12.
2019
Der kollegiale Perfektionist
Der bisherige Assistenztrainer, Pius Caluori, wird per Saison 2020/2021 der neue Cheftrainer von Alligator Malans. Im Interview mit der «Südostschweiz» erzählt er, was seine Ziele sind, wie er mit dem Umstand umgeht, dass er einige gute Kollegen trainiert und was er am Spielstil im Vergleich zu dieser Saison ändern wird.
Beim NLA-Team Alligator Malans wird ab kommender Saison nicht mehr Oscar Lundin als Cheftrainer an der Bande stehen. «Nach dieser Saison ist es für mich und meine Familie Zeit für ein neues Kapitel», wird der Schwede in einer Mitteilung des Bündner Unihockey-Vereins zitiert. Lundins Nachfolger wird mit Pius Caluori ein Mann aus den eigenen Reihen. Caluori ist ein Malanser Urgestein und in der Unihockeyszene bestens bekannt - vor allem auch für sein aggressives Pressing, dass er über die Jahre weiterentwickelt und perfektioniert hat. In der Nationalliga-A darf man in der nächsten Saison ein noch offensiveres Alligator Malans erwarten. Was Caluori sonst für Pläne hat und wie er als Trainer tickt, hat er im Interview verraten.
"Südostschweiz": Wann hat sich abgezeichnet, dass Du neuer NLA-Trainer von Alligator Malans wirst?
Pius Caluori: Konkret wurde es im letzten Monat. Da haben wir wirklich intensiv angefangen zu diskutieren, ob der Wechsel von Oscar Lundin zu mir schon in der nächsten Saison vollzogen wird oder erst ein Jahr später. Abgezeichnet, dass ich dieses Amt irgendwann übernehmen könnte, hat sich bereits letztes Jahr im Dezember, als der Vertrag mit Lundin noch einmal verlängert wurde. Dort wurde thematisiert, dass bei seiner Rückkehr nach Schweden ich für ihn übernehmen könnte.
Du hast einen steilen Aufstieg hinter Dir. Angefangen hast Du vor rund zehn Jahren als D-Junioren-Trainer. War der Cheftrainer-Posten in der NLA schon immer Dein Ziel?
Eigentlich überhaupt nicht. Ich habe das in meinen Anfangsjahren nicht gesucht. Ich hatte einfach extrem Freude an der Sache, an der Trainer-Funktion und mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und diese zu entwickeln. Ich bin als Trainer immer etwa mit den gleichen Jahrgängen mitgegangen und jetzt sind diese Spieler auch in der ersten Mannschaft. Es schliesst sich nun ein Kreis für mich. Und seit ich in der NLA bin, wurde der Gedanken, dass ich dieses Amt irgendwann möchte, schon konkreter. Denn für mich war aufgrund der letzten drei Jahre in der NLA klar, dass ich nicht ewig Assistent bleiben möchte.
Wie gross ist aktuell Dein Einfluss als Assistent unter Oscar Lundin?
Es ist extrem cool mit ihm zusammenzuarbeiten und ich freue mich auch extrem auf die letzten Monate mit ihm. Er gibt mir extrem viel Verantwortung. Ich bin dafür zuständig, dass unsere Verteidigung und unser Boxplay funktioniert. Es ist mit Lundin immer eine Teamarbeit. Das ist auch mein künftiges Ziel. Ich bin der Meinung, dass das in der heutigen Zeit das Modell ist, dass man haben muss.
Was sind Deine Ziele mit Alligator Malans?
Das erste Ziel ist es, die Mannschaft noch einmal einen Schritt weiter zu bringen. Wir haben nun doch noch einige Spieler, die ins beste Unihockey-Alter kommen und haben extrem viele talentierte junge Spieler die nachrücken. Mein Ziel ist es, mit diesen Spielern ans Leistungsmaximum zu kommen und unser Potenzial voll auszuschöpfen. Was die Konkurrenz macht, können wir natürlich nicht beeinflussen. Aber wir wollen weiterhin mit Alligator um Titel mitspielen.
Wie würdest Du dich selber beschreiben? Und gibt es Unterschiede zwischen Privatleben und Unihockey?
Unterschiede nicht, nein, man muss schliesslich authentisch sein. Trotzdem muss man zwischen Privatleben und Unihockey auch ganz klar abgrenzen. Im aktuellen Team von Alligator kenne ich fast alle Spieler mehr als zehn Jahre und es sind auch ganz gute Kollegen darunter. Das soll auch so bleiben. Ich will ein kameradschaftlicher Trainer sein. Ausserdem will ich partizipativ führen. Die Spieler sollen Einfluss nehmen und ihre Meinung sagen können. Es gibt aber sicher auch Situationen, wo ich ganz klar der Chef sein muss. Dann gibt es klare Regeln und daran muss man sich dann auch halten.
Macht es das nicht für Dich viel schwieriger, wenn Du ein Team trainierst, in dem mehrere gute Kollegen spielen?
Es kann grundsätzlich schon ein Problem sein. Aber diese Leute kennen mich extrem gut und die Spieler, die ich trainiert habe sowieso. Die wissen wie ich ticke. Klar, ich bin mit ihnen auch in der Freizeit unterwegs. Aber die Leute wissen ganz genau, wenn ich in der Halle bin, dann will ich professionell arbeiten. Das ist auch etwas, dass in der Vergangenheit schon extrem gut funktioniert hat. Ich trenne das relativ klar und bewusst. Wenn ich aber merke, dass es Schwierigkeiten gibt, versuche ich sobald als möglich das Gespräch zu suchen und eine Lösung zu finden.
Wie willst Du mit Alligator Malans spielen?
Im Vergleich zum Spiel heute werde ich nicht allzu viele Änderungen vornehmen. Ich würde aber noch offensiver spielen und ohne Ball noch tiefer in der Zone des Gegners drinstehen. Wenn ich eine Headline setzen müsste, würde ich schreiben, dass es unter mir kein defensives Alligator Malans geben wird. Das aggressive Pressing habe ich während den letzten sechs bis sieben Jahren immer wieder weiterentwickelt und ist die Art, wie ich spielen lassen will. Wir wollen den Zuschauern auch etwas bieten. Das gehört für mich zu Alligator. Es ist nicht unsere Mentalität, an der Mittellinie zu stehen und auf Fehler zu warten.
Von verschiedenen Spielern hört man immer wieder, dass du ein Perfektionist bist, was Unihockey und Taktik anbelangt. Siehst Du das auch so?
Ja, das ist sicher so. Aber das heisst nicht, dass ich den Spielern deshalb keine Freiheiten lasse. Sonst nimmst du gewissen Spielern die Kreativität. Es ist immer ein Abwägen. In gewissen Situationen ist es aber auch einmal das Richtige, etwas dossierter mit der Kreativität umzugehen. Am Ende müssen wir auch flexibel bleiben. Und bezüglich Taktik: Über Taktik können wir sprechen, wenn die Mentalität stimmt und die notwendige Physis vorhanden ist, um überhaupt ein Pressing wie von mir gewünscht zu spielen. Wenn dann auch noch die Technik stimmt, beginnen wir über Taktik zu sprechen.
Quelle: "Die Südostschweiz", von Patrick Kuoni