10.
2025
Claudio Schmid: "Frischer Wind tut immer gut"
Claudio Schmid wechselte im Sommer vom UHC Uster zum SV Wiler-Ersigen und bestreitet Anfang November seine zweite EFT mit dem A-Nationalteam. Am Wochenende erlebte er mit dem ersten Derby gegen Köniz ein erstes Highlight, ehe mit der bitteren Niederlage in Winterthur ein erster Dämpfer folgte.
Nachdem du deine ganze Karriere in Uster bestritten hast, gab es am Samstagabend für dich dein erstes Berner Derby. Wie war es? Sportlich und von der Stimmung her?
Claudio Schmid: Von der Stimmung her war es gut, es hatte viele Leute. Mit früheren Derbys derselben Teams kann ich es natürlich nicht vergleichen und man muss doch immer versuchen, fokussiert zu bleiben. Es ist ein cooles Gefühl, wenn die Halle so voll aussieht. Spielerisch war es auch gut, das Derby-Feeling kannte ich aus Uster von unseren Derbys. Zudem war es wohl der bisher stärkste Gegner in der laufenden Quali, nachdem wir zuvor meist gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte antraten. Es war rundum cool.
Welche Veränderungen (Zügeln, Ausbildung usw.) brachte dein Transfer mit sich? Vor einem Jahr hattest du gerade erst mit dem Studium an der ZHAW angefangen.
Ich habe von der ZHAW an die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) gewechselt. Ich wohne jetzt in Olten, damit es schön in der Mitte ist. Zum Studium habe ich drei Minuten, nach Zuchwil ins Training eine halbe Stunde, und von Zürich bin ich auch nicht zu weit weg, da dort immer noch viele Freunde und die Familie sind. Der Wechsel ging reibungslos, der Studiengang ist der gleiche, ich bin jetzt im zweiten Jahr. Dazu habe ich noch einen neuen Nebenjob angefangen, um etwas dazu zu verdienen.
Über das Spiel vom Sonntag müssen wir aber auch noch kurz reden. 4:1 nach 14 Minuten, und dann kein Tor mehr bis zum entscheidenden Gegentreffer in der Overtime. Wie fühlte es sich für dich an?
Ich habe das ehrlich gesagt noch nicht richtig verdaut. Ich bin extrem enttäuscht! Wir wussten eigentlich, dass wir es können, wir hätten es gekonnt und haben dies 20 Minuten lang gezeigt. Es ist frustrierend, dass es danach nicht aufgegangen ist. Wir haben aufgehört zu spielen. Dabei hätten wir noch das 5:2 auf dem Stock gehabt. Je weniger wir machten, desto mehr Hoffnung bekamen sie. Wir hatten das Vertrauen nicht mehr, dass es am Ende gut kommen wird. Je länger die Zeit ohne geschossenes Tor dauerte, desto mehr haben wir uns verkrampft. In der Verlängerung wurden wir dann noch einmal wachgerüttelt, aber das nützt auch nichts, wenn der Gegner zu diesem Zeitpunkt schon voll da ist. Es war ein richtiges Scheiss-Gefühl, denn die nächste, richtig grosse Herausforderung kommt somit erst in ein paar Monaten wieder.
Tore schiessen fühlt sich ja wohl erst einmal überall gleich an. Mit 11 Treffern in den ersten 6 Spielen bist du zufrieden, oder nimmst du dir jetzt Galante zum Vorbild und willst in jedem Spiel 2 mal treffen?
Grundsätzlich bin ich zufrieden, auch wenn ich ein etwas höheres Ziel hatte. Ich kann mich nicht beklagen, zumal man sich in einem neuen Team auch einfügen muss und zu Beginn immer mal wieder in eine andere Linie kommt. Die Skorerpunkte kommen dann von selber, wenn alles andere gut läuft. Es wird eigentlich immer besser und am Ende kommt es ja doch vor allem drauf an, dass das Team gewinnt und wir uns als Team entwickeln, und auch ich mich noch entwickeln kann, beispielsweise was die Defensive betrifft und weitere kleine Sachen. Da bin ich noch nicht ganz zufrieden. Zu einem Galante kann ich aber schon noch aufblicken, ein paar Sachen abschauen, wie er genau zu so vielen Toren kommt. Das motiviert mich dann natürlich umso mehr, wenn wir beide uns noch ein kleines Duell in der Torschützenliste liefern können.
Die Stimmung bei euch im Team scheint ganz gut zu sein. Ich nehme an, die Trainer um den Staff von Tatu Väänänen sehen sich bei einem Spieler wie dir immer auch noch als Ausbildner. Wie wichtig war dein Wechsel für deine sportliche Entwicklung?
Ich denke, es war ein sehr wichtiger Schritt für meine Entwicklung. Einerseits ein neuer Trainer mit neuen Inputs, da ist Tatu Väänänen schon ganz anders als Simon Meier. Es ist aber das Gesamtpaket, was die Entwicklung ausmacht: Neue Mitspieler, neue Gegner beim Training im Team, die Taktik ist anders, die Eintellung ist anders, und das ganze Verhalten neben dem Feld hat auch einen grossen Einfluss. Ich bin zufrieden, wie es bisher läuft und wie ich mich ins Team einfügen konnte. Ich denke, grundsätzlich ist Frischer Wind immer gut und es tut jedem gut, mal etwas Neues zu wagen.
Du bist im Aufgebot für die kommende EFT, ist dies deine erste EFT mit der A-Nati? Was sind deine Gedanken dazu?
Nein, es ist tatsächlich meine zweite, aber die erste ist schon recht lange her. Das war 2022 noch unter David Jansson. Es regt mich etwas auf, dass ich es seither nicht mehr geschafft habe, aber das hatte auch seine Gründe, zumal ich ein Jahr lang verletzt war und es danach sportlich erst einmal nicht reichte. Aber jetzt kann ich endlich wieder Länderspiele bestreiten, wo es wirklich um etwas geht, die hoch angesehen sind im Vergleich zu gewissen anderen Länderspielen. Und natürlich auch im Trainingscamp voll profitieren. Nun bin ich wieder bei den 20 Leuten, die Nationaltrainer für wichtige Länderspiele dabei haben will und ich freue mich sehr, diese Chance zu erhalten. Das Ziel wäre es wirklich, an der WM 2026 dabei zu sein und das ist nun eine riesige Chance, mich dafür zu empfehlen und dementsprechend ist die Vorfreude auch sehr gross.