03.
2013
Piranha zieht Kopf aus der Schlinge
Mit einem 4:0-Heimsieg hat Piranha Chur den Einzug ins Play-off-Finale der Frauen geschafft. Erst im Schlussdrittel konnten die Churerinnen das das fünfte Halbfinal-Spiel zu ihren Gunsten kehren. Ab Samstag wartet Dietlikon im Finale.
Um 20.20 Uhr hielten die gut 600 Zuschauer gestern in der Gewerblichen Berufsschule in Chur die Luft an. Piranha-Stürmerin Sonja Putzi preschte auf der linken Flanke mit viel Zug nach vorne, bis ihr die Winterthurer Verteidigerin Karin Stettler auf Höhe der Gästebank den Weg abschnitt. Putzi flog beim Sprung über die Bande direkt auf die Winterthurer Spielerbank - und blieb benommen liegen.
Das Drittel musste vorzeitig beendet werden - zu spielen wären noch 32 Sekunden gewesen - erst nach einer halben Stunde ärztlicher Notversorgung wurde Putzi im Rettungswagen ins Churer Kantonsspital überführt. Nach dem Aufprall hatte Putzi für kurze Zeit ihre Beine nicht mehr gespürt. Schon beim Verlassen der Halle war das Gefühl aber zurück. Nach Spielschluss kam die Meldung, dass es ihr den Umständen entsprechend gut gehe.
Was lange währt
So tragisch es tönt: Der Unfall von Putzi war genau jene Initialzündung, welche die Churerinnen brauchten. 40 quälend lange Minuten liefen sie erfolglos gegen das Winterthurer Bollwerk an. Mit 0:0 begann das letzte Drittel, nur vier Minuten später konnte Seraina Ulber in Überzahlzahl mit einem Ablenker das so sehnlichst erwartete 1:0 erzielen. Und ähnlich einer Ketchupflasche, welche zuvor lange erfolglos geschüttelt wurde, flossen nun endlich die Tore. Mit einem Doppelschlag - erst umkurvte Corin Rüttimann die komplette Red-Ants-Abwehr zum 2:0 (47.), danach wurde Manuela Dominioni von Natalie Stadelmann perfekt bedient (48.) - erhöhte Chur auf 3:0.
Die Erleichterung war bis auf die hintersten Ränge der GBC zu spüren. Ironie des Schicksals: Dominioni wurde für die verletzte Putzi eingewechselt. Die Winterthurerinnen versuchten in der Schlussphase alles, um das Spiel noch zu kehren. Zu spät, in der 58. Minute stellte Ulber den 4:0-Schlussstand klar. Piranha konnte aufatmen: Der Finaleinzug war geschafft. Mit Standing Ovations und dem obligaten "Finale, oho" wurden die Churerinnen in der Schlussminute gefeiert.
Jetzt-erst-Recht-Stimmung nach Putzis Ausfall
Trotz der 40 torlosen Minute wurde Piranha-Trainer Fabian Disch nicht nervös. "Geduld war gefragt", so Disch, "wir gewannen die Zweikämpfe und hatten das Spiel eigentlich im Griff." Oft glich die Partie einem Handballspiel. Die Winterthurerinnen zogen sich weit zurück und überliessen den Churerinnen zu weiten Teilen das Spieldiktat. Lange fanden die Piranhas aber nicht den Schlüssel nicht, das Bollwerk zu knacken. Erst als Winterthur nach dem 1:0 der Bündnerinnen die Abwehr aufmachte, fand Piranha Chur die Räume für ihre schnellen Angriffe.
Die schwere Verletzung Putzis brachte die Churerinnen nicht aus dem Konzept. "Als klar war, dass sie okay ist, stellte sich in der Kabine eine 'Jetzt-erst-Recht-Stimmung' ein", erzählte Disch nach Spielschluss. Mit 3:2 Siegen setzten sich die Churerinnen durch. Ab nächster Woche wartet nun Dietlikon im Finale. „Ein Gegner, der hoffentlich mehr mitspielt", hofft Disch, „das käme unserem Spiel sehr entgegen." Am Samstag findet die Ouvertüre in Chur statt.
Piranha Chur - Red Ants Winterthur 4:0 (0:0, 0:0, 4:0)
GBC. - 595 Zuschauer. - SR Hohl/Keel.
Tore: 45. Ulber (Ukkonen/Ausschluss Scheidegger) 1:0. 47. (46:06) Rüttimann 2:0. 48. (47:26) Dominioni (Stadelmann) 3:0. 58. Ulber (Zwinggi) 4:0.
Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Piranha Chur, 6mal 2 Minuten gegen Red Ants Winterthur.
Piranha Chur: Siltanen; Marti, Streiff; Ukkonen, Kornberger; Stadelmann, Putzi (40. Dominioni), Anderegg; Rüttimann, Ulber, Zwinggi.
Red Ants Winterthur: Mäkelä; Bühler, Kunz; Karin Stettler, Kokko; Kern, Frick, Scheidegger; Dirksen, Kathriner, Daniela Stettler.
Bemerkungen: Piranha Chur komplett. - 26. Siltanen hält Penalty von Bühler, 40. Putzi verletzt ausgeschieden. - 47. (46:06) Time-out Red Ants Winterthur, 60. Pfostenschuss Frick. - Siltanen (Piranha Chur) und Scheidegger (Red Ants Winterthur) als beste Spielerinnen ausgezeichnet.
Zeitungsbericht "Die Schweiz am Sonntag"