteren Tochter geschlagen. Für die Premiere vor einem Jahr hat die Fachfrau übrigens lobende Worte parat. «Die Organisatoren haben das sehr gut gemacht, es war ein cooler Event», findet sie, vor allem in Anbetracht der die viel kleineren Mittel, als jenen, welche der Fifa jeweils zur Verfügung stehen. «Das ist eine andere Welt», weiss sie selber. Leben lässt sich in beiden.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"