Die Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft muss ihren Goldtraum begraben: In einem packenden Halbfinal verliert die Schweiz gegen Finnland an der Weltmeisterschaft in Stockholm mit 5:2. Heute Sonntag trifft sie im kleinen Final auf Tschechien.
In der 58. Minute verliess der erneut stark aufspielende Schweizer Goalie Roger Tönz bereits sein Tor – seine Mannschaft lag 4:2 im Rückstand, zu sechst wollte sie noch den Ausgleich bewerkstelligen. Es blieb beim Wollen – Markus Bollström fing einen Passversuch ab und lief alleine aufs leere Tor. Sein 5:2 war die endgültige Entscheidung im bisher besten Spiel an dieser Weltmeisterschaft. Packend, schnell und von den 7'153 Zuschauern im Stockholmer Globen lautstark und farbenfroh untermalt. Viel hatte nicht gefehlt, „zu wenige Abschlüsse“ fand Center Roger Gerber als grösstes Problem. Nationaltrainer Markus Wolf unterstützte dies und ärgerte sich gewaltig nach der Niederlage: „Es wäre die Chance gewesen, Weltmeister zu werden“. In der Tat – weltmeisterlich hatten die Schweden im Halbfinal nur zehn Minuten agiert. Finnlands Coach sah in den vielen gewonnenen Zweikämpfen den Schlüssel zum Erfolg. Überrascht war er von der Passivität der Schweizer zu Beginn des Spiels: „Erst im zweiten Drittel spielte die Schweiz so, wie wir sie erwartet hatten.“ Beide Trainer waren sich aber einig, ein hartes und aggressives, aber jederzeit faires Spiel gesehen zu haben.
Geniestreich Kohonens
Zu Beginn des Spiels waren die Finnen klar stärker. Mit einem Offensiv-Feuerwerk wirbelten sie die Schweizer Abwehr gehörig durcheinander – nach 34 Sekunden lag der Ball bereits im Tor von Tönz. Michael Flury hatte einen Schuss von Kohonen unhaltbar abgelenkt. Die Schweizer hatten grosse Mühe das finnische Tempo zu halten. So erzielte Mikael Järvi das 2:0 (13.), das Christoph Hofbauer in Überzahl kurz danach mit dem Anchlusstreffer beantwortete (16.). Wenige Sekunden vor der Pause hatten die Schweizer Pech, als Jari-Pekka Lehtonen ein abgelenkter Ball direkt vor dem Tor auf die Stockschaufel prallte. Nach Marc Dyslis Weitschuss-Treffer in der 22. Minute kamen die Schweizer immer besser ins Spiel, einzig die angesprochene mangelnde Chancenauswertung verhinderte den Ausgleich. Der Vorentscheidung in der 52. Minute ging ein Geniestreich von Mika Kohohnen aus. Mit einem Pass über das ganze Feld hob er die Schweizer Abwehr aus den Angeln – Bruder Mikko hatte keine Mühe das 4:2 zu erzielen.
Starker Dysli
Die Schweizer Nationalmannschaft hat eine sehr überzeugende Vorstellung abgeliefert. Tönz war der sichere Rückhalt, vor ihm räumte vor allem Dysli alles weg was sich ihm in den Weg stellte, zudem fanden die Finnen gegen seine zielstrebigen Vorstösse kein Rezept. Auch Roger Gerber wirbelte sich gehörig durch die finnische Abwehr. Manchmal agierte er leider etwas zu verspielt. Gut in Szene zu setzen wusste sich auch Matthias Hofbauer, der wenige Zweikämpfe verlor. Gegen Tschechien müssen die Schweizer nochmals eine ähnliche Leistung zeigen, dann die Bronzemedaille drin. Zu gönnen wäre es ihnen – und eine Rechnung von der WM 2004 haben wir ja auch noch offen…
Finnland – Schweiz 5:2 (3:1, 0:1, 2:0)
Globen, Stockholm (SWE) – 7'153 Zuschauer
SR: Nystrand / Rasbrink (SWE)
Tore: 1. (0.34) Mika Kohonen (Punkari) 1:0, 13. Järvi (Kirilehto) 2:0, 16. Chr. Hofbauer (M. Hofbauer/Ausschluss Punkari) 2:1, 20. (19:39) Lehtonen (Laine) 3:1, 22. Dysli (M. Gerber) 3:2, 51. Mikko Kohonen (Väänäen) 4:2, 59. Bollström (ins leere Tor) 5:2
Strafen: Finnland 2-mal 2 Minuten, Schweiz 1-mal 2 Minuten
Finnland: Toivoniemi; Isomäki, Punkari; Kavekari, Vehkaoja; Väänäen, Kivilehto; Tiitu, Mika Kohonen, Mikko Kohonen; Salminen, Hintikka, Bollström; Järvi, Lehtonen, Laine; Jussila
Schweiz: Tönz; Flury, Schneeberger; Kaltenbrunner, Bill; M. Gerber, Dysli; M. Hofbauer, Zürcher, Chr. Hofbauer; Krähenbühl, R. Gerber II, Zimmermann; Aeschlimann (ab 41. Bachmann), Stucki, Brunner (ab 21. Cadisch)
Bemerkungen: Schweiz ohne Rohner, Wolf, R. Gerber I (alle überzählig); 58. Time-out Schweiz
Beste Spieler: Järvi / M. Hofbauer