21.
01.
2015
NLA Frauen | Autor: Keller Damian

„Wir sind alle enttäuscht“

Die Red Ants sind auf dem Weg, zum ersten Mal in der Geschichte die Playoffs zu verpassen. Wie kann man am einen Wochenende Meister Piranha schlagen - und dann gegen das bis dahin sieglose Zug United verlieren? Auch Nina Kälin hat keine Erklärung für die Achterbahnfahrt.

„Wir sind alle enttäuscht“ Nina Kälin dürfte mit den Red Ants diese Saison die Playoffs verpassen. (Bild: Damian Keller)

Nina Kälin (29) hat in ihrer Karriere schon vieles erlebt. Sie bestreitet ihre achte NLA-Saison, schnürte schon für die Riders, Zug, Piranha und seit dieser Saison bei den Red Ants ihre Schuhe in der höchsten Liga, dazu einige Jahre in der NLB. Die missliche Lage der Red Ants zu erklären, fällt ihr dennoch schwer. Und am kommenden Samstag (16.00 Uhr) wartet in der Hardau Leader Dietlikon, das den Winterthurerinnen im zweiten Quali-Umgang in Oberseen die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte (1:14) bescherte.

Auf den Sieg über Piranha Chur folgte am letzten Wochenende ein 2:3 gegen Zug United, das als Schlusslicht der Liga nach Winterthur gereist ist. Wie sind solche Schwankungen möglich?
Nina Kälin: Wir können uns das auch nicht wirklich erklären. Wir brachten gegen Zug nicht den gleichen Willen und Kampfgeist auf das Feld wie in der Woche davor gegen Piranha. Vielleicht liegt es daran, dass wir gegen Piranha nichts zu verlieren hatten, während wir gegen Zug als Favorit gewinnen mussten.

Zwei Drittel lang hattet Ihr die Sache zumindest defensiv unter Kontrolle. Dann brauchte es nur einen Fehler, der zum 2:2 führte, und alles brach auseinander.
Das ist im Moment wirklich typisch für unsere Situation. Es braucht wenig, um das Team zu verunsichern. Manchmal war es aber auch schlicht Pech - bei den diversen Niederlagen mit nur einem Tor Differenz hätte es auch anders ausgehen können. Wir bezahlen Lehrgeld.

Die Red Ants haben seit 1986 immer eine Medaille geholt. Als du unterschrieben hast, dürftest du dir etwas anderes als Rang 6 in der Qualifikation vorgestellt haben?
Nach den zahlreichen Abgängen und Rücktritten war es mir klar, dass es keine einfache Saison geben wird. Das ist normal bei einem grossen Umbruch. Man muss den vielen Jungen einfach Zeit geben. Aber Fakt ist: Wir sind alle enttäuscht.

Warst du trotz der Niederlage gegen Zug froh, nicht mehr dort zu spielen, weil es in der Zentralschweiz sogar noch schlechter läuft?
Solche Gedanken mache ich mir gar nicht. Die Red Ants reizten mich schon immer, darum habe ich hier unterschrieben. Bezüglich Zug war ich einfach im ersten Spiel der Saison etwas geschockt, kaum noch Mitspielerinnen aus der letzten Saison erkannt zu haben.

Wie bist du mit deiner persönlichen Leistung in dieser Saison zufrieden?
Es brauchte eine gewisse Anlaufzeit, bis sich die Linien gefunden haben. Danach lief es mir recht gut - aber man kann sich immer verbessern. Auch gegen Zug schoss ich zwar ein Tor, hätte aber noch zwei mehr machen können.

Du hast eine bewegte Karriere hinter dir - zwischenzeitlich glaubte man schon, du seist weg.
Vor vier Jahren kam ich an den Punkt, an dem ich den Aufwand zu hinterfragen begann. Ich spielte zu dem Zeitpunkt schon sehr lange. Doch nach meinem Wechsel in die 1. Liga Kleinfeld rührte sich der Ehrgeiz wieder, also stieg ich in der NLB bei den Hot Chilis wieder ein und kehrte dann in die NLA zurück.

Wie geht es mit den Red Ants weiter? Glaubst du bei sieben Punkten Rückstand auf die Wizards noch ernsthaft an eine Playoff-Quali?
Wir sollten gar nicht mehr auf die Tabelle schauen, sondern einfach das Beste aus den letzten sechs Spielen machen und versuchen, diese zu gewinnen.

Wären die Red Ants ein Fussballverein und statt in einer städtischen Turnhalle in einem eigenen Stadion zu Hause, würden die Spielerinnen wohl vor jedem Training an einer langen Reihe von Pokalen vorbei marschieren. Spürt man den Druck der Tradition trotzdem - oder sind die Red Ants ein „gewöhnliches Team" geworden?
Es gibt keine gewöhnlichen Teams. Egal, wo ich gespielt habe, hatte das Team immer einen eigenen Charakter. Die Erfolge habe ich nur aus der Perspektive des Gegners mitbekommen. Nun gab es einen Umbruch - und man muss den jungen Spielerinnen eine Chance geben.

Gibst du nächste Saison deine Erfahrung immer noch an diese Jungen weiter?
Das kann ich noch nicht sagen. Ich hatte in meiner Laufbahn glücklicherweise nie grosse Verletzungen, aber ich werde bald 30. Da spürt man gewisse Abnützungserscheinungen im Körper. Vor allem nach Niederlagen wie gegen Zug United.

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Kälins Treffer gegen Zug reichte am letzten Samstag nicht zum Sieg. (Bild: Damian Keller)

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