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Den zweifelhaften Ruf abgelegt
Die beiden Superfinals brachten neue Schweizer Meister hervor. Sowohl die Wizards Bern Burgdorf als auch der HC Rychenberg Winterthur konnten endlich die ersehnten Früchte einer langjährigen Aufbauarbeit ernten.
Sensation? Verdutzt verzieht Dana Misteli die Augenbrauen, als sie von SRF-Mann Reto Müller kurz nach dem gewonnen Superfinal darauf angesprochen wird. Für ihr junges Alter sehr abgeklärt entgegnet sie, dass sich dieser Erfolg abgezeichnet habe und hart erarbeitet wurde. Historisch betrachtet, trifft der Begriff «Sensation» auf den Titelgewinn vielleicht zu. Schliesslich sind die Wizards erst das vierte Team in der Geschichte des Schweizer Frauen-Unihockeys, dass den Kübel in die Höhe stemmte. Zug United versuchte zuletzt zweimal vergeblich, die Jets in einem Superfinal zu bezwingen. Die Skorps und Piranha ebenso.
Jung und wild
Im Vorfeld wurde die fehlende Finalerfahrung oft als Nachteil zu Ungunsten der Bernerinnen ausgelegt. Durchaus liefert die jüngere Sportgeschichte zahlreiche Beispiele, bei denen Teams einen ersten Final verloren und erst im zweiten Anlauf erfolgreich waren. Doch die Wizards verstanden es schlicht und einfach, den Nachteil, der sich vor allem noch in den ersten zehn Minuten bemerkbar machte, zu kaschieren. Abgesehen von der Geschichte ist der Titelgewinn viel mehr logisch und verdient als sensationell. Grenzte die Unterstellung einer Sensation gar ein bisschen an Respektlosigkeit?
Mit der besten Defensive (53 Gegentore) souverän zum Qualisieg. Aus 29 Spielen nur fünfmal als Verlierer vom Platz, die drei Partien gegen die Jets allesamt gewonnen und dabei nur sechs Tore zugelassen. Eine Saison mit solchen Zahlen wurde früher auch schon mal als «dominant» bezeichnet. Doch die Wizards bekamen ihr Image des glücklosen Verlierers nie ganz weg. Zwar immer in den vorderen Rängen dabei und auch mal WM-Teilnehmerinnen wie Lena Cina oder Corinne Häubi herausgebracht, aber eben auch immer wieder im Halbfinal gescheitert - sei es im Cup oder in der Meisterschaft.
Am Samstag verpassten es die Jets, die Anfangs-Nervosität und die Aufbau-Fehler - das 1:0 von Rezacova ausgenommen - konsequenter auszunutzen. Das Team von Mirco Torri zog dagegen sein Spiel aus der Qualifikation bis zur letzten Sekunde durch - Superfinal hin oder her. Blocken, Laufen, Schiessen, lässt sich dieses einfach herunter brechen. «Ich war etwas überrascht, dass sie nicht höher pressen», sagte Marcia Wick nach dem ersten Drittel. «BeBu» liess sich auch nicht aus der Reserve locken, als das Spiel während 30 Minuten 2:2 und damit auf der Kippe stand.
Taktisch zwar etwas wirr und nicht bis zum letzten Meter vorgegeben, doch mit viel Leidenschaft und Herzblut schirmten die Zauberinnen ihr Tor ab. Mit jedem geblockten Schuss stieg das Energie-Level und das Selbstvertrauen, während die Zürcherinnen mit jeder verstrichenen Minute verzweifelter wirkten. Genau in dieser Phase machte sich für Torri ausbezahlt, dass er praktisch während den ganzen 60 Minuten auf drei Linien setzte, derweil die Jets schon früh forcierten. «Ich habe das in einem Superfinal noch nie gesehen», zeigte sich selbst SRF-Experte Kaspar Schmocker überrascht.
Etablierung in den Top 3?
Die Wizards wirkten einen Tick frischer, agiler, wirbliger. Physisch gesehen macht es eben doch einen Unterschied, ob man jeden zweiten Einsatz auf dem Feld steht oder immer zwei Einsätze zum Verschnaufen kriegt. Die Frische spielte den Wizards vor allem bei ihren Kontermöglichkeiten in die Karten. Die Jets investierten zu viel und wurden bitter bestraft. Sinnbildlich der entscheidende Treffer Mistelis nach einem 3-gegen-1, eine Situation, die es bei diesem Spielstand eigentlich nie und nimmer geben dürfte.
Gewiss, die Wizards zeigten keine atemberaubenden Kombinationen oder revolutionäre Spielauslösungen. Aber sie fokussierten sich auf ihre Stärken und spielten einfach, schnörkellos und entschlossen. Der Titel ist nun der Lohn für eine jahrelange solide Arbeit, die im Nachwuchs erledigt wurde. Angefangen vor drei Jahren, als sich die Wizards bei den U21-Juniorinnen zum Schweizer Meister kürten. Es folgten drei weitere Finalteilnahmen mit einem weiteren Titel. Die junge Generation um Dana Misteli, Annika Morf und Mirjam Wyss ist wild und hungrig - und hat noch viel vor sich. Nun gilt es, sich als nächsten Schritt in den Top 3 zu etablieren und weiter auf die Breite zu setzen, damit sich alle weiterentwickeln können.
Dem Schweizer Frauen-Unihockey tut es nur gut, dass die Konkurrenz verbreitert wurde. «Oft wurde es als selbstverständlich betrachtet, wenn wir den Superfinal gewannen. Doch heute wurde brutal aufgezeigt, dass es eben auch für uns nie ein Selbstläufer war», sagte eine sichtlich enttäuschte Jets-Kapitänin Nina Metzger in den Katakomben. Wie Recht sie hat.
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Der HCR hat sich nach einer schwierigen Qualifikation bis zum Meistertitel gekämpft. (Bild: Dieter Meierhans)
Verpasster Titel-Hattrick für das Starensemble
Enttäuscht waren auch die Akteure von Zug United. Albin Sjögren, Sami Johansson und Robin Nilsberth zogen von dannen, noch bevor der HCR den Kübel in die Höhe stemmte. Für Letzteren war es mit dem verschossenen Penalty ein bitteres letztes Spiel seiner grossartigen Karriere. Beinahe hätte er mit United eine beeindruckende Wende erreicht, 0:4 lagen die Zentralschweizer kurz nach Spielhälfte zurück.
Es war bis dahin ein ungewöhnlich fehlerhafter Auftritt des Starensembles. Goalie Nils Schälin versuchte seine Vorderleute gestikulierend zu beruhigen, nach dem Doppelschlag zum 3:0 der Winterthurer machte sich Nervosität breit. Doch dann folgten kurz vor der zweiten Pause zwei Geniestreiche von Miko Kailiala und Justus Kainulainen. Ausgerechnet Kainulainen: der Finne gab kurz vor den Playoffs unverhofft sein Debüt. Augenscheinlich noch etwas angeschlagen kämpfte er sich übers Feld - für zwei Tore reichte es aber dennoch, wobei sein erstes ohne Zweifel das Prädikat «Weltklasse» verdient.
Weg war die schöne Ausgangslage der Winterthurer kurz vor der zweiten Pause, und weg war der schöne Vorsprung knapp fünf Minuten nach Wiederaufnahme des Spiels. «Wieder ruhig werden und nichts forcieren», gab HCR-Coach Philippe Soutter nach seinem schnurstracks gezogenen Time-Out seinen Mannen auf den Weg, wie Verteidiger Tim Aeschimann später verraten sollte.
Tatsächlich gelang es Winterthur, sofort wieder in die Spur zu finden. Wie bei den Frauen stand das Spiel auf der Kippe, Chancen gab es auf beiden Seiten zahlreiche und hochkarätige. Es war praktisch schon wie im späteren Penaltyschiessen: jeder Zentimeter, jeder Wimpernschlag konnte entscheidend sein - schlussendlich mit dem besseren Ende für den HCR.
Durch Widrigkeiten gekämpft
Das Wort Sensation nahm bezüglich des Winterthurer Triumphs niemand in den Mund, obwohl es vielleicht eher angebracht gewesen wäre als bei den Wizards. Mit der Dreifachbelastung Meisterschaft, Cup und Champions Cup kamen die Eulachstädter nicht zurecht und zogen einen rabenschwarzen Herbst ein. Ende Oktober kam es gar zu einem Trainerwechsel, die Qualifikation endete auf dem siebten Rang. So schlecht wie seit sechs Jahren nicht mehr.
Doch wer im Viertelfinal die aufstrebenden Tigers mit 4:0 wegwischt und danach auch Rekordmeister Wiler-Ersigen im Semifinal eliminiert, darf sich durchaus als wohlverdienter Schweizer Meister bezeichnen. Aus den letzten zehn Spielen musste sich der HCR nur einmal geschlagen geben.
«Es gab im neuen Jahr keine Unruhen oder Ablenkungen mehr. Wir arbeiteten in Ruhe weiter und fokussierten uns aufs Unihockeyspielen», erklärt Aeschimann. «Und in den Playoffs waren wir einfach im Flow, da muss man gar nichts Verrücktes anstellen.» Es ist der berühmte Fluss, von dem Schweizer Meister nach getaner Arbeit meistens sprechen und sich später, in schlechteren Zeiten, sehnlichst zurückerinnern.
Auch Rychenberg Winterthur wurde oft nachgesagt, sich für die harte Arbeit nicht selbst belohnen zu können. Professionelle Vereinsstrukturen, eine gute Nachwuchsabteilung und die einzige richtige Sport-Arena in der ganzen Liga. Finalteilnahmen waren rar, und wenn, dann wurden sie wie 2017, 2022 oder 2024 in der Berner Wankdorfhalle im Cupfinal - zum Teil auf dramatische Art und Weise - verloren. Erst im Spätwinter 2025 wurde mit dem Cupsieg über Zug der Finalfluch abgelegt. Mit dem ersten Superfinal-Sieg wird den Winterthurern zugetraut, auch in den nächsten Jahren bei den Entscheidungen mitzureden.
Die neue Saison wird sich auf jeden Fall noch ausgeglichener präsentieren - sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.