05.
2002
Blitzinterview: Gianpaolo Caroprese, Italien
Wir hatten im letzten November unsere ersten Zusammenzuege und haben seit dem je zweimal gegen Ungarn, Oesterreich und die U19 der Schweiz gespielt. Unsere gemeinsamen Wurzeln haben uns sehr schnell zu einer Einheit werden lassen.
Es gibt ja auch noch einige "echte" Italiener im Team...
Ja, das war die Vorgabe des Verbandes. Es spielen knapp die Hälfte der Spieler in Italien. Wenn wir die stärksten Italiener der Welt aufgeboten hätten, wäre der Sprung in die A-Gruppe wohl problemlos möglich. Aber der Verband wollte und will auch das einheimische Unihockey fördern und weiterbringen, deshalb diese Massnahme. Es bringt wenig, einfach eine starke Nati zu haben, während sich die Liga nicht weiter entwickelt.
Ihr habt euch bis jetzt sehr gut geschlagen und seid Gruppensieger. Hättet ihr das gedacht?
Wir waren natuerlich schon optimistisch, aber dass wir gleich so auftrumpfen wuerden, hätten wir nicht gedacht. Man muss aber schon auch sehen, dass wir 12 Spieler im Kader haben, die in der Schweiz oder in Skandinavien schon lange Erfahrung sammeln konnten. Das gibt uns gegenueber anderen Nationen einen grossen Vorteil. Auch unsere Goalies aus der Schweiz sind eine grosse Verstärkung.
Die Emotionen gehen bei euren Spielen recht hoch, richtig italienisch eben...
Ja, wir freuen uns alle sehr, fuer Italien an einer WM spielen zu können. Vor kurzem war das noch ein Traum, jetzt ist er Wirklichkeit geworden. Und die Begeisterung ist wirklich gross - sieh dir mal Dome Pondaco an... Er schleppt sich verletzt durch das Turnier, gibt aber trotzdem alles. Wir sind wie eine grosse Familie, die sich durch die Nationalmannschaft gefunden hat. Auch neben dem Platz unternehmen wir viel gemeinsam.
Und sprachlich gibt es keine Probleme? Man hört die verschiedensten Ausdruecke auf dem Platz.
Das spielt keine Rolle. Alle sprechen fliessend italienisch - höchstens mit dem "unihockey-italienisch" haben einige Muehe. Aber das ist kein Problem - fuer mich zum Beispiel klingen auch die deutschen Ausdruecke ähnlich wie norwegisch und ich verstehe sie.
Was ist denn noch typisch italienisch an eurem Spiel?
Als wir gegen die Spanier 4:0 gefuehrt haben und nicht mehr unbedingt weiter den Torerfolg suchten - um es vorsichtig auszudruecken - hörten wir von der Tribuene herunter schon die Sprueche. Das sei typisch italienisch, jetzt spielen sie nur noch Catenaccio und so weiter (lacht). Aber das ist doch normal, wir brauchten wirklich keine Tore mehr.
Ein Wort zu euren bisherigen Gruppengegnern?
Wir wussten, dass wir die Spanier schlagen muessen und werden. Von den Engländern wussten wir wenig - Angst hatten wir nur vor den Polen, die schon WM-Erfahrung mitbrachten. Aber es ist ja alles gut gegangen, wir haben alle Spiele gewonnen.
Und der Viertelfinal gegen die USA?
Auch die USA sind kein unbezwingbarer Gegner - eigentlich sollten wir sie schlagen. Die Russen im Halbfinal hingegen sind ein ganz anderes Kaliber.
Wenn du grad nicht an der WM bist oder bei Akerselva spielst, wie verbringst du deine Zeit?
Ich bin Bauingenieur, was viel Verantwortung und Zeitaufwand mit sich bringt. Zudem arbeite ich an der internationalen Floorball-Page "floorballnow.com" mit. Zum Glueck spielt meine Freundin in der 1.Division Norwegens, also bringt sie viel Verständnis fuer diese Tätigkeit mit.
Gianpaolo, besten Dank fuer das Gespräch und viel Erfolg morgen gegen die USA!